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Landesmedienanstalt prüft Sat1-Sendung "Schwer verliebt"

Fernsehkritik-TV (Logo)

Fernsehkritik-TV (Logo)

Der Fernsehsender Sat1 macht aktuell mit einem fraglichen Format auf sich aufmerksam. Im Rahmen der Pseudo-Realityshow „Schwer verliebt“ wird suggeriert, dass Personen durch fragwürdige Aktionen einen neuen Partner finden. Ein Blick hinter die Kulissen wirft jedoch den begründeten Verdacht auf, dass das Drehbuch die Teilnehmenden vor einem Millionenpublikum blamiert.

Die neue Sendung des Privatsenders Sat1 wirkt bereits auf den ersten Blick eher fragwürdig. Unter der Moderation von Britt Hagedorn werden deutsche Erwachsene vorgestellt, die sich auf der Suche nach der großen Liebe befinden sollen. Während der Sendezeit unternehmen die Personen, die wunderlichsten Dinge, um einem potenziellen Partner näher zu kommen. Dabei schreckt der Sender nicht davor zurück, Szenen zu zeigen, in denen die Protagonisten in Unterwäsche am Strand über ihre Gefühle reden oder Ausschnitte mit denunzierenden Kommentaren zu untermalen.

Der Journalist Holger Kreymeier hat sich im Rahmen seiner populären Online-Sendung „Fernsehkritik-TV“ mit einer der Hauptprotagonistinnen „Sarah“ aus Rheinland-Pfalz unterhalten. Dieser wurde nach eigenen Angaben durch eine Produktionsfirma im sozialen Netzwerk Wer-Kennt-Wen die Teilnahme bei „Schwer verliebt“ angeboten. Eine eigenständige Bewerbung erfolgte allem Anschein nach nicht. Im Gespräch mit Kreymeier erklärte die 27-Jährige, was aus ihrer Sicht tatsächlich während der Produktion hinter der Kamera abgelaufen ist.

Keinesfalls sei der Handlungsablauf der Sendung tatsächlich eigeninitiativ von den Teilnehmern bestimmt gewesen. Das Kamerateam habe während des Drehs immer wieder Anweisungen gegeben, welche Aussagen die Personen machen sollten und wie sie sich in der nachfolgenden Szene zu verhalten haben. Nur so sei es laut Sarah zu entblößenden Ausschnitten gekommen, in denen sie beispielsweise halb nackt in einem Badesee Liebesgeständnisse von sich gibt. 

Sobald sich einer der Teilnehmer Aufforderungen verweigerte, habe das Sat1-Team mit rechtlichen Schritten wegen Vertragsbruches gedroht. In diesem Schreiben, das Sarah angeblich unter Zeitdruck ausfüllen musste, sei sogar überdies eine Verschwiegenheitserklärung integriert gewesen. Man könnte Sat1 unterstellen, dass auf diesem Wege die prekären Hintergrundinformationen zur Sendung unter Verschluss gehalten werden sollten. So sei beispielsweise ein weiterer Teilnehmer von „Schwer verliebt“ geistig behindert gewesen, was weder dem Zuschauer noch Sarah mitgeteilt worden sei.

Was den Protagonisten nach dem Dreh bleibt, ist das Gelächter eines ganzen Millionenpublikums und die Gage von 700 Euro. Nach eigenen Aussagen wurde dieser Betrag jedoch von den Stromkosten der Scheinwerfer und Kameras wieder weitgehend aufgezehrt.

Auch die Rhein-Zeitung wandte sich dem Fall mittlerweile kritisch zu. Da man das Sendeformat ablehnt, wurde eine Webseite mit dem Namen „Auf Sarahs Seite“ ins Leben gerufen, auf der die Situation dokumentiert wird. Wie die Redakteurin Vera Müller in einem Radio-Interview mit RPR1 erklärte, habe man im Kampf gegen das Trash-TV bereits erste Erfolge verzeichnen können. So habe ein Anwalt den Knebelvertrag, den die Produktionsfirma den Kandidaten ausgehändigt haben soll, als sittenwidrig beurteilt. Überdies seien nach der Aktion auch weitere Opfer bereit, die Verschwiegenheitspflicht zu brechen und an die Öffentlichkeit zu gehen.

