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Deckel drauf! Die Gulli-Glosse (36/2011)

gulli:Glosse von Artesia

gulli:Glosse von Artesia

Der Sonntag ist vorbei und wieder einmal ist es soweit: Eine alte Woche neigt sich dem Ende zu und eine neue erblickt das Licht der Welt. Und da der Weltuntergang immer noch nicht wie geplant eingetreten ist, bleibt uns wohl nichts anderes übrig, als den News-Müll der letzten Woche aufzuräumen. Heute: Vergessliches Apple, Anon-CDU, Quasi-VDS und jede Menge Shitstorm.

Fast jeder hat es schon gehört - Apple ist wieder einmal der Prototyp des nächsten iPhone-Modells verloren gegangen. Gähn. Das kennen wir doch schon? Genau, was bereits letztes Jahr kurz vor der Vorstellung des iPhone 4 passiert ist, scheint sich nun genau so zu wiederholen. Während das iPhone 4 damals in einem Biergarten in Kalifornien verloren ging, blieb der Prototyp des iPhone 5 in einer kalifornischen Tequlia-Bar liegen. Und genau wie letztes Jahr wurden schnell Gerüchte laut, es handele sich dabei nur um eine Apple-PR-Masche, um das Gerät in den Medien zu halten. Doch offenbar ist es dieses Mal ernst, denn jetzt hilft die Polizei in San Francisco bei der Suche nach dem verschollenen Prototyp. Oder besser gesagt: Apple hat genug Geld springen gelassen, um einige Polizeibeamte dazu zu überreden, eine kleine Suche zu inszenieren. Denn zweimal hintereinander ein und denselben "Fehler" zu machen, dafür ist sogar Apple zu schlau. Meiner Meinung nach sitzen bei Apple entweder nur endlos dämliche Prototypen-Tester, die gerne mal etwas über den Durst trinken und sich hinterher nicht mehr daran erinnern können, in welcher Kneipe sie zuletzt eingekehrt sind. Oder aber bei Apple sitzen nur endlos dämliche Marketing-Strategen, die den durchschnittlichen IQ eines Apple-Fanboy für noch niedriger halten, als er ohnehin ist - und es jedes Jahr mit der selben PR-Masche versuchen. Meine Prognose für das nächste Jahr: Der iPhone 6-Prototyp geht nicht verloren, nein, er wird geklaut! Ob man dann das Militär statt der örtlichen Polizei rufen wird?

Keine Woche vergeht ohne die geistigen Ergüsse von CDU-Politikern.
Heute geht es mal wieder um die so oft verteufelte, Extremisten, Systemgegner und Terroristen heranzüchtende Anonymität im Internet. Jedenfalls, wenn man dem durchschnittlichen CDU-Politiker glaubt, der das Internet nicht wirklich verstanden hat, und voraussichtlich auch niemals verstehen wird. Die beiden CDU-Politiker Dr. Günter Kriegs und Hans-Peter Uhl ziehen wieder alle Register, wenn es darum geht, die Anonymität im Internet in Verruf zu bringen. So wird beispielsweise die Nutzung von Pseudonymen bei der virtuellen Kommunikation, wie sie seit gefühlten 30 Jahren üblich ist, von den beiden als "feige Flucht" bezeichnet. Pseudonyme sollen nur noch dann eingesetzt werden, wenn es sich bei der betreffenden Website etwa um eine Selbsthilfegruppe handelt. Ich lasse den Gulli:Anwalt gerade prüfen, ob das Gulli:Board nicht als Selbsthilfegruppe für Internet-Junkies eingestuft werden kann. Wenn hier also morgen statt eurer Klarnamen noch Pseudonyme stehen, könnt ihr euch dann bei mir bedanken.

Erinnert sich noch jemand an die Vorratsdatenspeicherung von Verbindungsdaten? Die wurde ja eigentlich im März 2010 durch das Bundesverfassungsgericht verboten. Eigentlich. Denn scheinbar haben sich nicht alle Anbieter wirklich daran gehalten, nur die unbedingt zur Abrechnung benötigten Daten zu speichern und den Rest brav nach /dev/null zu verschieben. Wie jetzt bekannt wurde, speichern die großen Mobilfunkunternehmen wie T-Mobile, Vodafone und E-Plus die Verkehrsdaten rechtswidrigerweise gleich für 6 Monate, anstatt der von Datenschützern noch tolerierten 7 Tage. Der einzige Anbieter, der sich an diese Löschfrist hält, ist der "Berliner Zeitung" zufolge der Anbieter O2. VDS-Gegner fragen sich jetzt sicherlich nach den rechtlichen Konsequenzen für die Anbieter. Mein Tipp: Gar keine, es geht doch um die Terrorismusbekämpfung, ihr Dummerchen!!111einself!

