Wie der österreichische Rundfunk ORF sowie das deutsche Nachrichtenmagazin "Der Spiegel" berichten, belieferte DigiTask in den letzten Jahren zahlreiche deutsche Behörden und Bundesländer mit Spionage-Software. Beide Publikationen beziehen sich dabei auf Präsentationen der Firma DigiTask, die ihnen zugespielt wurden.
DigiTask ist nach eigenen Angaben Hersteller von "Speziellen Telekommunikationssytemen für Strafverfolger" ("Law Enforcement") und dabei Marktführer im Bereich LI ("Lawful Interception"). Neben Komplettsystemen habe man auch "Remote Forensic Software" im Programm, heißt es in der Präsentation.
In der Präsentation wirbt DigiTask offenbar massiv mit den eigenen Fähigkeiten. Man habe "viele Jahre Erfahrung mit gesetzlich zugelassener Telekommunikationsüberwachung", heißt es da, und sei für diesen Bereich "Marktführer in Deutschland". Dies widerspricht allerdings dem Bericht des Chaos Computer Club, dem zufolge der analysierte "Bayerntrojaner" erhebliche Sicherheitsmängel aufweist und insgesamt eher anfängerhaft programmiert ist (gulli:News berichtete). "Ein von SPIEGEL ONLINE befragter Virensoftware-Fachmann konnte sich das Lachen ob der 'Qualität' der Software kaum verbeißen," berichtet das Nachrichtenmagazin.
Trotzdem verdiente DigiTask an seinen Produkten offenbar Millionen. So soll das Unternehmen für das Landeskriminalamt Baden-Württemberg im Jahr 2007 den Auftrag erhalten haben, eine Telekommunikationsüberwachungs-Software zu programmieren. Dieser Auftrag brachte DigiTask 1,2 Millionen Euro ein. Außerdem sollte DigiTask als Dienstleister beim Aufbau eines kompletten Überwachungssystems für die Polizei des Landes Baden-Württemberg helfen und später Wartungsaufträge übernehmen. Das Bayerische Landeskriminalamt beauftragte DigiTask im November 2008 mit der "Erweiterung des TKÜ-Systems um ein Archivsystem" für 247.773 Euro.
Auch Bundesbehörden zählten offenbar zu den Kunden von DigiTask. So bestellte die Bundesnetzagentur im Jahr 2009 ein "Funk- und Fernsprechüberwachungssystem" bei dem Unternehmen. Dafür zahlte man gut 660.000 Euro. Laut Netzagentur dient die Technik allerdings nur dem Test von Schnittstellen zur Überwachung. Diese müssen alle Provider in Deutschland laut Gesetz bereithalten. Zu den besonders treuen Kunden DigiTasks zählte offenbar das Zollkriminalamt, das in den Jahren 2008 und 2009 gleich vier Aufträge - die Programmierungs- ebenso wie Wartungsarbeiten umfassten - an DigiTask vergab. Über drei Millionen Euro zahlte man dabei insgesamt an das Unternehmen.
Der ORF berichtet, dass es in der Präsentation starke Hinweise darauf gibt, dass auch Geheimdienste zum Kundenkreis von DigiTask gehören. In der Folie würden "von verschlüsselten 'Instant Messaging'-Programmen bis zu kryptografiegeschütztem E-Mail-Verkehr so ziemlich alle Dienste aufgezählt, die den Ermittlungen im Wege stehen, berichtet man, "Um diese Verschlüsselungsmethoden auszuschalten, werde Spionagesoftware ('Stealth Software') installiert und zwar für 'strafrechtliche Ermittlungen' und 'intelligence gathering'. Das ist ein starkes Indiz dafür, dass dieses Unternehmen neben Polizeibehörden auch 'Intelligence Agencies', also Geheimdienste beliefert." ORF-Redakteur Erich Moechel betont, dass DigiTask auch zahlreiche Features für seine Software bewirbt, die laut einem Urteil des Bundesverfassungsgericht für deutsche Polizeibehörden nicht erlaubt sind - für Geheimdienste jedoch durchaus interessant wären.
DigiTask erklärt in der Präsentation offenbar, dass seine Software modifiziert werden könne, "um Gerichtsbeschlüssen zu entsprechen". "Verbotene Features" könnten entweder "aus dem Code entfernt werden oder deaktiviert werden". Allerdings wirbt man andererseits damit, dass mit der Software auch eine Erfassung des "Kernbereichs privater Lebensgestaltung" möglich ist. Genau diesen jedoch muss die Polizei laut Bundesverfassungsgericht bei Online-Durchsuchungen respektieren.
DigiTask verzichtete bislang auf eine Stellungnahme zu den Medienberichten. Somit wurde auch zu den Verdächtigungen, man könnte deutsche oder ausländische Geheimdienste beliefert haben, bislang keine Aussage gemacht.
Update:
Auf eine Anfrage von gulli:News an die Firma DigiTask hin wollte man sich nicht über konkrete Kunden in Deutschland äußern. Der Kölner Anwalt und DigiTask-Sprecher Winfried Seibert erklärte: "DigiTask beliefert mit Software zur Telekommunikationsüberwachung (TKÜ) deutsche Behörden. Welche das im einzelnen sind, wird selbstverständlich nicht mitgeteilt, es sei denn, die betreffende Behörde wäre damit einverstanden." Er betonte, dass die Software nur auf "ausdrückliche Bestellung einer Behörde geliefert wird, die sich dabei auf eine ihr vorliegende Gerichtsentscheidung beziehen muss, die genau diese Überwachungsmaßnahmen rechtfertigt". Der Einsatz selbst falle dann in die Verantwortung der jeweiligen Behörde, worauf in den geschlossenen Verträgen auch ausdrücklich hingewiesen werde.
Eine an den Bundesnachrichtendienst (BND) gestellte Anfrage zum eventuellen Einsatz eines Staatstrojaners wurde bislang nicht beantwortet.
Annika Kremer (g+) am Freitag, 14.10.2011 22:30 Uhr
ich unterstütze den vorschlag meines vorposters :P ...
@omell: Hab heute erfahren, dass ich 5 km von Digitask entfernt wohne und 5 min Fußweg von meinem Arbeitsplatz zu denen brauche Vielleicht sollte ich bei denen mal ein bisschen Action schieben Dann sei doch so bitte so gut (natürlich nur wenn du Lust hast), fahr' da 'mal bitt ...
Eine an den Bundesnachrichtendienst (BND) gestellte Anfrage zum eventuellen Einsatz eines Staatstrojaners wurde bislang nicht beantwortet. Da wird man noch lange drauf warten. Der BND wäre ja dumm es zu zugegeben, solche Mittel einzusetzen. Die geben erst etwas zu, wenn die Beweise k ...
Heutzutage ist die Internettelefonie neben Fest- und Mobilnetztelefonie immer gefragter. Per Internet zu kommunizieren ist nicht nur komfortabler und billiger, man ist zudem unabhängig von Tarifen, welche nur eine bestimmte Gesprächszeit günstig ermöglichen. Also wieso nicht auch Internet-Telefonie nutzen?
Sener Dincer am 14.06.2013, 11:47 Uhr
Bezugnehmend auf die anhaltende Protestbewegung gegen Ministerpräsident Erdogan hat nun auch der StudiVZ-Gründer Ehssan Dariani seine Ansichten offenbart. Via Facebook-Mitteilung teilt er mit, dass möglicherweise die Zeit für einen bewaffneten Kampf gegen die türkische Regierung gekommen sei – und zwar „Stauffenberg-like“.