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Deckel drauf! Die Gulli-Glosse (32/2011)

Und wieder ist eine Woche zu Ende. Und wieder sind News über den Ticker gerattert, die doch schon ein wenig zum schmunzeln einladen, oder uns gleich Angst und Bange machen. Hier also nun die Highlights dieser Woche: Googles Datenschutz, die Pläne des großen Friedrich, GTA: London und eine interessante Definition, was genau ein "Hacker" ist.

Google will bekanntlich nur unser bestes: Unsere Daten. Und die haben sie sogar so gerne, dass die auch mal gerne weitergegeben werden. Im konkreten Fall an eine eher kleine und unbedeutende Behörde: Den Geheimdienst der USA. Ui, klingt nach groß und böse, ist es wahrscheinlich auch. Google gab nun zu, schon mehrfach Anfragen zur Herausgabe von Daten erhalten zu haben, die in europäischen Konten von Google Docs, Google Mail oder Google+ gespeichert sind. Dank Patriot Act hat die USA ja das "Recht", weltweit in jedermanns Daten herumzuschnüffeln. Wir können also gewiss sein, dass sich unsere Mails in sicheren Händen befinden. Naja, fast.

Es wahr wohl das Thema der Woche: Bundesinnenminister Dr. Hans-Peter Friedrich (CSU) will die Anonymität im Internet einschränken, ja quasi sogar ganz abschaffen. Damit sollen vor allem radikale Blogger abgeschreckt werden, wie sie ja an jeder Straßen- ääh, Internetecke vorkommen. Schließlich ist jeder Blogger, der unter einer Domain mit Whois-Schutz bloggt und kein Telemediengesetzkonformes Impressum führt, ein potentieller Attentäter. Hat man ja an Anders B. Breivik gesehen. Jedenfalls sollen Blogger doch bitte zukünftig ihre Klarnamen verwenden, und kein Pseudonyme mehr. Ein entsprechendes Modul zur Authentifizierung mit dem neuen e-Perso ist für die gängigsten CMS bestimmt schon in Arbeit. Der Vorschlag hat einen wahren Proteststurm ausgelöst. Die Pläne des großen Friedrich werden als ein Ausdruck von Hilflosigkeit, ja sogar als unglaublich naiv bezeichnet. Man kann das Internet nicht kontrollieren, jeder kann sich im Mausumdrehen dutzende Fake-Identitäten zulegen. Um das Internet zu zensieren, 'tschuldigung, zu kontrollieren, bräuchte man wohl einen Mitarbeiterstab, der größer als die Einwohnerzahl der Bundesrepublik ist. Und selbst dann wäre ein Erfolg dieser Methoden wohl äußerst fraglich. Wie stellt sich der Friedrich das eigentlich vor? Droht jetzt jedem etwas kritischen Blogger, der aus Angst vor Abmahnungen unter einem Pseudonym bloggt, gleich ein SEK-Team, der Verfassungsschutz, der BND oder gar der Todestrakt? Der SPD-Politiker Lars Klingbeil bezeichnete den Vorschlag ganz treffend als "Profilierung im Sommerloch". Wesentlich passender ist da der Kommentar der Piratenpartei: "Friedrichs Vorschlag greift einen der Grundfeiler unserer Demokratie an." Zielt man etwa darauf ab, Systemkritiker einschüchtern zu wollen und somit mundtot zu machen?

Südkorea ist uns da übrigens etwas voraus: Die haben den 2007 eingeführten Klarnamen-Zwang im Internet nun fallen gelassen. Mittlerweile dementiert das Bundesinnenministerium die Vermutungen, dass man gegen die Anonymität im Internet vorgehen werde. Das ganze sei doch nur ein riesen Missverständnis. Is klar. Man hat die Sinnlosigkeit des Vorhabens erkannt, und versucht es nun als Fehlinterpretation zu tarnen. Im gleichen Atemzug wurde mal wieder gefordert, doch bitte die Vorratsdatenspeicherung einzuführen. Das Sommerloch ist also noch nicht überstanden.