Neues gibt es auch wieder aus dem Land der unbegrenzten Schwachsinnigkeiten, den USA. Die Nachrichtenagentur AP und das Meinungsforschungsinstitut "NORC Center for Public Affairs Research" führten eine Umfrage durch, auf welche Freiheiten die Amerikaner im Sinne der Terrorismusbekämpfung zu verzichten bereit sind. Und die Ergebnisse sind doch recht erstaunlich. So sind etwa 71% mit einer Video-Überwachung auf öffentlichen Plätzen einverstanden, 55% wollen den Behörden erlauben, Finanz-Transaktionen ohne Gerichtsbeschluss überwachen zu dürfen. Und gleich 52% der Befragten wollen die Folter als Verhörmethode zumindest in Einzelfällen erlauben. 47% sind der Meinung, dass es Behörden ermöglicht werden soll, E-Mails, die zwischen Personen außerhalb der USA verschickt werden, ohne Richterbeschluss einzusehen. Na ja, die Amerikaner sind auch paranoid: 37% der Befragten befürchten, Opfer eines Terroranschlags zu werden.

Doch es gab diese Woche auch gute Nachrichten. So wurde etwa das Neonazi-Netzwerk Aryansbook.com mit Erfolg gehacked. Dabei wurde die komplette Datenbank des Netzwerks offengelegt. Darin enthalten waren IP-Adressen und E-Mail-Adressen aller Nutzer, alle privaten Nachrichten, Status-Updates, Nicknames, Passwort-Hashes und Co. Als Konsequenz haben die Betreiber die komplette Datenbank auf dem Server des Netzwerk mit allen Accounts gelöscht, sodass sich jeder Nutzer neu anmelden muss. Durchgeführt wurde der Hack von der Hacktivisten-Gruppe "Red Hacktivists".

Ungebetenen Besuch hatte auch das rechtspopulistische Nachrichtenportal unzensuriert.at, was quasi das österreichische Pendant zu den PI-News darstellt. Wobei "Nachrichtenportal" gnadenlos übertrieben ist, denn in Wirklichkeit handelt es sich einfach um rechtspopulistische Hetzerei gegen alles, was nach Minderheit (oder noch schlimmer: Migrant!) aussieht. Da verwundert es wenig, dass die Website als Sprachrohr der rechtspopulistischen Partei FPÖ gilt. Dem Hacker "bursali" ist es gelungen, auf der Website erfolgreich eine Defacement-Attacke durchzuführen. In seiner Botschaft bittet bursali die Betreiber darum, künftig doch bitte solche Schlagzeilen zu unterlassen, die etwa Türken eine Neigung zu Vergewaltigungen unterstellen oder der Massenvergewaltigung und Zwangsprostitution bezichtigen. Sollte diese Art der Berichterstattung nicht eingestellt werden, sehe er sich leider dazu gezwungen, die Datenbank und das gesamte Material der Website zu veröffentlichen. Und da die Betreiber wohl kaum von heute auf morgen ihre Prinzipien über Bord werfen, dürfen wir wohl auf eine Menge Spaß hoffen.

Interessant ist übrigens wieder das "Shitstorm"-Potential, das solche News immer mit sich bringen. Ich muss aber schon sagen, der rechte Gulli:rand war schonmal schneller gewesen, das müssen wir nochmal üben :P

Allen (und denen, die es werden wollen) wünsche ich wie immer einen guten Start in die neue Woche.

Viele Grüße
HerrMaulwurf

Lothar Serra Mari am Montag, 12.09.2011 08:12 Uhr

tagsTags: cdu arbeitskreis vorratsdatenspeicher vorratsdaten geleaked neonazi gulli glosse

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9 Reaktionen zu dieser Nachricht
  • Pzycor am 19.09.2011 09:20:11

    +1 Es tut einfach gut sowas in der heutigen zeit zu lesen... :beer: ...

  • TRON2 am 16.09.2011 14:29:41

    Gut geschrieben.:beer: ...

  • HerrMaulwurf am 13.09.2011 20:42:10

    Meine einzige Befürchtung: Jetzt nimmt mich gar niemand mehr ernst :beer::beer::beer: ...

  • Killigan am 13.09.2011 19:54:25

    Ist mein selbstgewählter Benutzertitel wohl doch nicht so schlecht?! :D Wieso sollte er schlecht sein? ;) Passt ...

  • Bruder Mad am 13.09.2011 17:58:58

    Des passt scho'... :D:beer: ...

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