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CCC analysiert "Staatstrojaner" - erste Reaktionen (2. Update)

Chaos Computer Club (Logo)

Chaos Computer Club (Logo)

Die angebliche Enttarnung und Analyse eines "Staatstrojaners" durch den Chaos Computer Club sorgt für Diskussionen. Das Bundesinnenministerium stritt am heutigen Sonntag ab, dass die Software vom BKA eingesetzt wurde. Derweil fordern mehrere Parteien die lückenlose Aufklärung des Trojaner-Skandals. Die Piratenpartei fordert gar den Rücktritt von Innenminister und BKA-Chef.

Der Chaos Computer Club (CCC) hatte am gestrigen Samstag die Analyse einer Software veröffentlicht, bei der es sich nach Einschätzung der Hackervereinigung um einen "Staatstrojaner" - also entweder um den "Bundestrojaner" oder einen "Landestrojaner" - handelt (gulli:News berichtete). Dabei erhoben die Hacker schwere Vorwürfe gegen die Verantwortlichen: die Features der Software überschritten das vom Bundesverfassungsgericht erlaubte Maß erheblich; zudem sei die Implementierung fehlerhaft und unsicher und mache die Betroffenen so angreifbar.

Das Innnenministerium reagierte mittlerweile und wies die Anschuldigungen zurück. Ein Sprecher des Ministeriums erklärte, die vom Chaos Computer Club (CCC) analysierte Software werde nicht vom Bundeskriminalamt einsetzt. "Was auch immer der CCC untersucht hat oder zugespielt bekommen haben mag, es handelt sich dabei nicht um einen sogenannten Bundestrojaner", erklärte er. Ob es sich allerdings möglicherweise um die Software eines Bundeslandes handelt, geht aus dieser Aussage nicht hervor. Die Software war dem CCC nach dessen Angaben zugespielt worden; auf welchem Wege genau, ist unbekannt. Bekannt ist lediglich soviel: der Hacker-Club bekam in den vergangenen Wochen anonym mehrere Pakete zugeschickt, in denen sich mit der Spionagesoftware infizierte Festplatten befanden. Der Chaos Computer Club ordnet diesen Trojaner eindeutig den staatlichen Strafverfolgern zu. Mit dieser Meinung sind die Hacker nicht allein: Antiviren-Spezialist F-Secure sieht laut einer Stellungnahme "keinen Anlass, die Erkenntnisse des CCC anzuzweifeln".

In der Parteienlandschaft sorgt der Bericht des CCC momentan für kontroverse Diskussionen. Grüne, FDP und die Piratenpartei forderten eine Aufklärung und ein Einsatzverbot für den "Bundestrojaner". Besonders kritisch äußerten sich unter Anderem Bundesjustizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger (FDP), Grünen-Chefin Claudia Roth, der ehemalige Bundesinnenminister Gerhart Baum (FDP) sowie der frühere Vizepräsident des Deutschen Bundestages, Burkhard Hirsch (FDP).

Noch weiter gehen die Piratenpartei sowie der Der Chef der Jungen Liberalen (JuLis), Lasse Becker. Beide fordern bei einer Bestätigung der Vorwürfe des CCC den Rücktritt von BKA-Chef Jörg Ziercke. "Wenn sich das BKA wirklich über die geltenden Grundsätze des Grundgesetzes und das Bundesverfassungsgericht hinweggesetzt hätte, gehört die gesamte Hausspitze um Herrn Ziercke sofort auf den Mond geschossen – und zwar ohne Rückfahrticket", erklärte Becker gegenüber der Nachrichtenagentur dpa.

Der Vorsitzende der Piratenpartei, Sebastian Nerz, äußerte sich gegenüber der Zeitung "Die Welt" ähnlich. Er sagte: "Die betroffenen ehemaligen Innenminister Wolfgang Schäuble und Thomas de Maizière müssen sich zu den Vorwürfen äußern. Und wenn dies der Bundestrojaner ist, müssten Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich und BKA-Chef Jörg Ziercke zurücktreten. Alles andere wäre der Schwere des Verstoßes nicht angemessen."

