Domscheit-Berg besucht derzeit den in Wien stattfindenden "Weltkongress der Zeitungen". Dort will er die Journalisten überzeugen, Partner von OpenLeaks zu werden. Die Plattform stellt eine Art "toten Briefkasten" für sensible Dokumente zur Verfügung, in dem Whistleblower ihr Material für die jeweilige Publikation hinterlassen können (gulli:News berichtete).
In dem Interview berichtet Domscheit-Berg, er wolle den Zeitungen auf dem Kongress unter anderem erklären, welche Lehren sich aus der Geschichte von WikiLeaks ziehen lassen. Diese sehen seiner Meinung nach wie folgt aus: "Ich glaube, dass WikiLeaks in der Zeitungswelt einen neuen Maßstab gesetzt hat. Es gibt jetzt eine technische Möglichkeit, mit der Quellen anonym Informationen an Journalisten weitergeben können. Das erweitert das Spektrum der Kanäle, über die Informationen an Journalisten gelangen können, und im digitalen Zeitalter ist es logisch, dass man diesen Kanal aufdreht." OpenLeaks erhalte bereits viele Anfragen, berichtet der Aktivist, und er glaube "dass jedes Medium, das investigativ arbeitet, sich so aufstellen wird."
Bei den von einigen Zeitungen selbst ins Leben gerufenen Leak-Lösungen sei die Anonymität der Einreichenden oftmals durch Buttons von Seiten wie Facebook, Twitter und Google+ auf der Website gefährdet, erklärt Domscheit-Berg. Bei OpenLeaks versuche man das zu vermeiden: "Es gibt etwa Sandboxing-Lösungen, mit denen verschiedene ausgeführte Javascripts auf einer Webseite separiert werden können, außerdem gibt es verschiedene andere Workarounds. Da ist aber noch viel Forschung und Detailarbeit notwendig, weil das Technologie ist, die gerade erst entsteht."
Domscheit-Berg beantwortet in dem Interview auch einige Fragen zur Struktur von OpenLeaks. Man habe derzeit ein Team aus sechs Mitarbeitern, die das Projekt selbst finanzierten, berichtet er. Von diesen Mitarbeitern stehen allerdings nur drei - Domscheit-Berg selbst, Jan Michael Ihl und Herbert Snorasson - in der Öffentlichkeit und sind namentlich bekannt. Dies, so Domscheit-Berg, habe "mit dem ganzen Medien-Chaos rund um WikiLeaks zu tun." Die drei anderen Mitarbeiter wollten schlicht "nicht ständig von Medien wegen Interviews belästigt werden".
Domscheit-Berg gibt zu, dass er nach dem Bekanntwerden einiger Unehrlichkeiten bei WikiLeaks - so stellte sich das Projekt in den Medien stets deutlich größer und besser ausgerüstet dar, als es wirklich war - in mancher Hinsicht ein Vertrauensproblem hat. "So ist das, wenn man einmal entscheidet, ehrlich zu sein," sagt der Aktivist dazu, "Und das versuchen wir mit dem OpenLeaks-Projekt. Ich bereue sehr, dass ich für WikiLeaks die Wahrheit gebogen haben. […] Wenn die Welt ein Vertrauensproblem mit mir hat, muss ich daran arbeiten, dass wieder abzuschaffen."
Von seinem Konzept, anders als WikiLeaks allein die technische Infrastruktur für Whistleblower bereitzustellen, ist Domscheit-Berg nach wie vor überzeugt. "Das Verarbeiten der Informationen ist ein ungeheurer Aufwand, allein, was fremdsprachiges Material angeht. Oft kommen Daten aus Organisationen, Regierungen, die man gar nicht kennt, die man selbst nicht beurteilen kann. Wenn man die Kontrolle über den ganzen Prozess hat, hat man extrem viel Macht. Das ist bei WikiLeaks negativ aufgefallen, weil niemand diese Macht kontrollieren konnte. Aus meiner Sicht ist es verantwortungsvoller, diese Macht auf viele Schultern zu verteilen, sich Experten ins Boot zu holen, und so sicherzustellen, dass nichts schief gehen kann," schildert Domscheit-Berg die Idee hinter diesem Konzept. Zu den Partnern von OpenLeaks sollen neben verschiedenen Publikationen - Zeitungen ebenso wie Fachmagazinen und Online-Portalen - auch NGOs und Gewerkschaften gehören.
