
Keine einfache Frage, die sich die New York Times hier gestellt hat. Dafür gelangt man zu einem sehr nüchternen Ergebnis. Dan Browns "Das verlorene Symbol" kann man in den USA für 9,99 US-Dollar als E-Book bei Amazon kaufen. Die Printversion kostet spürbar mehr. Mit einer stetig steigenden Präsenz von E-Books nimmt aber auch die "Piraterierate" immer drastischer zu. Wer sich das Buch nicht kaufen will, lädt es aus dem Netz herunter. Die New York Times hat die wichtigste Anlaufstelle hierfür klar festgelegt: One-Click-Hoster, allen voran Rapidshare, Megaupload oder Hotfile.
Mit immer besseren E-Book-Readern sei es nur noch eine Frage der Zeit, bis bei vielen Lesern "der alten Schule" auch der Wunsch erwächst, sich die Bücher digital herunterzuladen. Immer bessere Geräte, mit größeren Bildschirmen, weniger Gewicht und ansprechender Bauweise betreten den Markt. Schlank, klein, leicht und optimalerweise noch genug Speicher für 1.000 Bücher. Die physische Kopie kann damit nicht mithalten. Die Verleger sehen diese Zukunft voller Angst, kamen die Einnahmen doch bisher zum Großteil aus Printausgaben. Die Association of American Publisher ist zu dem Schluss gekommen, dass in den USA die Verkaufszahlen von gedruckten Büchern von 2007 auf 2008 um 13 Prozent gesunken sind. In diesem Jahr sieht es noch schlimmer aus. Im vergangenen Juli waren die Verkaufszahlen um 15,5 Prozent niedriger als im Juli 2008.
Demgegenüber stehen die Verkäufe von E-Books, die diesen Absturz nicht ansatzweise auffangen können. Sie brachten im Juli 2009 81,5 Millionen US-Dollar ein. Dies entspricht 1,6 Prozent der Gesamteinnahmen aus allen Buchverkäufen im Juli diesen Jahres. Ed McCoyd, der Executive Director des Verbandes, sieht diese Entwicklung besorgniserregend schnell fortschreiten: "Wir sehen so viel Online-Piraterie bei allen Büchern - so ziemlich jedes Genre ist vertreten. Was passiert, wenn 20 bis 30 Prozent der Leser die digitale Variante als primäre Methode nutzen? Piraterie macht uns große Sorgen."
Adam Rothberg, Vizepräsident bei Simon & Schuster, teilt diese Ansichten: "Jeder in der Industrie sieht Piraterie als ein signifikantes Problem, aber es ist schwierig den Umfang des Problems zu messen. Wir wissen, dass Leute Dinge bereitstellen, aber wir wissen nicht, wie viele sich diese Dinge herunterladen. Wir wissen, dass sich die Menschen auf digitalem Wege zu Musik verholfen haben, ohne dafür zu zahlen. Als die Musikindustrie durch kostenloses Filesharing 'Ge-Napstered' wurde, hat sie einen Schlag erlitten, von dem sie sich bis heute nicht erholt hat. Seit dem Höhepunkt der Musikverkäufe im Jahr 1999 hat sich der Wert der inflationsbereinigten Verkäufe in den USA - trotz der Verkäufe von Apples sehr erfolgreichem iTunes Music Store - um mehr als die Hälfte verringert, so die Angaben der Recording Industry Association of America (RIAA). Ein jüngerer Bericht diesen Jahres von der International Federation of the Phonographic Industry (IFPI), basierend auf multiplen Studien aus 16 Ländern über drei Jahre hinweg gelangt zu der Schätzung, dass 95 Prozent aller Musikdownloads "nicht autorisiert sind und weder der Künstler noch der Produzent Geld dafür erhält."
Die New York Times wollte herausfinden, wie schlimm die Verbreitung tatsächlich ist. Man beauftragte eine Firma in Kalifornien, die Anti-Piraterie Dienste anbietet, um nach illegalen Publikation von Dan Browns E-Book "Das verlorene Symbol" zu suchen. Insgesamt fand man 166 Möglichkeiten, das Buch kostenlos aus dem Internet herunterzuladen. Interessant war hierbei, dass 102 der Treffer zu Rapidshare führten. Man stellte dieses Ergebnis der Rapidshare AG vor. Eine Sprecherin des Unternehmens, Katharina Scheid, erklärte, dass man Löschanfragen für 1 bis 2 Prozent der Files erhalten würde, die täglich hochgeladen werden. Einen Rat gab die Sprecherin auch gleich mit auf den Weg, für alle Autoren, deren Werke bei Rapidshare illegal veröffentlicht werden. Man solle von Nine Inch Nails lernen. Diese würden sich selbst vermarkten, indem sie "ihre Werke umsonst zur Verfügung stellen". Die New York Times konnte auf diesen Ratschlag nur spitz reagieren. Man wolle ihn weiterreichen. Aber erst, sobald Autoren ganze Stadien füllen und Bücher als Konzertflyer dienen. (Firebird77)
(via NYT, thx!)
News Redaktion am Sonntag, 04.10.2009 15:44 Uhr
@Konne: Diesen Punkt hab auch schon bedacht...dennoch denke ich, wenngleich im geringeren Ausmaße, das eine Einführung der Raubkopie wird - Bestseller wie zB Browns neues Buch werden dennoch weiter und besser illegal verbreitet... ...
@Dragonblood94: Und wenn das literarische Volk die nächste Generation der Warez-Szene wird? ;) Der Wunsch nach Ebooks ist eher die höchste Ausbaustufe dieser Generation. Literatur == Bildung. Früher hat alles mit MP3, Spielen und Filmen begonnen. Den Wert v ...
@Dragonblood94: Und wenn das literarische Volk die nächste Generation der Warez-Szene wird? ;) @Firebird77, Autor des Artikels Danke für diesen sehr gut geschriebenen Artikel! Ich wurde heute mündlich im Englischen befragt über genau dieses Thema und wusste viel zu ...
Also ich hab an meinem Laptop letzten in zwei Tagen Snow Crash durchgelesen und kann nur sagen das es problemlos ging Ich denke gerade mit den neuen E-Ink technologien wird da in zukunft sich noch viel bewegen. Ansesicht der Zeit die es braucht ein buch zu lesen (und generell der leserfaulheit der ...
Dann müsste jeder Autor einfach ein privates Paypal Spendenkonto eröffnen. Da würde sicher wieder ein guter Anteil bei rum kommen. Das Literarische Volk ist ja sicher nicht so gierig wie die Warezszene. :p LG ...
Lars Sobiraj am 20.05.2012, 16:54 Uhr
Im US-amerikanischen iTunes Store wurden statt dem Begriff "Jailbreak" lediglich Sternchen zwischen dem Anfangs- und Endbuchstaben angezeigt. Davon waren letztlich alle Kategorien betroffen. So wurden neben Apps auch Klingeltöne, Podcasts, Musikstücke, ganze Alben und eBooks zensiert angezeigt. Laut den Untersuchungen von Shoutpedia waren mehrere Monate lang 95% aller Begriffe davon betroffen.
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