
WikiLeaks (Logo)
Die gut 250.000 im Cablegate-Leak enthaltenen Diplomaten-Depeschen waren zuvor nur in einer redigierten Version, die die Identitäten gefährdeter Personen schützen sollte, veröffentlicht worden. Kürzlich waren die Cables jedoch jedoch durch ein Sicherheitsproblem - über dessen Urheberschaft sich WikiLeaks und dessen ehemaliger Medienpartner "The Guardian" derzeit streiten - in ihrer unredigierten Rohfassung ins Internet gelangt. Daraufhin hatte WikiLeaks nachgezogen und die unredigierten Cables noch einmal "offiziell" veröffentlicht. Kritiker befürchten aufgrund dieser Vorgänge eine Gefährdung politisch missliebiger Personen - insbesondere Informanten der US-Regierung - in autoritären Ländern.
Ein Bericht des CPJ scheint diese Befürchtungen nun zu bestätigen. Laut dem Kommittee wurden Ashine und sein anonymer Informant in Regierungskreisen in den Depeschen erwähnt. Daraufhin wurde Ashine mehrfach von der Polizei verhört, die versuchte, die Identität der Quelle herauszubekommen. Beim letzten Verhör wurde ihm eine Frist gesetzt, um den Namen des Informanten preiszugeben. Sollte er diese Frist verstreichen lassen, wurden ihm nicht näher spezifizierte Konsequenzen angedroht. Ashine sah sich daraufhin gezwungen, vor Ablauf der Frist das Land zu verlassen, da er sich dort nicht mehr sicher fühlte.
Das CPJ sieht den Fall als Beleg dafür, dass die Veröffentlichung der unbearbeiteten Cablegate-Dokumente tatsächlich Menschen in autoritären Regimes gefährdet. "Die Bedrohung, die wir durch Redigieren der WikiLeaks-Cables abwenden wollten, ist nun Realität geworden. Eine Erwähnung in einer dieser Depeschen kann repressiven Regierungen leicht die perfekte Gelegenheit bieten, Journalisten und Aktivisten zu verfolgen oder zu bestrafen," sagte CPJ-Sprecher Joel Simon. Er forderte, WikiLeaks müsse "Verantwortung für sein Handeln übernehmen und tun, was immer es kann, um das Risiko für in den Depeschen erwähnte Journalisten zu reduzieren." Vor allem müsse WikiLeaks Maßnahmen ergreifen, um zu verhindern, dass sich derartige Vorfälle wiederholen.
WikiLeaks widerspricht der Darstellung des CPJ und bezeichnet dessen Bericht als "irreführend". In einer am heutigen Donnerstag über den Kurznachrichtendienst Twitter verbreiteten Stellungnahme präsentieren die Aktivisten ihre Version der Ereignisse. Ashine sei in den Cables nicht als US-Informant genannt worden, betonen die Aktivisten. Es seien auch keinerlei Informanten innerhalb der Regierung enttarnt worden. Ashine sei in den Cables lediglich beiläufig im Zusammenhang mit Ereignissen in den Jahren 2005 und 2006 erwähnt worden. Zudem tauche der Journalist in einer Liste des CPJ, in der aufgeführt ist, wo Redigierungen vorgenommen wurden, um Journalisten zu schützen, nicht auf. WikiLeaks wirft dem CPJ sogar vor, die Fakten des Falles aus "Marketing-Gründen" zu verzerren. Zudem sei das Kommitee mehr damit beschäftigt, WikiLeaks zu kritisieren, das "keinen Einfluss auf die Situation habe", als für "die äthiopische Regierung, oder deren militärischen und geheimdienstlichen Unterstützer, Washington".
Daneben betont WikiLeaks noch einmal, dass die Verantwortung für die Sicherheitspanne bei Cablegate (gulli:News berichtete) primär beim Guardian und nicht bei WikiLeaks liege. Die Zeitung habe gegen Abmachungen verstoßen und habe Inkompetenz im Umgang mit der Technik bewiesen. WikiLeaks überlege sich daher, ob man derartige Medien-Partnerschaften wiederholen wolle.
WikiLeaks wirft dem CPJ außerdem vor, in dem Cables aufgetauchte Berichte über die Tötung von Journalisten durch US-Truppen ignoriert zu haben. Ebenso wenig habe man sich für WikiLeaks oder dessen Unterstützer eingesetzt, die teilweise heftig unter Druck geraten seien. Man hoffe, dass es sich um ein Versehen und nicht um "eine Reflektion der auf die USA konzentrierten Finanzierungs-Arrangements des CPJ" handle.
Wie viele Fälle im Umfeld von WikiLeaks und Cablegate sind auch die Vorgänge um Argaw Ashine offenbar äußerst unklar. Somit ist schwer zu beurteilen, ob der Fall des Äthiopiers tatsächlich, wie vom CPJ angenommen, der Beleg dafür ist, dass die Veröffentlichung der unredigierten Cables Personen in autoritären Regimes konkret gefährdet. WikiLeaks hatte diese Gefahr stets als gering eingestuft und behält diese Position auch im Hinblick auf Ashines Fall bei. So wird es - wenn keine neuen Informationen auftauchen - wie so oft darauf hinauslaufen, dass die Bevölkerung derjenigen Seite Glauben schenkt, die eher ihr Vertrauen und ihre Sympathien genießt.
Annika Kremer am Donnerstag, 15.09.2011 22:45 Uhr
Das ist mal eine schöne Kombination. Es soll natürlich "unbearbeitet" heißen. Sorry, geändert. ...
Ich fände eine sichere Antwort auf die Frage, wie viele aus diesem Grund in diesem Moment in irgendwelchen Kellerlöchern gefoltert werden interessanter. Schade, dass WikiLeaks natürlich die Pforten dicht macht, sobald es um die eigene Scheiße geht. Also ...
unveröffentlichte Veröffentlichung Das ist mal eine schöne Kombination. BTT: Dieses Schuldhinundhergeschiebe zwischen dem Guardian und WL macht die Situation auch nicht mehr besser. Es ist doch scheißegal, wer nun von beiden nicht geschwärzt hat. Jeder soll sich doch im Klaren ...
Ich fände eine sichere Antwort auf die Frage, wie viele aus diesem Grund in diesem Moment in irgendwelchen Kellerlöchern gefoltert werden interessanter. Schade, dass WikiLeaks natürlich die Pforten dicht macht, sobald es um die eigene Scheiße geht. ...
Das Committee to Protect Journalists (CPJ) berichtet, der äthiopische Journalist Argaw Ashine, dessen Name durch die kürzlich erfolgte unveröffentlichte Veröffentlichung der Cablegate-Dokumente bekannt wurde, habe außer Landes fliehen müssen. WikiLeaks widerspricht dieser Darstellung jedoch un ...
Lars Sobiraj am 20.05.2012, 16:54 Uhr
Im US-amerikanischen iTunes Store wurden statt dem Begriff "Jailbreak" lediglich Sternchen zwischen dem Anfangs- und Endbuchstaben angezeigt. Davon waren letztlich alle Kategorien betroffen. So wurden neben Apps auch Klingeltöne, Podcasts, Musikstücke, ganze Alben und eBooks zensiert angezeigt. Laut den Untersuchungen von Shoutpedia waren mehrere Monate lang 95% aller Begriffe davon betroffen.
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