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Die Guardian-Redakteur David Leigh, James Ball und Esther Addley überschreiben ihren Artikel mit dem reißerischen Titel "Julian Assanges Autobiographie: Warum er sie nicht veröffentlicht sehen wollte".
Der Guardian nimmt unter anderem zum Verbleib des Assange gewährten Vorschusses von rund einer halben Million Euro Stellung. Assange hatte erklärt, die Anwaltskanzlei "Finers, Stephens, Innocent" (FSI) gebe diese Gelder aufgrund von Streitigkeiten über Anwaltshonorare nicht heraus (gulli:News berichtete). Assange warf FSI vor, ihm ein unangemessen hohes Honorar berechnet zu haben. Der Guardian erklärt hierzu, man habe FSI kontaktiert und die Kanzlei habe diese Anschuldigungen von sich gewiesen. Auch Behauptungen, FSI habe sich zunächst bereit erklärt, Assange "pro bono" zu vertreten, und sei davon dann abgewichen, weisen die Juristen zurück. Sie betonen, lediglich die erste Rechtsberatung sei ohne Honorar erfolgt und dies sei auch genauso abgesprochen gewesen.
Daneben äußert der Guardian eine ernste Anschuldigung: Assange habe von vorne herein erwogen, seine Seite des Buch-Vertrages nicht einzuhalten, so die Guardian-Journalisten. Unter Bezug auf anonyme Quellen "im Umfeld der Verhandlungen mit Canongate" berichtet die Zeitung, Assange habe versucht, einen Vertrag auszuhandeln, der es ihm erlaubt hätte, einen Teil des Vorschusses auf jeden Fall zu behalten, egal, was passiere. Dies sei von den Verantwortlichen des schottischen Verlages aber abgelehnt worden.
Der Guardian unterstellt Assange, aufgrund seiner finanziellen Situation kein Interesse mehr an dem Buchprojekt gehabt zu haben. Der Darstellung der Zeitung zufolge soll Assange von FSI Rechnungen erhalten haben, die die Höhe des Vorschusses auf Assanges Autoren-Honorar übersteigen. Dies sei der Grund gewesen, warum Assange das Manuskript - das, wie alle Beteiligten einhellig verkünden, von Ghostwriter Andrew O'Hagan gut und sorgfältig geschrieben wurde - nicht abgesegnet habe. "Einige Quellen behaupten dass Assange, nachdem er die Hollywood-Filmrechte für seine Memoiren nicht verkaufen konnte, realisierte, dass alle zukünftigen Einnahmen durch das Buch von seinen Anwälten verschlungen werden würden. Wenn er andererseits keine sichtbaren finanziellen Mittel hätte, würden seine juristischen Vertreter in die Röhre schauen," berichtet der Guardian. Hinweise darauf, um wen es sich bei diesen anonymen Quellen handelt, gibt es nicht. Entsprechend schwer ist der Wahrheitsgehalt der Aussagen zu beurteilen. Assange selbst jedenfalls widerspricht dieser Darstellung in seiner Stellungnahme vom gestrigen Donnerstag. Darin erklärt er, er habe sich - insbesondere aufgrund seiner juristischen Probleme - nicht genug auf die Autobiographie konzentieren können, um diese bis zur vereinbarten Deadline sinnvoll fertigzustellen.
Assange schreibt in seiner Stellungnahme, er sei jederzeit bereit gewesen, einen neuen Vertrag mit einer späteren Deadline auszuhandeln und einzuhalten. Der Guardian zitiert Canongate mit der Aussage, Assange habe sich durchgängig geweigert, sich schriftlich zu verpflichten, bis zu einem bestimmten Datum ein Manuskript zu liefern. Canongate erklärte außerdem, nur eine Woche vor der Veröffentlichung der unautorisierten Version habe man Assange noch eine letzte Chance gegeben, seine Seite des Vertrages zu erfüllen. Der Verlag soll außerdem zugesichert haben, Assange nach Deckung der Kosten den ihm zustehenden Anteil an den Einnahmen zukommen zu lassen. Den noch nicht gezahlten Teil des Autoren-Honorars will man allerdings nicht zahlen.