Technisch eine 100-prozentige Sicherheit zu schaffen, ist auch bei größter Sorgfalt schlichtweg unmöglich - das ist ein bekannter Grundsatz in der IT-Sicherheitswelt. Dessen ist sich auch Domscheit-Berg als Informatiker bewusst. "Technisch betrachtet gibt es niemals 100 Prozent Sicherheit - weder beim Online-Banking noch bei einer Plattform wie OpenLeaks. Wenn man Dokumente hat, an denen Geheimdienste großes Interesse haben, dann sollte man sich überlegen, eine alternative Route zu wählen - außer man ist ein sehr versierter IT-ler. Man darf die Menschen nicht alleine in dem Glauben lassen, dass es da einen super sicheren Mechanisums gibt, bei dem überhaupt nichts schiefgehen kann. Wenn es auf der anderen Seite nicht um geheimdienstlich relevantes Material geht, kann man die Sicherheitslatte sehr hoch legen. Man kann per SSL verschlüsseln, Leaker können den Anonymisierungs-Dienst Tor verwenden, und OpenLeaks kann noch eine zusätzliche Verschlüsselungsebene oben drauf legen." In jedem Fall sei ein Konzept wie OpenLeaks, das von Experten aufgebaut und betreut wird, "viel sicherer, als wenn sich jede Zeitung selbst ihr digitales Postfach baut," ist Domscheit-Berg überzeugt.
Über WikiLeaks sagt Domscheit-Berg, er glaube nicht, dass "sich so große Leaks wie bei den US-Depeschen und den Afghanstan- und Irak-Dokumenten wiederholen, das war eine ziemlich einmalige Sache." Auch bei OpenLeaks erhofft er sich offenbar eher weniger spektakuläre Leaks: "Ich hoffe, dass man wegkommt von dem Spektakulären und sich Dingen annimmt, die nicht so groß, aber genauso wichtig sind. Dort, wo Korruption im Kleinen passiert, dort, wo Umweltschweinereien passieren. Dadurch, dass bei OpenLeaks die Quelle sehr genau steuern kann, wer die Informationen bekommt und so näher an Organisationen kommt, die etwas damit anfangen können. Es ist ein Problem, dass die ganze Welt schreit, wie krass und groß das ist, aber den Informationen selbst hat sich ja kaum einer angenommen. Alles geht in diesem Hype unter, und diesen Hype müssen wir loswerden, damit wir uns auf die Fakten konzentrieren können."
Gegenüber WikiLeaks zeigt sich Domscheit-Berg in dieser Hinsicht kritisch und deutet an, dass er die konkreten politischen Erfolge des Projekts eher gering einschätzt. "Es gab immer viele Schlagzeilen über den Umstand, dass es einen Leak gab, aber kaum jemand hat berichtet, was da drinnen stand. WikiLeaks hat keine reale Konsequenz, hat nichts verändert. Bis auf wenige Ausnahmen gibt es keine Erfolgshistorie mit konkreten Punkten, die verändert wurden," kritisiert Domscheit-Berg. Allerdings habe es WikiLeaks geschafft, mehr Menschen für die Themen Transparenz und Whistleblowing zu sensibilisieren. Dies biete neue Chancen, da viele Menschen durch WikiLeaks gelernt hätten, "dass es eine Chance gibt, die Gesellschaft besser zu informieren und dass es außerhalb des Denunziantentums etwas gibt, wo der Verrat eines Geheimnisses eine positive Konnotation hat." Dieser gesellschaftliche Wandel ist nach Domscheit-Bergs Ansicht "der größte Verdienst von WikiLeaks".
