Anonymous von DJColdfire/deviantart.com
Als Ende August bei AnonNews.org und anderen Quellen die Ankündigung zur Operation Syria (#OpSyria) erfolgte, hieß das aber noch lange nicht, dass sonderlich schnell etwas Konkretes zu sehen sein würde. Seit dem Ankündigungsvideo und der Pressemitteilung ist noch nichts Greifbares in Sichtweite. Unsere Kontaktaufnahme bei Anonymous/RevulSec gelang auch nur deswegen, weil man uns aus einer anderen Ecke des Kollektivs kannte und für uns gebürgt hat. Im IRC haben die Aktivisten zumeist schlechte Erfahrungen mit Journalisten gemacht. Nicht wenige von ihnen verstehen das Internet einfach nicht. Andere hingegen verzerrten die Informationen, die man ihnen gab. Es ist also nicht weiter verwunderlich, wenn beim Chat mit den Aktivisten zunächst Misstrauen vorherrscht.
Pandemic, der sich kurzfristig als unsere Kontaktperson zur Verfügung stellt, weist direkt zu Beginn des Gesprächs darauf hin, dass diese Operation ganz anders als viele der Aktivitäten ablaufen soll, mit denen Anonymous bekannt geworden ist. Im Gegensatz zu sonst soll hier nicht mit DDoS-Angriffen ein Server angegriffen, das Portal einer Behörde oder einer Firma verfremdet oder Daten kopiert bzw. gelöscht werden. Ja, das könne auch passieren aber das stünde absolut nicht im Vordergrund, wie er erklärt. Vor allen Dingen möchte man mit technischen Mitteln die Zensur im Land unterbinden. Wichtig sei es als Voraussetzung aller weiteren Schritte eine nicht abhörbare Kommunikation mit den Informanten einzurichten und die Menschenrechtsverletzungen im Land bekannt machen. Die staatliche Überwachung Syriens einzugrenzen ist aber kein einfaches Ziel. In dem Staat, in dem bisher über 2.400 Zivilisten ermordet wurden, wird laut der Nachrichtenseite Reflets.info die Technik des Unternehmens Blue Coat Systems eingesetzt. Zwar sei der Verkauf der Hardware an Syrien laut den eigenen Unternehmensrichtlinien nicht zulässig. Dennoch könne man nicht ausschließen, dass ein Mittelsmann der syrischen Regierung die Hardware zur Datenanalyse und Filterung veräußert habe. Das zumindest berichtete ZDNet UK.
Die Low Orbit Ion Cannon (LOIC)
Momentan sei man vor allem dabei zu verstehen, wie auf technischer Ebene die Kontrolle realisiert wird, welche Hilfsmittel man im Detail dabei einsetzt und wie man dagegen vorgehen kann. Zwar würde das Internet in Syrien wieder funktionieren. Bei Bedarf werden aber Teile des Landes kurzfristig davon getrennt, um die Abstimmungen zur Vorbereitung einer Demonstration zu verhindern. Vor militärischen Aktionen wird auch schon mal kurzerhand der Mobilfunk und Strom ausgeschaltet. Momentan könne man nicht mehr ins Detail gehen, ohne dadurch die "Brüder und Schwestern" in Gefahr zu bringen. Allerdings sollen schon bald die ersten Aktivitäten in Angriff genommen werden.
In Anbetracht der Sprachbarriere und der Tatsache, dass man für jegliche Aktionen sehr umfangreiche technische Kenntnisse benötigt, bleiben automatisch mindestens 90% der Interessieren außen vor. Die LOIC anzuwerfen und sich im IRC darüber auszutauschen, das macht nicht wenigen Menschen Spaß. Die Hürden, die beim Mitmachen der #OpSyria im Weg stehen, stehen dem Funfaktor im Weg. Dazu kommt, Firmen wie PayPal oder die GEMA sind weitaus besser für typische Hassaktionen geeignet. Wie soll man einen Präsidenten hassen, dessen Namen man noch nicht allzuoft gehört hat? Von der Blockpartei und ihren Mitgliedern ganz zu schweigen. Die GEMA zu ärgern ist irgendwie mehr "for the lulz", wie es hier im IRC so schön heißt. Präsident Baschar al-Assad eignet sich als Zielperson nur sehr eingeschränkt.
Grundsätzlich ist bei jeder Operation die Motivation der Teilnehmer so unterschiedlich, wie die Menschen, die sich hinter den Pseudonymen verbergen. Manche, wie Pandemic, verfolgen ersthafte politische Ziele und sind bereit, sich dafür komplett in ein neues Thema einzuarbeiten. Andere aber suchen während ihrer Freizeit ein Stück weit nach einer neuen Beschäftigung und einem Kick, der nebenbei auch noch einem politischen Ziel dienen könnte. Das erklärt vielleicht die geringe Followerzahl der Twitteraccounts von #OpSyria und Revolusec.