Ob diese Forderungen allerdings einen Effekt haben werden? Diese Frage ist momentan ebenso offen wie die nach der genauen Herkunft des "Staatstrojaners". So bleibt nur eines mit Sicherheit festzustellen: das Thema wird Deutschland noch eine Weile beschäftigen. 

 

Update 1 (22:22 Uhr):

Mehrere Journalisten äußern mittlerweile die Vermutung, dass es sich bei der analysierten Software um den sogenannten "Bayerntrojaner" handelt. Blogger Markus Beckedahl vom Blog "netzpolitik" berichtet: "Es gibt einen ersten Spitzenkandidaten unter den Bundesländern bei der Suche, wer den Bundes- / Staatstrojaner illegal eingesetzt hat. Sowohl Erich Moechl bei FM4 als auch die Frankfurter Rundschau von Morgen tippen auf Bayern. […] Erich Moechl verweist auf Dokumente der Firma Digitask aus Hessen, die seit 2008 bei Wikileaks liegen. Digitask bietet die passende Software an, die alle Spezifikationen erfüllt, die der CCC entdeckt hat." Den selben Verdacht äußert die Frankfurter Rundschau. Endgültige Beweise für die angenommene Urheberschaft des Trojaners stehen aber nach wie vor aus.

 

Update 2 (23:17 Uhr):

In Bezug auf die Echtheit der untersuchten Software gibt es unter Anderem eine interessante Stellungnahme des CCC-Mitglieds, Sicherheitsdienstleisters und Bloggers Felix von Leitner, im Netz unter dem Pseudonym "Fefe" bekannt. Von Leitner schreibt: "Weil ich das gerade gehäuft gefragt werden: ja, der CCC ist sich sicher, dass das ein Staatstrojaner ist. Aber den Kontext können wir gerade nicht komplett öffentlich machen, um unsere Quellen zu schützen."

Text-Quellen: Golem heise online tagesschau

Annika Kremer (g+) am Sonntag, 09.10.2011 23:18 Uhr

Tags: bundestrojaner chaos computer club ccc bka überwachung

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21 Reaktionen zu dieser Nachricht
  • cryppelkeile am 11.10.2011 12:56:12

    0zapftis: Niedersachen, Bayern, Baden-Würtemberg und Brandenburg sind dabei Trojaner-Hersteller belief ...

  • itsnotforme am 11.10.2011 10:18:23

    "...aus Bayern kommt" - haste vergessen, oder? ;) Stimmt ;) Aber ich denke (fast) jeder konnte nachvollziehen das ich Bayern meinte wo die Festplatte her kam. :D Und nu ist ja auch die Bestätigung da! :beer: ...

  • kelevraX am 10.10.2011 16:20:51

    in meinem Sozi-Jahr hab ich eins gelernt, wenn geistig behinderten Menschen etwas nicht passt fangen sie an zu spucken..... Das Bundesinnenministerium hat ja schon verneint, dass es sich hierbei um den Bundestrojaner handelt...... *G* und wenn das Bundesinnenm ...

  • Saegezahn am 10.10.2011 13:53:53

    kein wunder das sich die Ossis die Mauer zurückwünschen, herrschte da doch wenigstens noch ein Hauch von Demokratie und Privatsphäre....... Ich hoffe du warst im Suff, als du diesen Kommentar schriebst. ...

  • Alefthau am 10.10.2011 13:01:57

    Hi, Ich muss immer sehr schmunzeln wenn etwas dementiert wird, ich denke im Moment sind sie am rotieren wie sie den Schaden begrenzen können oder wer das "Bauernopfer" sein soll! Was das Thema "Aussagen von öffentlichen Stellen" angeht habe ich hier ein interessantes Video, wo die offizielle Press ...

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