die Gulli:Glosse - von Artesia
Begonnen hat die Woche mit einem lustigen Gesetzentwurf aus der CDU-Fraktion. Ja, wieder einmal gehört ein CDU-Abgeordneter zu der Bevölkerungsgruppe, die das Internet und vor allem das Urheberrecht nur am Rande verstanden hat. Doch dazu später mehr. Bei besagtem Abgeordneten handelt es sich um Siegfried Kauder (CDU), den Vorsitzenden des Rechtsausschusses des Deutschen Bundestags. Kauders Gesetzentwurf sieht ein sogennantes 2-Strikes-Warnmodell vor. Dieses Modell plant, notorischen Urheberrechtsverletzern a.k.a. Raubmordkopierern nach zweimaliger Abmahnung für drei Wochen den Internetzugang zu sperren. Abgesehen davon, dass kürzlich das Sperren von Internetzugängen als menschenrechtsverletzend verurteilt wurde, hat Kauder noch nie davon gehört, dass man bei eBay für ein paar Euro eine fast anonyme SIM-Karte erstehen kann. Auch ein Besuch im Internetcafé oder der nächsten Bibliothek dürfte ausreichen, um die lästige Sperre zu umgehen, denn Internetcafés dürften doch eher selten den Ausweis verlangen, um dann zu überprüfen, ob der potentielle Kunde überhaupt surfen darf.
Ja, eigentlich müsste sich Herr Kauder so langsam mal nach alternativen Zugangsmethoden umschauen. Wie bitte?! Tja, wer ander'n eine Grube gräbt, der braucht ein Grubengrabgerät. Oder so. Denn Kauder nimmt es offenbar mit dem Urheberrecht selbst nicht allzu genau. Blöd gelaufen, wie? Auf seiner Website www.siegfriedkauder.de werden urheberrechtlich geschützte Bilder verwendet - ohne Zustimmung des Lizenzinhabers panoramio.com. Glatter Schuss ins Knie, nicht wahr? Interessanterweise nimmt sich Kauder im Impressum der Website noch das Recht, jeder Nutzung des Bildmaterials, welches auf seiner Seite zum Einsatz kommt, zu untersagen. Wer im Glashaus sitzt... Mittlerweile sind die Links zu den Bildern zwar aus dem Quelltext der Website verschwunden, die Bilder selbst befinden sich jedoch nach wie vor auf dem Webserver. Ich rieche da eine Abmahnung. Oder spontan auftretende Verbindungsprobleme. Oder mal wieder den Ausdruck des ganzen Internets. Nicht wahr, liebe Mitglieder von CDUugle?
Keine Woche ohne neue Meldungen von der Zensurfront. Dass einige Unternehmen Probleme mit Art. 5 des Grundgesetzes haben, ist ja hinlänglich bekannt. Aktuelles Beispiel ist der Telekommunikationsanbieter mit dem magentafarbenen "T" im Namen. Die Telekom hat bei ihren WLAN-Hotspots nach Angaben des Online-Portals Netzwelt einige Webseiten gesperrt. So ist neben der bekannten Erotik-Streamseite YouPorn auch die Internetseite der rechtsradikalen NPD gesperrt. Nutzer des Homosexuellen-Datingportals Gayromeo müssen ebenfalls draußen bleiben. Die Telekom begründet die Sperren damit, kein jugendgefährdendes Material durch die Hotspots zur Verfügung stellen zu wollen. Bei einer Sperre aus Jugendschutzgründen sollte es für Erwachsene doch eigentlich möglich sein, den erzwungenen Jugendschutzfilter zu deaktivieren - Fehlanzeige. Weiterhin ist die Telekom nicht bereit, eine Liste aller gesperrten Internetseiten zur Verfügung zu stellen. Gegen Jugendschutz ist natürlich nichts einzuwenden. Gegen die Bevormundung mündiger Bürger allerdings schon.
Ebenfalls nichts Neues ergab eine vom Bundesgesundheitsministerum initiierte Studie über die Internetnutzung in Deutschland. Ergebnis: 560.000 Menschen in Deutschland werden als internstüchtig eingestuft. Dies entspricht 1% aller Bürger zwischen 14 und 64 Jahren. In der Altergruppe der 14- bis 24-Jährigen sind sogar 2,4% betroffen. Und ganze 13,6% der Jugendlichen gelten als "problematische Internetnutzer". Tja, was soll man dazu sagen. Eigentlich hatte ich vor, dieser wirklich hochqualitativ unnötigen Studie (wir leben im Digitalzeitalter, schon gemerkt?!) keine weitere Beachtung zu schenken. Aber trotzdem: Bei wie vielen Nutzern läuft heute der PC/Laptop permanent im Hintergrund mit und auf wie vielen Rechnern läuft permanent Facebook in einem Tab? Wie viele User idlen den ganzen Tag im ICQ rum? Dann noch die ganzen Smartphones, die sind ja 24/7 online... alles Internetjunkies, oder? Man sollte solche Studien nur von Institutionen durchführen lassen, die auch wissen, wovon sie sprechen und was sie tun...