Sogar auf politischer Ebene versuchen die Kritiker nun, etwas gegen das Sendeformat zu unternehmen. Wie die Rhein-Zeitung berichtet, prüfe die Landesmedienanstalt aktuell, inwiefern die Sendung gegen deutsches Recht verstößt. Ein Sprecher der Institution ließ jedoch verlauten, dass man bisher noch keine Verstöße habe erkennen können. Ein Verbot von „Schwer verliebt“ würde Sat1 vermutlich teuer zu stehen kommen. Denn die Zuschauer-Quoten sind trotz des fraglichen Inhalts steigend. Der Anteil unter allen TV-Zuschauern lag am vergangenen Sonntag bei 13 Prozent.

Wie sich der Fall entwickeln wird, bleibt abzuwarten. Auch am heutigen Sonntag war „Schwer verliebt“ ab 19 Uhr auf den Bildschirmen vieler TV-Zuschauern zu sehen. Sat1 selbst äußerte sich bisher nur sehr bedeckt zu den Vorwürfen. In Kreymeiers Sendung wird der Sender folgendermaßen zitiert: „Wir wundern uns sehr über Sarahs angebliche Aussagen. Wir haben von ihr bisher durchgehend positives Feedback erhalten“. Weiter habe man mit der Kamera nur reale Situationen abgebildet.

Der Videobeitrag über die Sendung bei Fernsehkritik-TV ist hier kostenfrei abrufbar.

Julian Wolf (g+) am Sonntag, 04.12.2011 21:39 Uhr

Tags: fernsehen landesmedienanstalten sat1 fernsehkritik.tv holger kreymeier schwer verliebt

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43 Reaktionen zu dieser Nachricht
  • Anonym0us am 16.12.2011 15:44:32

    Es ist doch schlicht so, dass sich die "Deppen" für eine Rolle in so einer Kacksendung bewerben und zu nichts gezwungen werden. Ich verachte beide Seiten aufs Schärfste. Die Macher und die Möchtegern-Schauspieler. ...

  • 1Bratwurstbitte am 09.12.2011 13:15:17

    Auch wenn ich mich nicht hervorheben möchte und mit dem Finger auf Andere zeigen möchte. Aber es ist doch selbstverständlich, dass die Sender ihren Sendeplan auf die Bevölkerungsschichten anpassen, die zu einem bestimmten Zeitpunkt vor der Glotze hocken. Ich bin jedes Mal aufs neue zu tiefst erschü ...

  • Paparazzi80 am 09.12.2011 13:09:16

    Hey, vergangenen Sonntag hab ichs mir aus reiner Neugierde ein paar Minuten mal angetan. Es ist schon eeeecht hart, wie sich die Leute dort geben und auch dargestellt werden. Ich finde aber, dass man bedenken sollte, dass keiner je gezwungen wird, an so einer Sendung teilzunehmen. In meinen Augen ...

  • Dorfdisko am 09.12.2011 12:59:27

    @Anonym0us Ähnlich funktionieren aber auch Meinungsumfragen und ähnliches. In so fern ist das ganze dann halt durchaus mehr oder weniger repräsentativ. Und auch diejenigen, die nicht zu den ausgewählten Haushalten gehören, haben ihren Einfluss auf die Quote, weil sie mit ihren Gesprächen im Privat ...

  • Anonym0us am 09.12.2011 10:37:58

    Das Problem sind nicht die Sender welche soetwas produzieren,sondern jene die für Einschaltquoten sorgen. Einfach mal lesen, wie Einschaltquoten funktionieren. Durch 5.640 Haushalte (davon 140, deren Hauptverdiener EU-Bürger ohne deutsche Staats ...

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