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Fall Bradley Manning: Adrian Lamo bereut nichts

Bradley Manning

Bradley Manning

Ex-Hacker Adrian Lamo erklärte kürzlich, er habe keinerlei Gewissensbisse wegen seiner Rolle im Fall Bradley Manning. Lamo hatte Manning, nachdem dieser ihm angeblich anvertraute, das Material für mehrere brisante WikiLeaks-Enthüllungen geliefert zu haben, den US-Behörden gemeldet. Wie Lamo damals erklärte, war er um die nationale Sicherheit besorgt.

Lamo hatte damals erklärt, er habe - gerade aufgrund seiner Vergangenheit, in der er wegen IT-Delikten verurteilt wurde - gefürchtet, selbst strafrechtliche Konsequenzen hinnehmen zu müssen, wenn ihm eine Mitwisserschaft nachgewiesen worden wäre. Zudem hatte der Ex-Hacker, der WikiLeaks zuvor mehrfach durch Werbung und mit kleineren Geldspenden unterstützt hatte, nach eigener Aussage auch Bedenken um die nationale Sicherheit. In einigen Interviews argumentierte Lamo gar, er habe zu Mannings eigenem besten gehandelt und ihm womöglich schlimmere Konsequenzen erspart. 

Aufgrund seiner Handlungen und seiner öffentlichen Aussagen musste Lamo viel Kritik in der Hackerszene sowie von Manning- und WikiLeaks-Unterstützern hinnehmen, die in einigen Fällen bis hin zu persönlichen Drohungen eskalierte. Lamo hält deswegen momentan seinen genauen Wohnort geheim. Insbesondere wurde Lamo von Kritikern vorgeworfen, er habe Manning unter Vorspiegelung falscher Tatsachen - unter anderem, indem er sich als Journalisten dargestellt und Manning Quellenschutz versprochen habe - dazu gebracht, sich ihm anzuvertrauen, und ihn anschließend verraten. Lamos Aussagen zu diesem Thema waren, ebenso wie seine Äußerungen über andere Details seiner Unterhaltungen mit Manning, widersprüchlich.

Trotzdem erklärte Lamo kürzlich, er bereue nicht, Manning an die US-Behörden verraten zu haben. "Manchmal muss man das Wohl Vieler gegen das Wohl des Ganzen abwägen," erklärte Lamo kürzlich in einem Interview mit dem IT-Newsportal CNET. Lamo gilt als äußerst patriotisch und bekräftigte mehrfach öffentlich seine Loyalität zu den USA. Manning sei "im Grunde zu einem nicht-souveränen ausländischen Akteur übergelaufen," sagte der Ex-Hacker und meinte damit WikiLeaks. Lamo warf Manning vor, er habe den USA auf lange Sicht womöglich ernsthaft geschadet.

"Ob es mir leid tut, dass die Todesstrafe zur Debatte steht? Ich bin zwiespältig… ich befürworte nicht die Todesstrafe für ihn, aber angesichts dessen, würde ich nicht sagen, dass die Todesstrafe nicht gerechtfertigt ist," sagte Lamo. Auf eines der Manning vorgeworfenen Verbrechen, "Unterstützung des Feindes", steht laut dem berüchtigten "Espionage Act" von 1917 potentiell die Todesstrafe. Die Militärstaatsanwaltschaft kündigte zwar an, in Mannings Fall lediglich eine lebenslange Haftstrafe empfehlen zu wollen. Diese Empfehlung ist aber für den zuständigen Richter nicht bindend.

Lamo bestand außerdem auf seiner Theorie, dass Manning und WikiLeaks-Gründer Julian Assange schon vor Mannings Verhaftung ausführlichen Kontakt gehabt hätten. Diese Frage könnte sich rechtlich als äußerst bedeutsam erweisen, da Assange, sollte sich eine solche Verbindung nachweisen lassen, wegen Verschwörung angeklagt werden könnte. Bislang konnten die US-Behörden trotz Ermittlungen in diese Richtung nicht beweisen, dass eine solche Verbindung bestand. Ob Lamo dies ändern könnte, ist fraglich. Der Ex-Hacker machte auch zu diesem Thema öffentlich widersprüchliche Aussagen. Er deutete immer wieder die Existenz von Passagen in seinen Chats mit Manning an, die eine Verbindung zwischen Manning und Assange nachweisen. In einem Telefon-Interview mit dem US-Journalisten Glenn Greenwald behauptete Lamo dagegen nach mehrmaliger Nachfrage, dass derartige Beweise nicht existieren. Die Chatlogs selbst, die diese Frage klären könnten, sind nur in Auszügen öffentlich; das US-Magazin Wired verfügt über die gesamten Logs, will diese aber - angeblich aus Rücksicht auf Mannings Privatsphäre - nicht in Gänze veröffentlichen. Dies sorgte für einige Kritik, zumal einige Beobachter vermuten, dass Wired-Redakteur Kevin Poulsen mit Adrian Lamo befreundet ist und daher aus Gefälligkeit zu diesem seine Berichterstattung entsprechend anpasst.