Facebook und der Datenschutz - das ewige Paradoxon. Niemand weiß wirklich, welche Daten wie lange gespeichert werden. Und werden gelöschte Daten auch wirklich gelöscht, oder nur ausgeblendet? Doch mit dieser Ungewissheit hat es nun scheinbar ein Ende. Wie der Journalist Richard Gutjahr berichtet, kann man sich nach Ausfüllen eines gut versteckten Formulars auf der Facebook-Seite und nach Angabe seines Namens, Profil-Links, Geburtsdatums und dem Einreichen einer Ausweis-Kopie eine CD mit sämtlichen bei Facebook über die eigene Person gespeicherten Daten schicken lassen. Dabei wird dann auch schnell klar, dass "löschen" nicht wirklich "löschen", sondern bei Facebook eher "ausblenden" heißt. Die Datenmengen, die dabei zusammenkommen, sind gigantisch. Der Wiender Jura-Student Max Schrems hat sich eine solche CD zukommen lassen. Seine drei Jahre bei Facebook umfassen 1.200 Seiten Papier. Facebook ist mit den CD-Anfragen aktuell auch ein wenig überfordert, sodass der Versand bis zu 40 Tage dauern kann. Ich habe mir auch einmal eine solche CD bestellt... Mal schauen, was Facebook so alles über mich weiß.
Ungebetene Post dürfte in nächster Zeit bei der allseits beliebten GEMA eintreffen. Der Verein Musikpiraten e.V. bekam für einen Sampler eine Rechnung in Höhe von 350,96€ von der GEMA ausgestellt. Der Knackpunkt: Keiner der auf dem Sampler vertretenen Musiker ist GEMA-Mitglied, die Forderung ist also vollkommen unberechtigt. Um die Zahlung zu umgehen, muss der Verein nun die privaten Daten der Künstler in vollem Umfang offen legen, ansonsten droht ein Mahnverfahren. Hintergrund ist die in Deutschland geltende "GEMA-Vermutung". Diese erlaubt der GEMA, davon auszugehen, dass jeder Künstler Mitglied der Verwertungsgesellschaft ist. Das ist ungefähr so, als würde man jeden Bürger dazu zwingen, KFZ-Steuern zu entrichten, da er doch bestimmt ein Auto besitzt. Um diese Vermutung auszuräumen, muss jede Musik-CD aufwändig unter Angabe der Künstlernamen und weiterer Daten freigegeben werden. Bei dem betroffenen Sampler kam es aufgrund von Namensgleichheiten einiger Musikstücke, die den gleichen Namen wie das Werk eines GEMA-Musikers besitzen. Seitens der Musikpiraten prüft man derzeit, ob gegen die GEMA Strafanzeige eingelegt wird. Damit soll medienwirksam auf die absurde "GEMA-Vermutung" aufmerksam gemacht werden.
Abschließend wünsche ich euch wie immer einen wunderschönen Start in die Woche und viel Kraft bis zum nächsten Wochenende. Allen deutschen Lesern wünsche ich morgen noch einen schönen Feiertag, wir haben nur eine 4-Tage-Woche. Die Leser aus Österreich und der Schweiz mögen sich nicht allzu sehr ärgern ;)
Viele Grüße
HerrMaulwurf
Lothar Serra Mari am Sonntag, 02.10.2011 21:04 Uhr
Ich hatte da mal vor ca. 3 Jahren etwas zur Gemavermutung geschrieben. Ich poste das mal zur Belustigung MANNOMANNOMANN Das verflixte Urheberrecht, oder Behördenvereinsregulierungsichweissnichtwasichtuaberichtueseinfachweilsseinmusswahnsinn! Was ist denn so schwer an der einfachen Massnahme ...
Abgesehen davon, dass kürzlich das Sperren von Internetzugängen als menschenrechtsverletzend verurteilt wurde, hat Kauder noch nie davon gehört, dass man bei eBay für ein paar Euro eine fast anonyme SIM-Karte erstehen kann. Auch ein Besuch im Internetcafé oder der nächsten Biblio ...
Thx! :D:T:beer: ...
Ja, is' denn heut' scho' Weihnachten? Na ja, noch nicht ganz, aber immerhin Wochenende. Und wie jedes Wochenende verbleibt mir die ehrenvolle Aufgabe, die vergangene Woche noch einmal humoristisch aufleben zu lassen. Heute: die Kauder'sche Urheberrechtsauffassung, T-Zensur, Internetsuchtis, Facebook ...
Heutzutage ist die Internettelefonie neben Fest- und Mobilnetztelefonie immer gefragter. Per Internet zu kommunizieren ist nicht nur komfortabler und billiger, man ist zudem unabhängig von Tarifen, welche nur eine bestimmte Gesprächszeit günstig ermöglichen. Also wieso nicht auch Internet-Telefonie nutzen?
Lars Sobiraj am 14.05.2013, 13:52 Uhr
Der Petitionsausschuss des Deutschen Bundestags steht seit vielen Jahren den Bürgern und Gruppen für ihre Anliegen offen. Wir haben uns kürzlich mit einem der 80 Mitarbeiter des Hauses unterhalten. Da seit der Gründung nur sehr wenige Gesetzesänderungen durch Petitionen entstanden sind, wollen wir den Sinn dieser Institution hinterfragen. Dies ist vorerst der letzte Teil unserer Interview-Serie.
Lars Sobiraj am 12.05.2013, 12:51 Uhr
Wie ein 73-jährige Japaner beweist, kann man das am häufigsten benutzte Tabellenkalkulationsprogramm Microsoft Excel nicht nur für reguläre Berechnungen einsetzen. Tatsuo Horiuchi erstellt ausnahmslos seine traditionellen Gemälde mit Hilfe dieses Programms. Er arbeitet bereits seit 10 Jahren mit der Software und stellt seine Bilder in diversen Ausstellungen vor.