Amazon.de Screenshot
Stolz gab das US-amerikanische Social-Commerce-Versandhaus Amazon Ende letzten Jahres bekannt, dass zur Weihnachtszeit „viel los“ gewesen sei. In Stoßzeiten bestellten die Kunden weltweit bis zu 158 Produkte pro Sekunde. Am „Spitzentag“ waren es global mehr als 13,7 Millionen Artikel. Amazon.de verzeichnete am 13. Dezember 2010 seinen Rekordtag. Über 2,1 Millionen bestellte Waren mussten in den fünf deutschen Logistikzentren bearbeitet werden. Das entsprach mehr als 24 Artikel pro Sekunde. Jetzt veröffentlichte der Spiegel, dass sich das Versandhaus einer Gesetzeslücke bedienen soll. Die sogenannte "Maßnahme zur Aktivierung und beruflichen Eingliederung" dauert sechs Wochen. Nicht wenige Arbeitssuchende sollen davon aber nur vier Wochen bezahlt bekommen In den restlichen zwei Wochen erhalten sie Gelder der Agenturen für Arbeit oder der zuständigen Jobcenter. In den Jahren danach soll sich das Prozedere nicht selten wiederholt haben. Obwohl die Arbeitslosen die internen Abläufe schon kennen, wird erneut eine kostensparende Einarbeitung anberaumt. Wieder zahlt für 14 Tage nicht das Versandhaus, sondern letztlich der Steuerzahler. Das Problem: Das Sozialgesetzbuch verbietet es Arbeitgebern nicht, Praktika beim gleichen Arbeitgeber zu wiederholen. Diesbezüglich haben die Unternehmen freie Hand, wen sie wie oft wiederholt einstellen.
Nach Angaben der Gewerkschaft ver.di sollen alleine in Bad Hersfeld derzeit rund 5.000 Beschäftigte arbeiten. Zwei Drittel davon wurden lediglich befristet eingestellt. Laut ver.di gehören bei Amazon Befristungen zur Personalpolitik. „Durch sie werden die Beschäftigten unter einen enormen Leistungsdruck gesetzt. Über Handscanner, die die Beschäftigten für ihre Arbeit bei sich tragen, ist es möglich, ihre Tätigkeit lückenlos zu überwachen.“
Amazon deklariert sich selbst als Logistik-Unternehmen, nicht als Versandhaus, weswegen man niedrigere Tarife berechnet. Würde man den geltenden Tarifvertrag des Einzel- und Versandhandels zu Grunde legen, ergeben sich beträchtliche Lohndifferenzen. Ein in Bad Hersfeld beschäftigter Packer würde demnach jährlich inklusive der Wechselschichtzulage rund 4.228 Euro mehr verdienen. Auch werden keine tariflichen Zuschläge für Sonn- und Feiertage gewährt, oder „Einmalzahlungen, Urlaubs- und Weihnachtsgeld, vermögenswirksame Leistungen und der volle Lohn von Anfang an.“ Außerdem stünden den Mitarbeitern beim passenden Tarifvertrag mehr Urlaubstage zu.
Wem etwas nicht gefällt, der darf es bekanntlich Amazon zurück schicken. Return to sender - ver.di ruft nun alle dazu auf, den Managern einen Brief beizufügen, dass einem die Arbeitsbedingungen der Mitarbeiter nicht gefallen. Vermisst wird vor allem der Respekt gegenüber den Menschen.
Doch zurück zum vorliegenden Fall. Gegenüber dem Spiegel gab eine Sprecherin der Agentur für Arbeit in NRW bekannt, dass es nicht vorgesehen sei, dass mehrere Maßnahmen beim gleichen Arbeitgeber absolviert werden. Sie spricht bei der Häufung der unbezahlten Praktika von einem Fehler, der korrigiert werden müsse. Wie dies aber geschehen soll, ließ die Pressereferentin offen.
Text-Quellen: spiegel.de
Lars Sobiraj (g+) am Sonntag, 27.11.2011 16:55 Uhr
Das Amazon die Behörden austrickst ist in meinen Augen kein Skandal. Ich finds sogar sehr clever, und wirklich wehtun tuts auch keinen. Frei nach dem Motto ''Politik ist nur der Spielraum, den die Wirtschaft ihr läßt'' Vermisst wird vor allem der Respe ...
Ein zustand der geändert gehört. Dass viele keinen wollen, der mit 40 immer noch keine Erfahrung hat, wird sich vermutlich nicht so schnell ändern. Da bleibt aber immer noch der Weg über die Selbstständigkeit, wenn man die Zeit bis dahin dafür gesorgt hat, dass man ...
Wenn man erst mal 40 ist, ist es nämlich meist zu spät, um in einen Bereich zu wechseln, in dem man keine Berufserfahrung vorweisen kann - da will einen dann (logischerweise) keiner mehr. Ein zustand der geändert gehört. Ich denke, heute müssen junge Leute wir ...
Und du glaubst wirklich, dass es keinen Politiker interessieren würde, wenn die Leute endlich mal ihren Arsch hoch kriegen und auf die Straße gehen würden? Letztlich zählen Demonstrationen nichts, wenn dann nicht auch eine entsprechende Wahlentscheidung bei der nächsten W ...
Natürlich ist dieses Leistungsdenken, nach dem sich der Mensch allein über seine Arbeit definiert, nicht nur in den Piolitikerköpfen. Aber die Politikerköpfe sind relevant, wenn es darum geht, wie eine an sich gute Reform (nämlich den Ersatz von Arbeitslosenhilfe und Sozialhilf ...
Heutzutage ist die Internettelefonie neben Fest- und Mobilnetztelefonie immer gefragter. Per Internet zu kommunizieren ist nicht nur komfortabler und billiger, man ist zudem unabhängig von Tarifen, welche nur eine bestimmte Gesprächszeit günstig ermöglichen. Also wieso nicht auch Internet-Telefonie nutzen?
Lars Sobiraj am 14.05.2013, 13:52 Uhr
Der Petitionsausschuss des Deutschen Bundestags steht seit vielen Jahren den Bürgern und Gruppen für ihre Anliegen offen. Wir haben uns kürzlich mit einem der 80 Mitarbeiter des Hauses unterhalten. Da seit der Gründung nur sehr wenige Gesetzesänderungen durch Petitionen entstanden sind, wollen wir den Sinn dieser Institution hinterfragen. Dies ist vorerst der letzte Teil unserer Interview-Serie.
Lars Sobiraj am 12.05.2013, 12:51 Uhr
Wie ein 73-jährige Japaner beweist, kann man das am häufigsten benutzte Tabellenkalkulationsprogramm Microsoft Excel nicht nur für reguläre Berechnungen einsetzen. Tatsuo Horiuchi erstellt ausnahmslos seine traditionellen Gemälde mit Hilfe dieses Programms. Er arbeitet bereits seit 10 Jahren mit der Software und stellt seine Bilder in diversen Ausstellungen vor.