So sah das Kino in der Vergangenheit aus. Foto: melayna.deviantart.com
Nach dem unfreiwilligen Ableben des Marktführers Kino.to haben alle Mitstreiter einen enormen Besucherzuwachs verzeichnet. Der Statistik-Dienst Alexa besagt, der mehr oder weniger offizielle Nachfolger Video2k.tv sei derzeit die meist besuchte Streamingseite im Internet. Eine Grafik mit dem Vergleich zwischen den einzelnen Portalen ist hier einsehbar. Darin ist auch deutlich erkennbar, dass die DDoS-Angriffe vor einigen Tagen nicht ihr kurzfristiges Ziel verfehlt haben. Da die Seite unter den Attacken kaum jemand vernünftig nutzen konnte oder ganz offline war, fielen die Zugriffszahlen im freien Fall in den Keller. Eine weitere Grafik ist hier verfügbar. Derartige Racheaktionen sind in diesem Bereich nichts Ungewöhnliches. Auch Movie2k.to stand mehrere Tage unter Einfluss von Massen an sinnlosen Aufrufen. In beiden Fällen konnten die Angriffe mittlerweile in den Griff bekommen werden.
Movie2k.tv ist nach wie vor frei von Werbung. Lediglich die eingebundenen Filehoster wie Kimbles Megavideo bieten teilweise kostenpflichtige Premium-Zugänge an. Nach eigenen Angaben soll das Streaming-Portal nicht an den Einnahmen beteiligt werden, was wir an dieser Stelle nicht überprüfen können. Da derartige Webseiten generell für viele Filmfreunde und Leser interessant sind, haben wir dem Macher von Video2k.tv kürzlich einige Fragen gestellt.
gulli.com: Hälst du den Betrieb einer Streaming-Portalseite oder den eines Filehosters für legal ?
Ich halte es für eine Grauzone, man muss hier beide Seiten verstehen. Kino.to und Video2k.tv sind im Prinzip nur eine Ansammlung von Links, es wird keine einzige Copyright geschützte Datei auf den eigenen Servern gelagert. Im Prinzip würde ich behaupten sind "Google.com", "Yahoo.com" und andere Suchmaschinen nichts anderes. Die Gegenseite argumentiert immer wieder damit, dass man die Dateien überprüfen müsste, bevor man sie öffentlich zugänglich macht. Ich würde behaupten, dass alleine der Vorreiter aller Filehoster "Megaupload.com" am Tag mindestens 400.000 frische Dateien erhält. Es ist technisch unmöglich alle Dateien zu überprüfen um eventuelle Urheberrechtsverstöße rauszufiltern. Man kann auch nicht verlangen weitere 1.000 Mitarbeiter einzustellen welche die Dateien im Vorfeld überprüfen. Davon abgesehen reagiert jeder namenhafte Hoster auf sogenannte "Abuse-Meldungen" ( DMCA ) und solange das geschieht bleibt es meiner Meinung nach maximal eine Grauzone.
gulli.com: Die Begründung der Hoster war stets und ist eine Ausrede. Wenn die Prüfung der vielen neuen Dateien unmöglich ist, könnte man den erlaubten Upload auf ein Minimum reduzieren. Das aber würde das Geschäftsmodell eines Filehosters zerstören. Werden Dateien gemeldet, sind sie teilweise kurze Zeit später oder sogar sofort mit einem anderen Namen wieder verfügbar. Aber etwas anderes: Was könnte die Content-Industrie tun, um selbst mehr Geld zu verdienen ?
Was sie tun könnten wurde in den letzten drei Wochen ja schon ausführlich diskutiert, die Frage ist eher, warum die Content-Industrie denkt, dass zu wenig Geld verdient wird. Wenn man sich mal die Jahresberichte diverser beteiligter Firmen anschaut, frage ich mich wirklich warum da so eine Geldnot herrscht. Alleine die "CinemaxX AG" mit Sitz in Hamburg hat im Jahre 2008 einen Gewinn von 18.000.000 Euro und 2009 trotz der hohen Tiketpreise immer noch 16.000.000 Euro. Das lässt nur erahnen was andere Kinos erwirtschaften, bzw. die Content-Industrie dahinter, welche die Filme vermarktet.
