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Großbritannien: Urheberrechtsunterricht sponsored by Musikindustrie?

Es ist nicht gänzlich neu, dass Schülern im Unterricht auch grundlegendes Wissen zum Thema Urheberrecht vermittelt wird. Problematisch wird diese Bildung lediglich dann, wenn sie einseitig geschieht.

In Australien ist es bereits seit einiger Zeit der Fall, dass Verbände, die der Contentindustrie sehr nahe stehen, kostenlosen "Urheberrechtsunterricht" an Schulen anbieten. In den USA sieht es kaum anders aus, wobei die Kinder hier sogar aufgefordert werden, ihre Ergebnisse der breiten Masse zugänglich zu machen. Als nächstes Land, welches das großzügige Angebot der Industrie in Anspruch nimmt, reiht sich Großbritannien ein. Hier war man jedoch etwas cleverer und bemerkte den Fehltritt. Glücklicherweise vergisst Google Cache nichts.

Konkret geht es um Ruth Katz, eine Beraterin der Musikindustrie. Kurz nachdem die "Mail on Sunday" auf einige Ungereimtheiten aufmerksam geworden war, editierte Katz ihr Linkedin-Profil. Dabei entfernte sie einige interessante Details. Katz selbst begann ihre berufliche Karriere 1995 bei dem Majorlabel EMI, als Vizepräsidentin im Bereich "Release-Planung". Im Jahr 2002 wanderte sie auf den Posten des Vizepräsidenten im Bereich "Content-Schutz" ab und kämpfte weitere sieben Jahre gegen Musikpiraterie. Im März diesen Jahres verließ sie EMI, um sich ihrer Firma "Ruth Katz Consultancy Ltd" anzunehmen. Nach Angaben des britischen Intellectual Property Office betätigt sich das Unternehmen in folgenden Bereichen: "Beratung, Vertragsschließung und repräsentative Dienste; Rechtliche Beratung; Anti-Piraterie und Anti-Fälschungsdienste; Lobbying; Schutz des Urheberrechts bei Musik; Ermittlungstätigkeiten im Zusammenhang mit geistigem Eigentum; Information und Beratung zu einem der vorgenannten Dienste."

So ganz hat man EMI den Rücken aber noch nicht gekehrt. Man engagiert sich für diese nämlich nicht nur im Kampf gegen Pre-Releases, sondern bietet auch ein Unterrichtsprogramm für Grundschulkinder (!) an. Darin werden die Kinder über Musik und Kreativität unterrichtet. Bislang findet dieser Unterricht an sechs Versuchsschulen in Großbritannien statt und könnte im Falle eines Erfolges natürlich auf weitere ausgebreitet werden. An der Idee, Kinder über Urheberrechte zu unterrichten, ist grundsätzlich erst einmal nichts falsch. Interessant ist jedoch, dass ihr ursprüngliches Linkedin-Profil einige Informationen zu dieser Schulung enthält, die so nicht in der Presse auftauchen.

Ihr gegenwärtiges Linkedin-Profil spricht davon, dass sie "ein Bildungsprogramm für Grundschulkinder initiiert hat, um diese über die zahlreichen Aspekte von Kreativität und der Musikschöpfung zu unterrichten." Der Mail on Sunday fiel aber auf, dass das Profil weitere Elemente enthielt, die sehr urheberrechtsnah waren. Nachdem man Katz darauf angesprochen hatte, editierte sie ihr Profil zügigst. Der ursprüngliche Text: "Ich habe ein Bildungsprogramm für Grundschulkinder initiiert, um diese über die zahlreichen Aspekte der Kreativität und der Musikschöpfung zu unterrichten. Das Projekt wird von Musikindustrie enorm unterstützt, insbesondere zu nennen wäre hier die IFPI und UK Music, die EMI Music Sound Foundation, die Regierung, das DSCF sowie andere Musikindustrie-Angehörige. Ein Pilotprogramm, an dem sieben Schulen ab September teilnehmen, soll bis September 2010 auf alle Grundschulen Englands ausgeweitet werden."

Gegenüber der Mail hielt Katz ursprünglich fest, dass sie das Projekt voll und ganz aus eigener Tasche finanzieren würde. Es gehe schließlich um ein wichtiges Thema. Bei weiteren Recherchen fiel der Mail dann auf, dass Katz in ihrem Linkedin-Profil von einer Ausbreitung des Projekts sprach. In Anbetracht der Tatsache, dass alleine in England mehr als 17.000 Grundschulen vorhanden sind, müsste Katz wohl über eine beachtliche Summe verfügen. Nach der Editierung ihres Profils glaubt aber fast niemand mehr, dass es von Seiten der Musikindustrie keine "Fördermittel" gibt. Jetzt wäre es noch interessant zu erfahren, was genau Katz den Schülern beibringt. Ob sie objektiv arbeitet? Bei Betrachtung aller Faktoren, die hier ineinander wirken, gepaart mit der hastigen Editierung ihres Profils, will man daran eigentlich nicht wirklich glauben. Wer sich von den Anpassungen selbst überzeugen will, muss sich lediglich das aktuelle Linkedin-Profil von Katz, sowie die Version in Google-Cache zu Gemüte führen.(Firebird77)

(via torrentfreak, thx!)

News Redaktion am Sonntag, 04.10.2009 19:21 Uhr

Tags: großbritannien musikindustrie ruth katz urheberrechtsunterricht

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vgwort
 
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16 Reaktionen zu dieser Nachricht
  • MystiqueMax am 06.10.2009 19:38:37

    Gerade dir sollte doch bewusst sein, das Unwissenheit nicht vor Strafe schützt ._. Das ist nicht ganz richtig. Im Zivilrecht gibt es so etwas wie Unwissenheit schützt vor Strafe nicht. Im Strafrecht ist das anders. Dort gibt es irgendwo einen Paragraphen (wäre Jurastu ...

  • Lazyness am 05.10.2009 20:45:48

    Die Menschheit ist verdammt. Wir bewegen uns auf eine hoffnungslose Zukunft zu und keiner wehrt sich. weil keiner weiß wie ...

  • Utuvien am 05.10.2009 20:30:49

    Die Menschheit ist verdammt. Wir bewegen uns auf eine hoffnungslose Zukunft zu und keiner wehrt sich. ...

  • Lazyness am 05.10.2009 20:22:38

    auf auf in die hitlerjugend von Grossbritanien. Gibts doch schon guckt euch das Video an, freie Meinungsäußerung gibts in GB schon lange nicht mehr und Kindersoldaten auch ;) http://www.youtube.com/watch?v=m1qAR1pdiGY&feature=PlayList&p=1C5F0FF4E4F424EC&index=7 a ...

  • Elvenpath am 05.10.2009 20:15:00

    Einfach widerlich. Da soll an Kindern Gehirnwäsche vollzogen werden. "Geistigen Diebstahl" beklagen, aber selber geistig vergewaltigen, einfach zum Kotzen. Die Verantwortlichen gehören geteert und gefedert und mit Schimpf und Schande durch die Straßen getrieben. So long... ...

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