
Tor
Im Verlauf der vergangenen Jahre hat offenbar jemand die Exit-Node des Mannheimers Sören Weber missbraucht, um darüber kinderpornografische Werke zu beziehen. Der Betreiber wollte damals mit seiner Node das anonyme Surfen im Internet unterstützen. Schon vor der Durchsuchung hatte er den Exit-Knoten nach Unstimmigkeiten mit seinem Hoster deaktiviert. Beim Hoster trudelten häufiger Meldungen zu Urheberrechtsvertößen ein. Wenige Monate nach Inbetriebnahme wurde der Dienst wieder abgeschaltet, weil Unmengen an Trafic entsprechende Kosten verursacht hatten. Als Schüler wäre er auf Dauer nicht dazu in der Lage gewesen, diese Kosten zu stemmen.
Der Mannheimer Datenschützer fragt sich jetzt, ob dies der Preis einer freien, weltweiten Kommunikation sei. Bei der Durchsuchung versuchte er den Beamten zu erklären, wie es zur Feststellung seiner IP-Adresse gekommen sein muss. Der Redaktion von gulli:News schrieb er: "Obwohl ich mir alle Mühe gegeben habe, Ermittlungsbehörden aufzuzeigen, dass auf dem Server ein Anonymisierungsnetzwerk läuft (unter anderem durch eine statische Webseite auf der IP und einem Reverse-DNS, der "torproxy" enthielt), werde ich nun verdächtigt für diese Taten verantwortlich zu sein." Die Polizisten nahmen zwei Computer und eine externe Festplatte mit, die nun auf den Verdacht hin untersucht werden sollen. Mit der Aussage, dass anonyme Dritte für den Rechtsbruch verantwortlich sind, hatten sich die Beamten nicht zufrieden gegeben.
Auf seinem Blog schrieb er: "Das Fachwissen der Beamten war -wie man es auch aus anderen überlieferten Fällen hörte- nur eingeschränkt vorhanden und äußerte sich in mehreren Situationen in betont seriös vorgetragenem Halbwissen. Ich beneide die Herren um Ihren Beruf nicht: vor ein paar Jahren war es schließlich noch wesentlich komplizierter, Daten vor fremden Augen zu schützen. Damals war man aus ihrer Sicht wohl gut damit beraten, einmal alle VHS-Kassetten in den Bus zu laden, heute kann sich auf kleinstem Raum die gleiche Datenmenge befinden.
Der Durchsuchung meiner Wohnung widersprach ich ausdrücklich im später angefertigten Protokoll. Der Sachbearbeiter quittierte dies mit einem fast krimi-reifen: “Das hätte ich an Ihrer Stelle nicht getan.” Der Sinn dieser Aussage war wohl, mich darauf hinzuweisen, dass ich als nicht kooperationsbereit wahrgenommen werden könnte. Und das stimmt. Das Durchsuchen und Mitnehmen meiner Privatsachen ist etwas, dem ich nicht zustimmen kann. In meiner (vielleicht naiven) Betrachtungsweise kommt die Kooperation in solchen Fällen einer Bestätigung und Anerkennung des Verfahrens gleich. In meinen Augen wäre dieses Verfahren durch ein wenig mehr Recherchearbeit bei den ermittelnden Behörden sicherlich anders ausgefallen."
Webers beauftragter Anwalt will pauschal 1.000 Euro für die Klärung des Falles in Rechnung stellen, die er kurz vor Beginn seines Studiums nicht unbedingt besitzen wird. Er hat deswegen eine Spendenaktion ins Leben gerufen. Etwas unter 300 Euro sind bisher über PayPal unter soesoe@gmail.com eingegangen. Wer spenden möchte, die reguläre Bankverbindung lautet: Sören Weber, Kontonummer: 3105814 bei der Ethikbank (BLZ 83094495).
Update:
Eben teilte uns der Mannheimer freudig mit, die gewünschte Mindesthöhe der Spenden von mindestens 1.000 Euro sind bereits bei ihm eingetroffen. Er dankt allen Personen, die ihn bei diesem Verfahren so kurzfristig unterstützt haben.
Lars Sobiraj am Mittwoch, 18.05.2011 10:35 Uhr
Hm. Man sollte wohl dem Rat der Torproject Seite folgen und vom Betrieb eines Tornodes als Privatmann absehen. Kann ich mir nicht vorstellen, dass die ihr eigenen Projekt sabotieren, indem sie solche Ratschläge geben. Es sollte außerdem ausreichend sein, wenn man ke ...
Die Technik und das Wissen und die Erfahrung der ausführbaren Organe sind vorhanden, nur die Politik kommt mit ihrer links angehauchten Schlagseite nicht in Bewegung und? es gibt seit jahrzehnten die technik, das wissen und die erfahrung, die gesamte menschheit ...
Ernsthafte Angelegenheit aber ein lächerliches Interview. Meint der echt, Polizisten mit einem richterlichen Durchsuchungsbeschluss lassen die Rechner stehen und fahren wieder ab, wenn man denen nur eine schön technisch ausgeschmückte Geschichte erzählt? Aufgrund welcher Rechtsgrundlage sollten ...
@pustewind: du bist immernoch ein salbader allererster güte.. bevor es das internet gab, wurden CDs oder disketten (yeah) auf dem schulhof getauscht.. gemobbt wurde auch ganz traditionell "offline" (in die fresse rein) und ...
Pf..1000€ Wo sind solche Dinge wie pflichtverteidiger? ich frag mich eher, wo ist die anklage? es ist ja offenbar nicht so, dass ihm der prozess gemacht wird (im gegenteil, der zuständige staatsanwalt wird den fall einstellen, wenn außer der TOR-softw ...
Lars Sobiraj am 20.05.2012, 16:54 Uhr
Im US-amerikanischen iTunes Store wurden statt dem Begriff "Jailbreak" lediglich Sternchen zwischen dem Anfangs- und Endbuchstaben angezeigt. Davon waren letztlich alle Kategorien betroffen. So wurden neben Apps auch Klingeltöne, Podcasts, Musikstücke, ganze Alben und eBooks zensiert angezeigt. Laut den Untersuchungen von Shoutpedia waren mehrere Monate lang 95% aller Begriffe davon betroffen.
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