R.I.P. Kino.to![]()
Leider kriegt man keinen genauen Einblick in die Ermittlungsmethoden der GVU beziehungsweise in die des Generalstaatsanwaltes. Der Bericht über "Kino.to" vor einigen Tagen bei "Spiegel TV" lässt aber nur erahnen was für eine Inkompetenz dahinter steckt. Die Tatsache, dass mindestens 5 unschuldige Personen immer noch inhaftiert sind lässt ebenfalls vermuten, dass die GVU sehr viele Fehlinformationen erhalten hat. Es ist schon amüsant, dass die GVU in Zusammenarbeit mit sämtlichen Behörden nach eigener Aussage über drei Jahre gebraucht hat um den jetzigen Stand zu erreichen. Wer diesen Kinderkram finanziert ist offensichtlich, da ich gulli aber keinen Grund zum Zensieren geben möchte, soll sich jeder seinen Teil selbst dazu denken. Wie kann es sein, dass bei unklarer Rechtslage ein Staatsanwalt der offensichtlich überhaupt keine Ahnung von der Materie hat, einfach so in der Lage ist 14 Menschen das Leben zu zerstören und diese auf unbestimmte Zeit zu inhaftieren. Davon abgesehen ging es doch bei dem ganzen Verfahren nur darum den normalen Konsumenten die vom Staat ausgeübte Macht zu demonstrieren, damit man möglichst viele einschüchtert und dazu bringt, so viel Geld wie möglich in derartige Medien zu investieren, was ja offensichtlich auch ganz gut geklappt hat. Davon profitiert aber wieder nur die Content-Mafia. Jeder soll sich bitteschön seinen eigenen Teil dazu denken.
gulli.com: Dazu passt die offizielle Androhung des zuständigen Staatsanwaltes von 15 Jahren Freiheitsentzug. Da käme selbst ein überführter Mörder besser weg. Für wie gefährlich hälst du denn den Betreib einer solchen Webseite ?
Ich halte das für ungefährlich, solange man ein kompetentes und loyales Team hat. Bestenfalls bestehend aus einer einzigen Person, damit man zu 100% das Risiko selbst trägt. Umso mehr Leute beteiligt sind, umso riskanter wird es. Gefährlich könnte es natürlich auch werden, wenn man kompetente Gegner hat, darüber können wir aber in 10 Jahren nochmals reden.
gulli.com: Bei Kino.to waren die Gegner in den eigenen Reihen. Was hälst du vom Verhalten des Ehepaares, die nach finanziellen Streitigkeiten mit ihren Aussagen die Verfolgung erst möglich gemacht haben ?
Ich kenne die Hintergründe nicht und weiß nicht was da konkret vorgefallen ist. Das sind alles nur Vermutungen, ob die das für Geld getan haben, aus Rache, erpresst wurden oder einfach nur wegen eines schlechten Gewissens. Das wird sich bestimmt im Laufe der nächsten Monate herausstellen.
gulli.com: Glaubst du es wird jemals legale Alternativen geben, die das gleiche Angebot wie die Portale aus dem Graubereich bereithalten?
Ja, das glaube ich. Ich hoffe ja dass sich die Content-Mafia mit Google oder Facebook zusammentut. Ich weiß, das sind beides Datenschleudern, aber diese beiden Firmen wären in der Lage viel Geld da rauszuholen. Ich kann nur grob überschlagen, welche Umsätze damit generiert werden könnten. Angenommen ich suche bei Google oder Facebook nach "Transformers 3" und der Film käme noch am Tag der Kinopremiere als Livestream für 2,99 Euro ins Internet. Selbst wenn man sich den Film nur für 24 Stunden anschauen könnte, könnte man damit viel Geld verdienen. Dann ist es wichtig, mindestens 20 verschiedene Bezahlmethoden zur Wahl anzubieten anstatt wie jetzt nur eine Zahlung per Kreditkarte zu ermöglichen. Auch umfangreiche Abomodelle oder das neue „Google-TV“ wären denkbar. Die Möglichkeiten sind grenzenlos. Realistisch betrachtet würde ich sagen, der Umsatz könnte sich mehr als vervierfachen. Also beschränkte Content-Mafia: Traut euch vor, dankt uns später. Google hat schon oft genug Interesse bekundet.
Das Ganze könnte man auch noch wunderbar mit neumodischen Diensten wie "Groupon" und "Twitter" verbinden und es ist ja nicht so, dass es mit dem Internet in der Zukunft weniger wird, sondern eher mehr. Andererseits kann es natürlich auch so sein, dass das Risiko großer Umstellungen wegen der vielen Mitarbeiter gescheut werden. Es wird nie möglich sein alle Beteiligten von so einer Änderung zu überzeugen, dennoch gibt es sicher viele kleine Independent Firmen, welche daran interessiert sind.
Ich gehe zu 100% davon aus dass genau das Szenario welches ich hier beschreibe in aller spätestens zwei Jahren umgesetzt wird, denn das ist der einzig logische Schritt. Selbst Dienste wie Hulu.com sind noch sehr weit von der Perfektion entfernt.
gulli.com: Problematisch wird vor allem die Tatsache, dass unzählige derzeit gültige Verträge zur Auswertung der Filmwerke geändert werden müssen. Anders wäre das Aufbrechen der jetzigen Verwertungskette (Kino, später DVD/Blu-Ray und am Ende Verkauf der Fernsehrechte) nicht möglich. Wie siehst du die Zukunft von Video2k.tv, was erhoffst du dir?