Telecomix, ein anderes Kollektiv mit ähnlichen Zielen ist schon einige Schritte weiter. Man verschickte ohne Aufforderung unzählige E-Mails an alle Adressen, deren man in Syrien habhaft werden konnten. Ihre Aufmerksamkeit widmen sie der Weiterbildung. Sie beschreiben in ihren E-Mails, wie man sich im Internet sicher bewegen und die „Wall of Shame“ durchbrechen kann. Mit seinen Daten sparsam umzugehen, verschlüsselt zu surfen und Tools wie TOR in Anspruch zu nehmen, sind alles Dinge, die man auch ohne Informatikstudium beherrschen kann. Telecomix macht aber noch mehr. ![]()
Doch kommen wir zurück zu Anonymous. Im öffentlichen IRC-Kanal #opsyria landet ein Neuling. Er fragt in Englisch: "Hey Leute, ich habe im Internet von der Aktion und dem Kanal hier erfahren und würde euch gerne unterstützen. Was kann ich tun?" Er könnte einfach die Botschaft des Kollektivs verbreiten, antwortet man ihm. "Zeige die Mitteilung allen, die du kennst." Der Neuankömmling würde gerne mehr tun. Da er aber über keine technischen Fähigkeiten verfügt, schlägt man ihm vor, bei Übersetzungen zu helfen.
21 Uhr, Primetime im Netz, 17 Personen sind gerade online. Als letzten Dezember PayPal oder MasterCard aus dem Netz gefegt wurden, waren gleich mehrere Tausend Leute da. Aber da war Wikileaks noch angesagt und man musste lediglich auf einen Kopf drücken, um seine LOIC zu aktivieren. Das ist hier ganz anders. Deswegen und weil alle Aktionen sehr viel sorgfältiger geplant werden müssen, geht es noch nicht so recht voran.
Bild-Quellen: djcoldfire.deviantart.com angeldhan.deviantart.com
Lars Sobiraj (g+) am Donnerstag, 15.09.2011 19:41 Uhr
Thanks. Grausame Bilder einer grausamen Welt. Aber man sollte sie sich ansehen. Ich fürchte, auch in Syrien wird bloses Sichabknallenlassen keinen Diktator stürzen. Wird Zeit, dass das Volk auch zu den Waffen greift und sich gegen das Regime wehrt. Aufjedenfall, wird ...
Habs gefixxt Thanks. Grausame Bilder einer grausamen Welt. Aber man sollte sie sich ansehen. Ich fürchte, auch in Syrien wird bloses Sichabknallenlassen keinen Diktator stürzen. Wird Zeit, dass das Volk auch zu den Waffen greift und sich gegen das Regime wehrt. ...
Es ist halt so, die Natur hat es so eingerichtet, jeder ist sich selbst der nächste und kämpft erstmal für sein eigenes Überleben und das seiner Familienmitglieder. Dass es schlimm ist, dass es kaum jemanden juckt ist auch wahr. Geb ich dir zu 100% Recht [QUOTE=Guge ...
Syrien könnte, bedingt durch verstärkte DDoS-Angriffe, die Internetverbindungen noch strenger überwachen oder gar kappen. Das würde der Operation dann nicht wirklich bekommen. von verstärktem DDoS war ja nicht die rede, außerdem können sie die verbindung auch so kappe ...
das wäre zwar sinnlos aber unbedingt schaden würde es ja auch nicht, Syrien könnte, bedingt durch verstärkte DDoS-Angriffe, die Internetverbindungen noch strenger überwachen oder gar kappen. Das würde der Operation dann nicht wirklich bekommen. die primäre ...
Heutzutage ist die Internettelefonie neben Fest- und Mobilnetztelefonie immer gefragter. Per Internet zu kommunizieren ist nicht nur komfortabler und billiger, man ist zudem unabhängig von Tarifen, welche nur eine bestimmte Gesprächszeit günstig ermöglichen. Also wieso nicht auch Internet-Telefonie nutzen?
Lars Sobiraj am 14.05.2013, 13:52 Uhr
Der Petitionsausschuss des Deutschen Bundestags steht seit vielen Jahren den Bürgern und Gruppen für ihre Anliegen offen. Wir haben uns kürzlich mit einem der 80 Mitarbeiter des Hauses unterhalten. Da seit der Gründung nur sehr wenige Gesetzesänderungen durch Petitionen entstanden sind, wollen wir den Sinn dieser Institution hinterfragen. Dies ist vorerst der letzte Teil unserer Interview-Serie.
Lars Sobiraj am 12.05.2013, 12:51 Uhr
Wie ein 73-jährige Japaner beweist, kann man das am häufigsten benutzte Tabellenkalkulationsprogramm Microsoft Excel nicht nur für reguläre Berechnungen einsetzen. Tatsuo Horiuchi erstellt ausnahmslos seine traditionellen Gemälde mit Hilfe dieses Programms. Er arbeitet bereits seit 10 Jahren mit der Software und stellt seine Bilder in diversen Ausstellungen vor.