Und mal wieder etwas zum Lachen von der GEZ-Fraktion. Die hat nun eine neue Kundengruppe gefunden. (Darf man eigentlich "Kunde" dazu sagen? "Opfer" triffts wohl eher.) Besitzer von Ferienwohnung dürfen jetzt gleich zweimal zahlen. Einmal natürlich für die eigene Wohnung - das hervorragende Fernsehprogramm der öffentlich-rechtlichen Fernsehanstalten muss natürlich finanziert werden - und einmal für die Ferienwohnung, selbst wenn man sich dort nur äußerst selten aufhält. Aber scheißegal, ob man auch nur mal 14 Tage im Jahr da verbringt, schließlich hält man empfangsbereite Geräte bereit und ist somit zahlungspflichtig. Punkt. Wer hier also nicht zahlen will, sollte der GEZ eben glaubhaft machen, eben keine empfangsbereiten Geräte zu besitzen, wenn man nicht gleich doppelt abgezockt werden will.

Endlich wurde der Schuldige für die Ausschreitungen in London gefunden: Das Computerspiel Grand Theft Auto, auch GTA genannt. Da Computerspiele bislang nur an Amokläufen schuld waren, stellt diese Nachricht eine wahrhaft epische Meldung dar: Zum ersten Mal in der Geschichte der Menschheit ist ein Computerspiel dafür verantwortlich, dass Menschen wegen Unzufriedenheit auf die Straße gehen, und ein bisschen die Sau rauslassen. Die Randalierer werden einem Polizeibeamten zufolge als "Kinder außer Kontrolle" bezeichnet, die nun endlich das ausleben wollen, was sie bei GTA und Co. trainiert haben. Kein Kommentar. Gleichzeitig gibt der Polizeibeamte zu, früher immer gerne PacMan gespielt zu haben. Wir dürfen also ausgehen, dass besagter Polizist in seiner Freizeit gerne elektronische Musik hört, in dunklen Räumen umherläuft und munter Pillen und Geister mampft. In England kam man übrigens auf die glorreiche Idee, kurzfristig Netzsperren für bestimmte Internetseiten einzuführen, um damit die Krawalle einzudämmen. Man hofft wohl, dass sich die Randalierer nicht mehr über Facebook und Twitter verabreden können. Wenn schon, dann bitte auch gleich das ganze Internet und Mobilfunknetz abschalten, schließlich kann man sich auch per SMS verabreden.

Und noch eine kuriose Begriffs-Neudefinition der USA: Einem amerikanischen Gericht zufolge ist jeder, der zu viele e-Mails versendet, automatisch ein Hacker. Ernsthaft: In Ohio hat ein Gericht mehrere Gewerkschaftsmitglieder wegen Verstoßes gegen den Computer Fraud and Abuse Act (CFAA), also das Pendant zu dem deutschen Hackerparagraphen, verklagt. Die Gewerkschaft rief dazu auf, ihren Protest mit an Unternehmen gerichtete E-Mails kundzutun. Besagtes Unternehmen sieht sich in ihrer Arbeit behindert, weil die E-Mail-Postfächer permanent zugelaufen waren. Auf die Idee, den Mailboxen kurzfristig mehr Speicher zuzuweisen oder einfach einen Mitarbeiter mehr auf die Mails loszulassen, oder die Spam-Filter-Regeln zu erweitern, kam da offensichtlich niemand. Und so wurde eine harmlose Protestaktion gleich zum Hackerangriff hochgepusht. Na klasse, ich geh' zur Sicherheit lieber gleich meine E-Mail-Konten kündigen.

Und das war's auch schon für dieses Mal. Leeren wir also den News-Ticker, und sammeln die Kuriositäten der nächsten Woche. Ich wünsche allen Lesern einen wunderbaren Start in die neue Woche.

Euer
HerrMaulwurf

Lothar Serra Mari am Montag, 15.08.2011 14:31 Uhr

Tags: hacker-armee netzzensur hackerangriff internetzensur gez-gebühren

vgwort
 
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6 Reaktionen zu dieser Nachricht
  • Mr_Freeman69 am 19.08.2011 11:07:38

    Immer wieder gut ;) ...

  • TRON2 am 17.08.2011 12:33:30

    Sehr schön und witzig geschrieben. ...

  • nucleophilic am 15.08.2011 20:53:03

    Wir dürfen also ausgehen, dass besagter Polizist in seiner Freizeit gerne elektronische Musik hört, in dunklen Räumen umherläuft und munter Pillen und Geister mampft. Absolut endgeil! :beer: ...

  • Bruder Mad am 15.08.2011 17:50:07

    Hrrhrr... :D Das sollte aber auch keine Kritik sein, sondern nur eine Aufmunterung! :beer: ...

  • HerrMaulwurf am 15.08.2011 17:47:50

    Challenge accepted, der nächsten Ausgabe wachsen Zähne. ...

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