Die Zukunft sieht gut aus, wir sind auf dem besten Wege Rekordmarken zu brechen. Wir hoffen, dass sich die zukünftigen Filehoster noch verbessern werden und mit etwas weniger Werbung auskommen.
Die Ermittler brauchen bestimmt 3-5 Jahre bis die auf uns aufmerksam werden. Die sind diesbezüglich immer etwas langsam ...
gulli.com: Aufmerksam sind sie schon geworden. Die Ermittlungen gegen euch haben längst begonnen, wie man mir telefonisch mitteilte.
Um denen aber mindestens 1 Jahr Arbeit schonmal abzunehmen, rechne ich der Content-Mafia mal den derzeitig entstehenden Schaden vor, der nur von Video2k.tv ausgeht:
Video2k.tv hat aktuell im Durchschnitt 1,8 Mio einzigartige Besucher am Tag. Wenn man davon ausgeht, dass jeder mindestens 2 Kino-Filme pro Tag schaut (So kalkuliert die Filmwirtschaft immer), so beläuft sich der Schaden pro Tag nur für die nicht gekaufte Kino-Karte ca. 43.000.000 Euro. Kino vs. Kino.to
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gulli.com: Da die Industrie immer sehr gerne ein paar Hausnummern zu hoch rechnet, würde das zumindest zu deren Rechenmethoden passen. Davon abgesehen ist die Kalkulation alles andere als realistisch! Das macht nichts, denn das trifft aber auch auf die meisten Schadensmeldungen der Entertainment-Branche zu.
Dann vielen Dank für die Antworten. Wer sich darüber hinaus informieren möchte: Wir haben unter dem Motto „Die dunklen Seiten im Netz“ bereits einige Interviews mit Movie2k.to, Kino.to, Movie Blog, gwarez.cc und zahlreichen anderen Personen aus der digitalen Schattenwirtschaft durchgeführt.
Bild-Quellen: melayna.deviantart.com 4k1.deviantart.com Facebook-Gruppe: Offizielle Kino.to Schweigeminute
Lars Sobiraj (g+) am Montag, 04.07.2011 11:15 Uhr
Wisst ihr was das eigentlich Verrückte ist und was irgendwie niemand wahrnehmen will der immer wieder nach HD-Streams zum Kinostart ruft: Die Studios sind diejenigen, die schon seit Jahren immer wieder die Verwertungskette abkürzen bzw diese immer noch weiter abkürzen wollen. Die Studios strengen z ...
Es ist nur interessant zu sehen, wie unterschiedlich die juristischen Einschätzungen ausfallen. Gegenbeispiele zu CHIP-Online wären z.B. folgende juristische Einschätzungen: "Nutzer des Dienstes brauchen sich nach meiner Einschätzung aufgrund der oben beschriebenen Gründe (unklare Rechtslage und Ge ...
@ Nathan05 was willst du uns damit bitte sagen? ...
"Angesichts der strittigen Rechtlage zum Thema Movie-Streaming raten wir daher dringend von der Nutzung derartiger Seiten ab." http://www.chip.de/news/Movie2k.to-Naechstes-Streaming-Portal-ist-offline_49748092.html "Sollte die GVU ihren Kurs jedoch weiterverfolgen, könnte diese Entscheidu ...
Früher oder später wird die Content-Mafia neue Modelle suchen müssen, da sich mit den heutigen Möglichkeiten nicht mehr Geld machen lässt würde ein Kino-Film gleichzeitig auch als Video zum leihen geben würde ich für interessante Filme auch 10€ zahlen, aber sicher keine ...
Heutzutage ist die Internettelefonie neben Fest- und Mobilnetztelefonie immer gefragter. Per Internet zu kommunizieren ist nicht nur komfortabler und billiger, man ist zudem unabhängig von Tarifen, welche nur eine bestimmte Gesprächszeit günstig ermöglichen. Also wieso nicht auch Internet-Telefonie nutzen?
Lars Sobiraj am 14.05.2013, 13:52 Uhr
Der Petitionsausschuss des Deutschen Bundestags steht seit vielen Jahren den Bürgern und Gruppen für ihre Anliegen offen. Wir haben uns kürzlich mit einem der 80 Mitarbeiter des Hauses unterhalten. Da seit der Gründung nur sehr wenige Gesetzesänderungen durch Petitionen entstanden sind, wollen wir den Sinn dieser Institution hinterfragen. Dies ist vorerst der letzte Teil unserer Interview-Serie.
Lars Sobiraj am 12.05.2013, 12:51 Uhr
Wie ein 73-jährige Japaner beweist, kann man das am häufigsten benutzte Tabellenkalkulationsprogramm Microsoft Excel nicht nur für reguläre Berechnungen einsetzen. Tatsuo Horiuchi erstellt ausnahmslos seine traditionellen Gemälde mit Hilfe dieses Programms. Er arbeitet bereits seit 10 Jahren mit der Software und stellt seine Bilder in diversen Ausstellungen vor.