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Der Tanz ums goldene Kalb. Wenn Bushido endlich mal wieder polarisiert.

Läuft auf Hochtouren: Der Tanz ums goldene Kalb.

Läuft auf Hochtouren: Der Tanz ums goldene Kalb.

Ein altes Menü neu aufgewärmt. Anis Mohamed Youssef Ferchichi, besser bekannt als Bushido, spaltet mal wieder Presse und Publikum in mehrere Lager. Gestern ging der Twitter-Sturm los. Und spätestens jetzt, am 11.11.2011, mehrere Stunden nach 11:11 Uhr, haben die Twitteraner endlich wieder etwas zum Meckern gefunden. Dem polarisierenden Rapper sei Dank. Ein Kommentar von Lars "Ghandy" Sobiraj.

Wiesbaden. Es ist Bambi Time. Alle haben sich in Schale geworfen, die Frisuren sind auf Höchstform getuned. Sie warten auf Justin Gaga und Lady Bieber. Auf Altbundeskanzler Helmut Schmidt und jede Menge ach so nette Leute und Themen, die beklatscht und bequatscht werden wollen. Und dann mitten im PR-trächtigen Gleichklang der Nichtigkeiten kommt es endlich zur Störung. Die beiden Musiker von Rosenstolz geben während ihrer eigenen Preisverleihung bekannt, dass sie auch am nächsten Tag noch guten Gewissens in den Spiegel schauen wollen. Jeder solle zwar eine Chance für einem Neuanfang haben. Es sei allerdings nicht korrekt, jemandem einen Preis für Integration zukommen zu lassen, der noch vor wenigen Jahren in seinen Songtexten gegen Schwule und Frauen wetterte. Sie ziehen Bilanz. Seine Texte seien im Endeffekt nichts als "menschenverachtend". Peter Plate von Rosenstolz findet: "So einen Musiker hier heute Abend auszuzeichnen, finde ich nicht korrekt!"

Verhaltendes Klatschen und gleichzeitig auch Buhrufe. Plate hat ganz offensichtlich den politisch ansonsten sauberen Ablauf des gesamten Abends durcheinander gewirbelt. Oder aber die Buhrufe galten dem Möchtegern-Schauspieler und frisch gebackenen Saubermann Bushido. Die Analysten in den Unternehmenszentralen halten den Atem an. Endlich eine Gelegenheit. Endlich ein Thema, das man missbrauchen kann. Die ARD Netzreporter setzen die Geschichte überaus clever um, und befragen geplant ganz spontan diverse Prominente dazu. Die meisten Befragten antworten aber eher verhalten. Klare Worte kommen zumindest von der Ehefrau des Schauspielers Sky Dumont. Mirja würde Bushido lieber die "goldene Klobrille" als das goldene Bambi verleihen.

Und der enttäuschte ARD-Konkurrent ProSieben twittert unbarmherzig herum. Wahrscheinlich nur deswegen, weil er die Sendung nicht in seinem eigenen Portfolio wähnen kann. Und weil er sich bei den nach News und Aufregern geifernden Twitter-Usern darauf verlassen kann, dass sein Tweet hinaus in die Welt getragen wird. Hinaus zusammen mit dem eigenen Markennamen. "Gerücht. #Bushido gewinnt den ganz bedeutenden Rhetorik-Preis #Dummschwätzer des Jahres. Die Laudatio hält er selbst." Und der einzig kritische Tweet des offiziellen Bambi-Accounts wurde wenig später aus Sorge vor mangelnder political correctness einfach wieder gelöscht. Es knirscht im Gebälk. Und junge Rehe sind scheinbar doch sehr sensible Viecher. Das muntere Kitz hat sich seine Aussagen mehr oder weniger freiwillig wieder aus dem Maul reißen lassen. Oder war gar ein Praktikant am Werk, der einen über den Durst getrunken sich verzwitschert hat? Man weiß es nicht und wird die reine Wahrheit sicherlich nie erfahren.

