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Italiens Logik: Online-Glücksspiele legal, Internetsucht soll bekämpft werden

Internetsucht: Prost aus dem Monitor?

Internetsucht: Prost aus dem Monitor?

Italien. Die Anstrengungen der dortigen Politiker könnten verwirrender und uneinheitlicher nicht sein. Einerseits hat man in Italien kürzlich Wetten und andere Glücksspiele im Internet legalisiert. Andererseits kündigte man fast gleichzeitig einen mehrjährigen umfangreichen Gesundheitsplan zur Bekämpfung von Internet-Sucht an. Wer bitte soll das verstehen können?

Der italienische Gesundheitsminister Ferruccio Fazio aus der vierten Regierung von Berlusconi, hat eine Erklärung abgegeben, dass Behandlungen für "Internet-Sucht" Teil des öffentlichen Gesundheitsplans für 2011 bis zum Jahr 2013 sein werden. Um genauer zu sein, sagte er, dass Maßnahmen seitens der Regierung ergriffen werden, um das Problem zu lösen. "Es ist nicht nötig (Drogen) zu konsumieren aber es ist genug, um 10 Stunden am Tag vor dem Computer zu verbringen, um die verheerenden Auswirkungen zu erleiden" - Er sagte weitergehend, dass ein solcher Missbrauch von "Facebook, sozialen Netzwerken und Online-Spielen" zu "zwanghaften Gefühlen der sozialen Isolation, pathologischer Sucht, Verlust von realen Kontakten führt und mitunter das Gefühl vermittelt allmächtig zu sein."

Viele Beobachter und Blogger des Landes fragen sich nun, ob ähnliche Anstrengungen auch im Kampf gegen die TV-Sucht in italienischen Haushalten angestrebt werden, da die Fernsehsucht dort sehr viel häufiger vorkommt. Dem ist nicht so, denn auch der Premierminister vertritt offenbar seine ganz eigenen Interessen. Die bislang auffälligsten Äußerungen kann man bei IT-Journalist und Kommentator Massimo Mantellini auf der "Punto Informatico" Newsseite lesen. Er ist ein Arzt im "wahren Leben" und diesbezüglich wahrscheinlich die erfahrenste Person mit kulturellem Hintergrund. Er kam nicht umhin die Ähnlichkeit zu bemerken, mit besonderen Bezug auf das Konzept der "Allmacht", um im Internet surfen. Das Konzept war Teil der Rede des Ministers und einem Buch mit dem Titel "Das Internet verwandelt sich in eine Droge" von Federico Tonioni. Letzterer ist Psychiater für IAD (Internet Addiction Disorder - Internetabhängigkeit) an der Poliklinik Gemelli, ein großes Krankenhaus in Italiens Hauptstadt Rom.

Dieses Handbuch für Eltern zur Behandlung der von IAD betroffenen Kindern beschreibt die Betroffenen mit "ausdruckslosem Blick, blass, mit kreisenden Augen", und basiert vor allem auf Theorien der Wissenschaftlerin Rebecca Young aus dem Jahr 1998. Doch diese Theorien von internationalen Wisssenschaftlern sind veraltet. Die führende Theorie ist heute, dass dies nur ein Symptom für andere bereits bestehende Erkrankungen ist, unterteilt in jeweilige Bereiche (der Ablenkung von der Realität) wie Glücksspiel, der Sucht nach Sex beziehungsweise dem krankhaftem Konsum von Pornographie und so weiter. In den letzten Worten seines Artikels bemängelt der Journalist Mantellini, dass das Gesundheitsministerium nicht über die finanziellen Ressourcen zur primären Heilung seiner Bürger verfügt, selbst wenn man den Plan ernsthaft umsetzen wolle.

Nicht nachvollziehbar erscheint in diesem Zusammenhang, dass kürzlich Online-Glücksspiele in Italien legalisiert wurden. Offenbar verwendet der italienische Staat seine Energie ausschließlich dafür, politisches Marketing gegen die meisten Teilbereiche des Internet durchzuführen. Und dann wird ausgerechnet der Bereich im Netz mit dem wahrscheinlich höchsten Suchtpotential legalisiert. Den Sinn hinter den beiden höchst widersprüchlichen Handlungen können wohl nur italienische Machthaber verstehen.

Den Artikel schrieb der italienische Autor Fabrizio Bartoloni, danke!

Bild-Quellen: swiss-lupe.blogspot.com

Lars Sobiraj am Dienstag, 09.08.2011 15:36 Uhr

tagsTags: fabrizio bartoloni ferruccio fazio massimo mantellini federico tonioni

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9 Reaktionen zu dieser Nachricht
  • Rob_ert am 10.08.2011 09:13:40

    Vielleicht hast du ja gerade deswegen nie ein Suchtproblem in Bezug auf Computerspiele gehabt, weil man dich immer wieder auf diese Gefahr hingewiesen hat und nicht, wie du es siehst, trotzdem? ;) Hm das könnte natürlich auch so sein und wir haben wieder ein ...

  • Willkuer am 10.08.2011 00:15:15

    Wenn es ein Recht auf Suizid gibt, ein Recht auf Sterbehilfe und das eigene Leben und dessen Unversehrtheit niemand anders gehört als einem selbst, dann muss auch jeder das Recht haben für sich eine Sucht zu leben. Diese Rechte gibt es zwar (in Deutschland) nicht ...

  • Chibo am 09.08.2011 23:55:37

    Worin besteht genau der Zusammenhang zwischen Online-Glücksspiel und Internetsucht? :unknown: @Rob_ert: Wie du bereits richtig zitiert hast, können Computerspiele süchtig machen, so wie eigentlich fast alles, was Spaß macht. Nur weil die meisten Menschen (wie beispielsweise du) gut in de ...

  • Rob_ert am 09.08.2011 23:20:40

    @sphaeroid Danke für den Beitrag:T. Wobei ich auch stehts für die vollkommende Selbstbestimmung eines jeden Menschen bin, soweit er es kann, bin ich zumindest für Aufklärung. Sei es nun Crack oder Online Games. Bei harten Drogen, die eine massive körperliche Abhängigkeit aufbauen finde ich, ...

  • sphaeroid am 09.08.2011 18:37:41

    Ist Sucht ein Problem? Diese Frage stelle ich mir immer mehr und finde keine eindeutige Antwort. Der erste Teil der Frage ist der der Abgrenzung. Was bezeichnet man als Sucht? Doch den psychischen Affekt, der den betroffenen Menschen zu bestimmten Handlungen zwingt? Der ist m.E. nicht generell ein ...

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