Unter Berufung auf die Washington Post erklärt CNET, die Echtheit der von Lamo beim FBI eingereichten Chatlogs sei von der US Army mittlerweile bestätigt worden. Lamos Logs würden den auf Mannings Computer gefundenen entsprechen.

Trotz seiner Behauptung, Manning verdiene eine strenge Bestrafung, sagte Lamo auch, er betrachte Manning weiterhin als einen Freund. "Ich betone, dass es mir sehr wichtig ist, was mit Bradley passiert," sagte er gegenüber CNET, "Ich sehe ihn genauso wie ich einen anderen Freund sehen würde, der etwas sehr schlimmes getan hat. Wenn einer meiner Freunde einen Mord begehen würde, wäre er immer noch mein Freund. Ich kann, wie man sagt, den Sünder lieben aber die Sünde hassen."

Lamo trifft sich in diesen Tagen mit Vertretern der Militärstaatsanwaltschaft, um seine Zeugenaussagen und seine Rolle in einer Verhandlung gegen Manning zu besprechen. Dies gilt - neben einer psychologischen Untersuchung, die kürzlich Mannings Prozessfähigkeit bescheinigte - als Indiz dafür, dass Manning schon bald der Prozess gemacht werden wird. Beobachter dürften schon mit Spannung erwarten, welche Rolle Adrian Lamo in diesem Prozess spielen wird. Seine jüngsten Äußerungen deuten jedenfalls an, dass er Manning und auch Assange schwer belasten wird.

Text-Quellen: CNET

Annika Kremer (g+) am Donnerstag, 02.06.2011 22:15 Uhr

Tags: whistleblowing adrian lamo wikileaks manning bradley manning

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16 Reaktionen zu dieser Nachricht
  • Annika_Kremer am 05.06.2011 22:58:30

    Niveauvolle Antwort, danke :T Er hat sich Lamos anvertraut, das solltest auch du verstanden haben. Da er das nicht tat, um irgendwelche Informationen oder wichtige sicherheitsrelevante Dinge zu besprechen, nehme ich einfach mal an, dass es lediglich die übliche Hacker-Pra ...

  • LCD_1 am 04.06.2011 22:18:42

    Lame bereut nichts? Na, er wird es noch bereuen. Es gibt genug fanatische Manning-Unterstützer die dafür sorgen werden dass er es bereuen wird. Nicht dass ich hier Gewalt befürworte, aber wenn einer einen anderen der Gefahr der Todesstrafe aussetzt um "ihn zu schützen", dann sollte er schnellstens z ...

  • Shodan_v2-3 am 03.06.2011 22:07:52

    In einigen Interviews argumentierte Lamo gar, er habe zu Mannings eigenem besten gehandelt und ihm womöglich schlimmere Konsequenzen erspart. Boah da hatte der Manning aber noch mal Glück. Stellt euch mal vor, was passiert wäre, wenn die Falschen ihn erwischt hätten. Die hätten ihn a ...

  • BENGANTikrist am 03.06.2011 19:21:58

    was auch sonst, das ist schließlich unpatriotisch. Darauf sollte die höchststrafe verhängt werden :rolleyes: "patriotismus, der: Entflammbarer müll, der für die fackel des ehrgeizlings bereit liegt, welcher seinen namen ins rechte licht gerückt sehen will." [/q ...

  • Dankeschön am 03.06.2011 11:52:25

    Hast du dafür jetzt auch richtige Quellen oder entspringt das nur deiner Dummheit? Niveauvolle Antwort, danke :T Er hat sich Lamos anvertraut, das solltest auch du verstanden haben. Da er das nicht tat, um irgendwelche Informationen oder wichtige sicherheitsrelevante Din ...

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