Julian Assanges unautorisierte Autobiographie
Dagegen nimmt Assange zu den Vorfällen in Schweden, wegen denen ihm dort Vergewaltigung und sexuelle Nötigung vorgeworfen werden, Stellung. In seiner bekannt undiplomatischen Art beschreibt er die beiden Frauen, die ihn anzeigten, als "neurotisch" und wirft ihnen vor, feindselige Hintergedanken gehegt zu haben. Er sei in Schweden zum Opfer von "Hardcore-Feminismus" geworden, schreibt Assange laut Guardian-Bericht. Zu einigen der Details, wie etwa der Anschuldigung, er habe gegen den Willen einer der Frauen mit dieser Sex ohne Benutzung eines Kondoms gehabt, schweige Assange sich dagegen aus, berichtet der Guardian. Der Aktivist gebe aber zu, auch selbst Fehler gemacht zu haben. Man könne ihn als "kalt" oder als "Chauvinisten-Schwein" sehen, sagte Assange demnach.
Äußerst hart geht Assange dem Bericht zufolge auch mit der Presse, insbesondere mit einigen ehemaligen WikiLeaks-Medienpartnern, ins Gericht. Der Guardian habe ihn "verraten", wird Assange zitiert. Der WikiLeaks-Chef kritisiert Guardian-Redakteure als "verknallte Schwächlinge" und "feige Deppen in gläsernen Büros". Ähnlich blumig lesen sich die Angriffe des Australiers auf den ehemaligen Chefredakteur der "New York Times", Bill Keller. Dieser sei "ein moralischer Pygmäe mit einer selbstgerechten Ader von der Größe der San-Andreas-Spalte", schimpft Assange, "Der Hahn krähte dreimal und Bill Keller verleugnete uns schamlos".
Assange, so berichtet der Guardian, bestreite in dem Buch außerdem, jemals gesagt zu haben, dass US-Informanten in Afghanistan "den Tod verdienen". Mit dieser Aussage war Assange zitiert worden, was für heftige Kritik auch unter einem Teil seiner Anhänger sorgte. Bei dieser Aussage habe es nicht um seine eigene Meinung gehandelt, sondern er habe lediglich die Ansichten ungenannter Dritter weitergegeben, wird Assange vom Guardian zitiert.
Wie so häufig in der Vergangenheit weichen die Darstellungen der beiden Seiten erheblich voneinander ab. Wenn sich überhaupt etwas mit Sicherheit sagen lässt, dann wohl, dass auch in dieser Angelegenheit die Diskussionen und gegenseitigen Beschuldigungen wohl weitergehen werden. WikiLeaks und Assange, so scheint es, sind momentan von vielen Seiten unter Beschuss.
Annika Kremer (g+) am Freitag, 23.09.2011 02:33 Uhr
Wisst ihr,was mich rein gar nicht wundern würde? Wenn Assange sehr wohl wollte, dass das Buch "leakt" :) Dass das, was wir jetzt sehen sein Plan ist, es möglichst interessant für alle zu machen. Er hat sich schon mehrfach als gerissener Medienstratege herausgestellt und das hier ist wirklich auffäll ...
Naja nichts neues das er angegriffen wird.. ich bin mir bei allem aber auch nicht mehr so sicher... Entweder ist er ein riesen Arschloch oder das ist gekonnte Propaganda.. Aber als Verlag würde ich die Schuld sowieso auch nicht auf mich nehmen.. Naja mal sehen was wird :D ...
Die Diskussionen um die "unautorisierte Autobiographie" von WikiLeaks-Mitbegründer Julian Assange gehen weiter. Nun meldet sich auch die britische Zeitung "The Guardian" - ehemaliger Medienpartner von WikiLeaks und seit Monaten aus verschiedenen Gründen im Konflikt mit dem Transparenz-Projekt - mit ...
Heutzutage ist die Internettelefonie neben Fest- und Mobilnetztelefonie immer gefragter. Per Internet zu kommunizieren ist nicht nur komfortabler und billiger, man ist zudem unabhängig von Tarifen, welche nur eine bestimmte Gesprächszeit günstig ermöglichen. Also wieso nicht auch Internet-Telefonie nutzen?
Lars Sobiraj am 12.05.2013, 12:51 Uhr
Wie ein 73-jährige Japaner beweist, kann man das am häufigsten benutzte Tabellenkalkulationsprogramm Microsoft Excel nicht nur für reguläre Berechnungen einsetzen. Tatsuo Horiuchi erstellt ausnahmslos seine traditionellen Gemälde mit Hilfe dieses Programms. Er arbeitet bereits seit 10 Jahren mit der Software und stellt seine Bilder in diversen Ausstellungen vor.