
Die Verkaufszahlen der Audio-CDs befinden sich seit Jahren auf Talfahrt. Die vermehrten Verkäufe, die online getätigt werden, können diesen Trend bei weitem nicht aufhalten. Plattenfirmen entlassen aus Kostengründen teilweise Mitarbeiter, Betreiber von Portalen wie mininova oder The Pirate Bay werden vor Gericht gestellt. Zudem gehen jeden Monat rund 10.000 Abmahnungen alleine an deutsche Filesharer raus.
Man mahnt also seine eigene Kundschaft ab. Es herrscht Orientierungslosigkeit in der Branche und auch bei den Musikern selbst. Wie konnte das passieren, wie kommt man aus diesem Dilemma wieder heraus? Zillo-Redakteur Sascha Blach sprach mit zahlreichen Personen aus der Branche, was eine ausführliche Betrachtung aus vielen verschiedenen Perspektiven ermöglicht hat. Selten wurde so offen über die Versäumnisse der Musikindustrie gesprochen. Und erstmals kommt mit gulli auch die Seite der Abgemahnten offen zur Sprache.
Labelchef Stefan Herwig äußert sich dahingehend, dass es wichtig sei, den Musikfans zu vermitteln, was ein Label alles für ihr Hobby tun kann. Eine solche Firma zu betreiben bedeutet nicht jeden Monat einfach nur Geld zu kassieren, gerade im Independent-Bereich steckt sehr viel Arbeit dahinter. Man sollte den Menschen klar machen, dass eine solche Aufgabe mit einem Fulltimejob verbunden ist, so Herwig weiter. Das Label wäre nicht nur ein Presswerk, das nur die technische Abwicklung der eigentlichen Herstellung beaufsichtigt. Wenn den Fans klar ist, wie viel Arbeit und welch Herzblut dahinter steckt, so wären sie auch eher bereit Geld dafür zu investieren. Er persönlich hat nach der Neueröffnung seines Labels Dependent Abstand von jeglichen Abmahnungen gegen Filesharer und Benutzer von Sharehostern genommen. Er will sie künftig ignorieren und sich auf seine Arbeit konzentrieren. Der in Berlin lebende britische Musiker und Songschreiber Chris Corner geht da etwas extremer vor: "Ich hasse Geld und ich hasse es, dass wir davon abhängig sind." Trotzdem ist seine Formation IAMX wie jede andere Band davon abhängig, dass man deren Platten, T-Shirts wie auch Konzertkarten kauft. Er vermisst bei vielen Musikfans den Wert, den man Musik noch vor über zehn Jahren beigemessen hat. Er sagt selbst, die Zeit der großen Plattenverträge ist vorbei, trotzdem sei diese Kunst etwas Heiliges und auch wert, dass man sie schützt.
Schlagzeuger Hans Rutten sieht in den Abmahnungen keinen Lösungsweg. Das Urheberrecht müsse weiter bestehen bleiben, die Strafen machen die Situation aber nicht besser. Wie aber geht es weiter? Mehr kleine Labels, die enger mit den Künstlern zusammenarbeiten? Labelchef Bruno Kramm von Danse Macabre schlägt vor, die Künstler in die Mitte der Bemühungen der Labels zu stellen. Oder sollte man wie im Fall von Angelika Express die Band zu einer Art Aktiengesellschaft machen, an der sich die Fans finanziell beteiligen können? Wer mehr bezahlt, entscheidet auch vermehrt über die Zukunft der Band. Ob nun durch Fans organisierte Musikgruppen, mehr Eigenverantwortung der Konsumenten, eine Vielzahl an kleinen Labels, noch mehr Abmahnungen oder regulierende Gesetze wie Three-Strikes die Zukunft der Musikbranche darstellen - das ist die bange Frage. Zumindest ist bei den Online-Shops eine deutliche Abkehr von jeglichen Kopierschutzmaßnahmen erkennbar. Es bleibt zu hoffen, dass die Hersteller bald auch auf die überaus sinnlosen Kopierschutzmaßnahmen auf CDs und DVDs verzichten werden.
Wer generell den Sinn des Copyrights, der physischen Medien oder gar die künftige Rolle der Plattenfirmen hinterfragt sehen möchte, der sollte sich diese Ausgabe der Zillo nicht entgehen lassen. Auch wenn wir an dieser Stelle keine Werbung machen möchten, die 4,40 Euro für das Heft inklusive DVD scheinen in diesem Fall bestens angelegt. (Ghandy)
News Redaktion am Mittwoch, 27.05.2009 18:36 Uhr
95% meiner bisher 150 cds kommen von independent-labels, oder sind demos direkt von den bands. und deren arbeit (die der labels sowie auch der bands) ist definitiv unterstützungswürdig. ...
Jap. Ich habe. Ich muss sagen, dass ich positiv überrascht bin. Die Musikindustrie bekommt richtig fett weg und zwar von fast allen Seiten. Es ist halt auch schon mal ganz schön Selbstkritik seitens der Musikindustrie zu lesen. Das lässt Hofnung aufkeimen, dass zumindest bei kleinen Bands oder ...
Hat denn jemand den Artikel mittlerweile gelesen? ...
Die unheilige Allianz zwischen Musikindustrie und den Konstruktoren der "neuen Demokratie" fehlt, zumindest in diesem Artikel ganz. Rechtsstaatlichkeit wird Schritt für Schritt in eine Art Rechtsklassengesellschaft gewandelt. Das halte ich für die treibende Kraft hinter allen politischen Entwicklu ...
Das Alternative-Musikmagain Zillo MusikmagaZin soll es sicher heißen!! ...
Lars Sobiraj am 20.05.2012, 16:54 Uhr
Im US-amerikanischen iTunes Store wurden statt dem Begriff "Jailbreak" lediglich Sternchen zwischen dem Anfangs- und Endbuchstaben angezeigt. Davon waren letztlich alle Kategorien betroffen. So wurden neben Apps auch Klingeltöne, Podcasts, Musikstücke, ganze Alben und eBooks zensiert angezeigt. Laut den Untersuchungen von Shoutpedia waren mehrere Monate lang 95% aller Begriffe davon betroffen.
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