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US-Experte: Privatunternehmen schnüffeln mehr als der Staat

Flagge der USA

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Richard Clarke, früherer Berater der US-Regierung für Cybersicherheit und Terrorismus-Bekämpfung, hält Datensammlungen durch private Unternehmen für eine wesentlich größere Gefährdung der Privatsphäre als Regierungs-Aktivitäten und den Patriot Act. In einem ausführlichen Interview des CNET-Blogs "Insecurity Complex" nimmt Clarke außerdem auch zur Cyberwar-Thematik und zu WikiLeaks Stellung.

 

Clarke bewertet das umstrittene Antiterror-Gesetzespaket "Patriot Act" weitgehend positiv. Er argumentiert, ein Großteil der Kritik komme daher, dass viele Menschen mit dem Patriot Act repressive Vorfälle assoziierten, die durch diesen gar nicht abgedeckt seien. Das Gesetzespaket selbst habe lediglich einige kleinere Probleme aufgewiesen, die "Anpassungen" erfordert hätten. Alles in allem habe sich der Patriot Act aber als effektives Mittel erwiesen, Polizei- und Geheimdienstarbeit besser zu vernetzen. Größere Probleme oder Fälle von Machtmissbrauch, die durch den Patriot Act verursacht worden seien, seien ihm nicht bekannt, erklärt Clarke. Der Experte spricht sich allerdings dafür aus, den Patriot Act so zu erweitern, dass für das Mitlesen von E-Mails oder die Auswertung von Ortsdaten künftig ein Richtervorbehalt erforderlich ist.

Zehn Jahre nach den Terroranschlägen des 11. September 2001 ist Clarke der Ansicht, dass die US-Bürger sicherer vor Terrorismus sind und Präsident Obama diesbezüglich sehr gute Arbeit geleistet hat. Die Frage sei aber: "Gibt es noch Dinge, die wir tun sollten und gibt es Dinge, die wir tun, die unnötig sind?" Clarke erklärt, die Tatsache, dass es seit 2001 keine Anschläge auf US-Boden mehr gegeben habe, sei teilweise auf die getroffenen Maßnahmen zurückzuführen. Teilweise liege dies aber auch daran, dass die Terroristen es einfacher fänden, US-Bürger in Afghanistan oder dem Irak anzugreifen. Clarke merkt an, dass Terroristen mittlerweile vielfach den Eindruck hätten, dass es sehr schwer sei, in die USA zu gelangen und dort aktiv zu werden. Er sei allerdings nicht sicher, ob dieser Eindruck wirklich zutreffe.

Experten sprachen im Zusammenhang mit den in den in den letzten Jahren getroffenen Antiterror-Maßnahmen vielfach von "Sicherheitstheater". Dieses Konzept beschreibt Sicherheitsmaßnahmen, die beeindrucken und Sicherheit suggerieren sollen, aber wenig praktischen Nutzen haben. Clarke bestätigt, dass es "wahrscheinlich eine Menge" derartiger Maßnahmen gebe, und kann auch selbst Beispiele dafür nennen.

Wieviel von ihrer Privatsphäre mussten Internetnutzer in den letzten Jahren aufgeben? "Eine Menge zugunsten von privaten Firmen, die Daten für kommerzielle Zwecke sammeln. Sehr wenig zugunsten der Regierung", ist Clarke überzeugt. Die Vorstellungen vieler Menschen von den Abhör-Tätigkeiten der US-Behörden, insbesondere der NSA, stellt er als übertrieben dar.

Zukünftig, so Clarke, müsse es in der US-Regierung Gremien für den Schutz von Bürgerrechten und Datenschutz geben. Auf diesem Gebiet sei US-Präsident Barack Obama bisher zu wenig aktiv geworden. Zunächst müsse aber klar definiert werden, welche Rechte der Einzelne in Bezug auf seine Privatsphäre habe. Diese Rechte seien - leider, so betont Clarke - in den USA weitaus weniger klar definiert als in Europa. Dies erlaube gerade privaten Unternehmen in den USA, weitaus mehr Daten zu sammeln, als dies in Europa üblich sei. Daneben seien viele Menschen auch zu sorglos oder uninformiert und gäben freiwillig zu viele sensible Daten preis oder würden zum Opfer von Social-Engineering-Kampagnen.

Den momentan viel diskutierten Begriff "Cyber-Terrorismus" bezeichnet Clarke als irreführend. Es gebe Terrorismus und es gebe "Cybersicherheits-Probleme", aber zwischen den beiden gebe es bislang wenig Überschneidung. Im Internet seien bislang eher Diebstahls- und Betrugsdelikte sowie (Wirtschafts-)Spionage ein Problem. Gerade letztere sei aufgrund der gezielten und spezialisierten Angriffstechniken äußerst schwer zu verhindern, erklärt der Experte. Praktisch jedes bedeutende Unternehmen habe bei derartigen Attacken schon wichtige Daten verloren, auch wenn dies oftmals nicht an die Öffentlichkeit gelange. Insbesondere im Hinblick auf die Konkurrenzfähigkeit amerikanischer Unternehmen besorge ihn diese Entwicklung, so Clarke. Insbesondere China sieht Clarke als äußerst aktiv im Bereich der Wirtschatfsspionage an. "Ehrlich, aus ihrer Perspektive, warum sollten sie auch nicht, da es nichts zu kosten scheint, es zu tun, sie nicht dafür bestraft werden, es zu tun?," fragt der Experte.

Plänen, Cyber-Attacken als kriegerische Akte einzustufen und entsprechend zu reagieren, steht Clarke skeptisch gegenüber. Dies komme allerhöchstens bei einem erheblichen Ausmaß an Zerstörung in Frage. Dies gelte ebenso bei Angriffen auf die USA wie beim Bündnisfall.

Clarke nimmt auch Stellung zur Whistleblowing-Plattform WikiLeaks. Er sei im Falle der Diplomaten-Depeschen erfreut gewesen, dass viele der dort getätigten vertraulichen Äußerungen dem entsprächen, was die USA auch nach außen vertreten, so der ehemalige Regierungsberater. Zudem sei "die Qualität von Analyse und Berichten" der Diplomaten und Geheimagenten durchgängig sehr hoch gewesen. "Während es sicherlich Peinlichkeiten durch [Cablegate] gab, weiß ich alles in allem nicht von irgendeinem neuen großen Skandal, der aufgedeckt wurde, der vor den amerikanischen Bürgern versteckt war, bis WikiLeaks kam," so die Einschätzung Clarkes.

 

Text-Quellen: Insecurity Complex

Annika Kremer am Dienstag, 20.09.2011 18:00 Uhr

tagsTags: cyberwar wikileaks überwachung clarke cablegate

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2 Reaktionen zu dieser Nachricht
  • keksekekse am 20.09.2011 20:51:20

    hält Datensammlungen durch private Unternehmen für eine wesentlich größere Gefährdung der Privatsphäre *grübel* Vielleicht war der Sündenfall ja nicht die Apfelaktion, sondern das Ganze - statt es sich zu weiterzuerzählen - es aufzuschreiben... ...

  • simzep am 20.09.2011 20:47:52

    Das ist ja ein Wunder, dass ein Staatsmann den Staat von aller Schuld freispricht. ...

  • Annika_Kremer am 20.09.2011 18:00:24

    Richard Clarke, früherer Berater der US-Regierung für Cybersicherheit und Terrorismus-Bekämpfung, hält Datensammlungen durch private Unternehmen für eine wesentlich größere Gefährdung der Privatsphäre als Regierungs-Aktivitäten und den Patriot Act. In einem ausführlichen Interview des CNE ...

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