Sogar die Piraten lassen sich auf Bundesebene auf eine Pressemitteilung ein. Sie vermissen „grundlegende Werte des Burda-Verlages“ bei der Auswahl seiner Preisträger. Oder ist dies etwa die Rache dafür, dass die den Rapper vertretende Kanzlei der Piratenpartei noch im Sommer eine Abmahnung zukommen liess? Fraglich ist aber: Hat sich da wirklich jemand beim Bundesvorstand freiwillig einen Song von Bushido heruntergeladen? Das kann doch nicht sein - oder war selbst das ein PR-Manöver? Die nicht nur hinter den Ohren grüne Claudia Roth findet, Bushido sei nicht „preiswürdig“. Ob deren Pressemitteilung es aber war? Christopher Lauer murmelte das gleiche, wenn es um die orangefarbene Mitteilung geht. "Wir haben nicht wirklich ne PM zu #Bushido rausgebracht?" Doch tatsächlich, das haben sie. Und so wird weiter das Trittbrett befahren, auf dem Feindbild des bösen Rappers herumgeritten, der angeblich nichts mehr wissen will von dem, was er noch vor wenigen Jahren sagte und sang. Egal, was man von seinen Aussagen hält: Ich frage mich, wie weh es ihm tut, vor der Kamera die eigene Überzeugung zu verleugnen? Ich zumindest möchte nicht in seiner Haut stecken. Es dürfte ihn schon stark schmerzen, das Geld dem Rückgrat vorgezogen zu haben. Immerhin bekommt er dafür gute Schmerzmittel (Geld) verordnet.

Nun ja, Hauptsache die Einschaltquoten, Zugriffszahlen, Wählerstimmen und Werbeeinnahmen stimmen. Eine traurig-schöne neue Welt ist das. Das Handelsblatt skandiert, der PR-Agentur, die sich diese "Überraschung" zur Rettung des schleichenden Todes dieses Preises einfallen liess, sollte der Bambi verliehen werden. Das finde ich auch. Haben sich die Menschen seit Helmut Schmidts Jugend so sehr gewandelt? Ob sie schon immer so waren oder nicht, besprechen die ARD Netzreporter dann bei nächster Gelegenheit. Aber natürlich mit anderen B-, C- bis Z-Promis. Das ist alles ganz fein, weil es nicht auf dem eigenen Rücken ausgetragen wird. Der ganze Medienrummel ist nichts weiter, als ein Tanz ums goldene Kalb. Nur wird hier nicht jemand angebetet. Er wird zum Nutzen vieler von vorne bis hinten fertig gemacht.

Wir tanzen gerne mit. Ob Anis Mohamed Youssef Ferchichi sein Bambi zurückgeben sollte, darüber kann nun jeder auf der Hauptseite von gulli.com (rechte Spalte) abstimmen. Und wer nach diesem Kommentar nicht mehr vor Hass auf den Autor dieses Kommentars oder Busido an sich halten kann: Bittschön, Bahn frei für alle Schimpftiraden. Zumindest Google wird es euch danken!

Bild-Quellen: en.wikipedia.org

Lars Sobiraj am Freitag, 11.11.2011 16:14 Uhr

tagsTags: twitter bushido rosenstolz bambi

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69 Reaktionen zu dieser Nachricht
  • GeminiUltra am 14.11.2011 16:30:10

    Jede Presse ist gute Presse. Dass Heinos Bambi wieder zurück an das Kommitee gewandert ist und das alles nur wegen der Verleihung des Preises an Bushido wird ohne Frage nur für einen nützlich sein. Und zwar für den Herrn Ferchichi. Leute stehen auf, sehen die Nachrichten frühs im Fernsehen ...

  • Thorzton am 14.11.2011 14:17:19

    Schön, das Bushido und Uschi Glas jetzt im selben Verein sind, die haben elan, wie ein ersoffenes Kalb. Eben Alb -traumstraße für den jungen aus der Gosse, wenn das Ding nicht Echtgold ist ists sowieso eine Posse. Wenn du ihn in fünf Jahren auf dem Flohmarkt siehst, und dem Reh immer noch keine ...

  • Schinni999 am 14.11.2011 14:00:56

    Erinnert mich an einen gewissen Hr. Marcel Reich-Ranicki...:D ...

  • Elektroplasma am 14.11.2011 13:58:36

    Es gibt nur leider genug Hip-Hüpfer, die den Schrott eben sehr wohl ernst nehmen. :rolleyes: Dass Heino seinen Bambi wieder zurückgegeben hat, finde ich nur gut, weil konsequent. Rosenstolz hätte es auch besser zu Gesicht gestanden, wenn sie den Preis erst gar nicht angenomme ...

  • tnf am 14.11.2011 13:48:14

    Oh man, das aber auch jeder so auf nen paar homophobe Battlelines abgeht, die muss man nicht so bierernst nehmen. Es gibt nur leider genug Hip-Hüpfer, die den Schrott eben sehr wohl ernst nehmen. :rolleyes: Dass Heino seinen Bambi wieder zurückgegeben hat, finde ich ...

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