Im Handeln der derzeit viel diskutierten Hacktivisten des Kollektivs Anonymous sieht Domscheit-Berg positive wie negative Aspekte. Zwar lobt er das Engagement von Anonymous gegen die Sekte Scientology. Allgemein sei Anonymous aber ein "Mob im Internet", eine "undefinierte Gruppe von wahrscheinlich vielen jungen Leuten, und es ist unwahrscheinlich, dass die immer genau das machen, mit dem jeder übereinstimmt. Aber es ist auch ein Ausdruck des Zeitgeistes. Anonymous ist so etwas wie der anonyme Wutbürger im Internet." "Jeder Druck erzeugt Gegendruck, und je stärker der autoritäre Druck in einem Land ist, desto stärker ist der antiautoritäre Druck dagegen," erklärt der Aktivist die starke Präsenz von Anonymous in einigen Ländern. Er lobt auch, dass die Anons "kreativ und intelligent Dinge mit dem Internet und Technologie machen können". Außerdem sei der Hacktivismus dieser Menschen "ein Zeichen für Zivilcourage, weil es Leute gibt, die bereit sind, für ihre Überzeugung einzustehen, die nicht nur reden, sondern etwas machen - auch wenn es an der Grenze der Legalität stattfindet." Darauf könne man durchaus stolz sein, so Domscheit-Berg. Er sieht es positiv, aktiv zu werden, statt sich nur still zu ärgern oder sich zu beschweren.
Text-Quellen: futurezone
Annika Kremer (g+) am Freitag, 14.10.2011 20:56 Uhr
Der Typ ist lächerlich... @Annika: Ok, ich hab mich geirrt. Sorry nochmals für das Anlocken des Trolls... ...
Der Typ ist lächerlich. Und sein Name passt zu seinem Image. Ein Jens-Kevin Eduard von Hoffmann hätte bestimmt sehr viele Gemeinsamkeiten mit einem Daniel Domscheit-Berg. Oder einem Pierre-Dieter von und zu Himmelshofen. ...
Solange es nicht zur Gewohnheit wird... Ich denke, dass Fryhstyxei die Lektion gelernt hat. So leicht wird der sich von mir sicher nicht mehr verführen lassen... ...
Solange es nicht zur Gewohnheit wird... ...
Hat dein Posting einen tieferen Sinn, oder handelt es sich nur um Spam? Sorry, ich hab Fryhstyxei anscheinend zu nem SPAM-Post animiert. Nimms ihm nicht krumm. ...
Heutzutage ist die Internettelefonie neben Fest- und Mobilnetztelefonie immer gefragter. Per Internet zu kommunizieren ist nicht nur komfortabler und billiger, man ist zudem unabhängig von Tarifen, welche nur eine bestimmte Gesprächszeit günstig ermöglichen. Also wieso nicht auch Internet-Telefonie nutzen?
Lars Sobiraj am 14.05.2013, 13:52 Uhr
Der Petitionsausschuss des Deutschen Bundestags steht seit vielen Jahren den Bürgern und Gruppen für ihre Anliegen offen. Wir haben uns kürzlich mit einem der 80 Mitarbeiter des Hauses unterhalten. Da seit der Gründung nur sehr wenige Gesetzesänderungen durch Petitionen entstanden sind, wollen wir den Sinn dieser Institution hinterfragen. Dies ist vorerst der letzte Teil unserer Interview-Serie.
Lars Sobiraj am 12.05.2013, 12:51 Uhr
Wie ein 73-jährige Japaner beweist, kann man das am häufigsten benutzte Tabellenkalkulationsprogramm Microsoft Excel nicht nur für reguläre Berechnungen einsetzen. Tatsuo Horiuchi erstellt ausnahmslos seine traditionellen Gemälde mit Hilfe dieses Programms. Er arbeitet bereits seit 10 Jahren mit der Software und stellt seine Bilder in diversen Ausstellungen vor.