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Daniel Domscheit-Berg: "Den menschlichen Faktor unterschätzt"

WikiLeaks (Logo)

WikiLeaks (Logo)

Das Schicksal des mutmaßlichen WikiLeaks-Informanten Bradley Manning beschäftigt Transparenz-Aktivisten bereits seit seiner Verhaftung vor rund einem Jahr. Ex-WikiLeaks-Sprecher Daniel Domscheit-Berg sieht auch bei der Whistleblowing-Plattform selbst eine Mitverantwortung für Mannings Schicksal. Man habe den menschlichen Faktor unterschätzt, so Domscheit-Berg.

In einem Interview mit der Website "on3" äußerte sich Domscheit-Berg über Mannings Schicksal, über die Ursachen dessen und darüber, wie sich seiner Ansicht nach derartige Ereignisse zukünftig verhindern lassen. Dabei sieht Domscheit-Berg WikiLeaks deutlich in der Verantwortung.

Technisch habe WikiLeaks nichts falsch gemacht, so Domscheit-Berg. Menschlich allerdings habe es Defizite gegeben. Manning war verhaftet worden, weil er mit dem Ex-Hacker Adrian Lamo per Online-Chat über seine mutmaßlichen Taten gesprochen hatte und Lamo daraufhin das FBI informiert hatte. Menschen, die wie Manning etwas mutiges tun, um politisch etwas zu ändern, bräuchten Anerkennung für ihre Taten, meinte Domscheit-Berg. Mannings Bedürfnis nach Anerkennung, das ihm womöglich zum Verhängnis wurde, sei ein "zutiefst menschlicher Zug", so der Transparenz-Aktivist.

WikiLeaks, so die Einschätzung Domscheit-Bergs, habe weder technische Fehler gemacht noch habe man fahrlässig gehandelt. WikiLeaks treffe aber "eine indirekte Schuld", da man Manning nicht "mit den nötigen Informationen" versorgt habe, die "ihn vor sich selbst schützen".

Aus dieser Fehleinschätzung will Domscheit-Berg auch für sein eigenes, derzeit im Aufbau begriffenes Transparenz-Projekt "OpenLeaks" lernen. Man wisse nun, "wie kritisch die Schwachstelle Mensch ist" und dass man sich verstärkt engagieren müsse, den Whistleblowern klarzumachen, "worauf sie sich da einlassen und […] wie sie sich […] verhalten müssen". Absolute Sicherheit gebe es natürlich trotzdem nicht, gibt Domscheit-Berg zu. Das sei bei Whistleblowing-Plattformen nicht anders als wenn sich ein Informant direkt mit einem Journalisten treffe. Man könne aber durch bestimmte Maßnahmen das Risiko für die Quellen minimieren. Moralisch, so Domscheit-Berg, seien Whistleblowing-Plattformen unabhängig von der genauen technischen Umsetzung gegenüber ihren Informanten stets in der Verantwortung.

Manning wird vermutlich noch in diesem Jahr vor Gericht gestellt werden. Im Falle einer Verurteilung droht ihm eine langjährige Haftstrafe oder unter Umständen gar die Todesstrafe. Welche Auswirkungen dies auf die Transparenz-Bewegung und die bestehenden Whistleblowing-Plattformen haben werde, sei "sehr schwer zu sagen", sagte Domscheit-Berg. Einerseits gebe es natürlich eine "psychologische Wirkung", die ein Prozess gegen Manning - insbesondere im Fall einer strengen Bestrafung - haben werde. Potentielle Quellen "könnten abgeschreckt werden durch dieses Beispiel," mutmaßte der Aktivist. Er hoffe aber, "dass das nicht passiert, wenn man sich das detailgenauer anschaut und wenn man versteht, dass dieser Fehler ja nur passiert ist, weil ein Mensch mit dem Falschen geredet hat oder sich dem Falschen anvertraut hat und das eigentlich ausgeschlossen werden kann, wenn man einfach nicht mit irgend jemandem darüber redet, dass man sowas weitergegeben hat." Hoffentlich sei das "die Lektion, die viele daraus lernen, dass sie einfach nicht mit irgendwem drüber sprechen, sondern sich einfach bedeckt halten" statt generell vom Whistleblowing abgeschreckt zu werden.

Mannings Schicksal gebe allen Interessierten zu denken und beschäftige sie, erklärte Domscheit-Berg. Dies beeinflusse natürlich die Arbeit von Aktivisten bei Plattformen wie WikiLeaks und OpenLeaks. Darüber hinaus sei die Relevanz des Falles für die tägliche Arbeit derartiger Plattformen aber eher gering. Die Beschäftigung mit Mannings Fall sei "eher eine psychologische und eine menschliche Geschichte", die Aktivisten zeige, dass sie kritisch an ihre eigene Arbeit herangehen müssten. 

Annika Kremer (g+) am Mittwoch, 08.06.2011 13:16 Uhr

Tags: whistleblowing wikileaks manning bradley manning daniel domscheit-berg

 
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7 Reaktionen zu dieser Nachricht
  • awichai am 09.06.2011 05:29:57

    Wie soll denn eine Whistleblowplattform ihre Quelle schützen, wenn die Plattform selber nicht weiß wer ihre quelle ist?! ist doch das ziel der ganzen geschichte, dass die quelle total anonym ist. ...

  • Hasron am 09.06.2011 01:45:33

    Bitte tu uns allen einen Gefallen und lies dir dein Geschriebenes durch bevor du gedankenlos auf abschicken klickst, dann kommt in Zukunft eventuell weniger sinnfreier polemisierender Müll raus. :cool: Ganz schön weit aus dem Fenster gelehnt, mein Lieber. Oder: "Wer ...

  • Sempralon am 08.06.2011 22:04:11

    @evebugs ... was ich damit Ausdrücken wollte? ... es gibt bestimmte "Dinge", die man machen sollte ... aber das individuelle Namensschild sollte man in diesen Fällen nicht öffentlich raushängen lassen! Klar wurmt es dann evtl. kräftig, wenn ein anderer daher kömmt und sein Namensschild dran pappt .. ...

  • raziel08 am 08.06.2011 15:33:09

    Die Idee dahinter ist ja in der Theorie richtig, aber wie soll man einen Menschen vor sich selbst schützen wenn er dass zumindest unbewusst garnicht will? ...

  • evebugs am 08.06.2011 15:32:52

    Hast du Informationen oder etwas entdeckt von dem die Öffentlichkeit informiert werden sollte? ... z.B. eine neue unerschöpfliche Energiequelle für alle zum Spottpreis oder einfach "nur" Informationen die bei einer Veröffentlichung irgendjemand Mächtigen, mächtig gewaltig ä ...

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