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Wau-Holland-Stiftung veröffentlicht WikiLeaks-Spendenbericht

Wau-Holland-Stiftung (Logo)

Wau-Holland-Stiftung (Logo)

Die Wau-Holland-Stiftung, die eines der Spendenkonten für die Whistleblowing-Website WikiLeaks verwaltet, veröffentlichte kürzlich den vorläufigen Transparenzbericht für 2010 für das Projekt. Insgesamt nahm die Website im Laufe des Jahres gut 1,3 Millionen Euro an Spenden über die Wau-Holland-Stiftung ein.

Es wurde häufig gefordert: mehr Transparenz bei WikiLeaks, insbesondere in Bezug auf die Finanzen des Projekts. Zumindest für den Teil der Spenden, die über das Spendenkonto bei der deutschen Wau-Holland-Stiftung eingehen, wurde dieser Wunsch nun erfüllt: die Stiftung veröffentlichte detaillierte Statistiken über die 2010 für WikiLeaks eingegangenen Spenden. Insgesamt gingen 1.331.698 Euro auf dem Spendenkonto ein. Diese verteilten sich fast 50:50 auf PayPal und klassische Bank-Überweisungen. 

Grafische Darstellung der Ausgaben von WikiLeaks 2010 (Quelle: Wau-Holland-Stiftung)

Grafische Darstellung der Ausgaben von WikiLeaks 2010 (Quelle: Wau-Holland-Stiftung)

Ausgegeben wurden 401.825 Euro (also nur rund ein Drittel der eingenommenen Gelder). Gut 143.000 Euro wurden für Kampagnen und Aktionen ausgegeben. Zweitgrößter Posten waren Aufwandsentschädigungen mit knapp 105.000 Euro. Wer genau diese Aufwandsentschädigungen erhielt, geht aus dem Bericht nicht hervor. Es heißt lediglich: "Es wurden für einige wenige Projekt-Leiter und -Aktivisten regelmässige Aufwandsvergütungen nach Rechnungsstellung erstattet. Die Vergütungen orientieren sich jeweils an den Vergütungsstufen von Greenpeace Deutschland." Der Rest der Ausgaben entfiel auf Infrastruktur (insbesondere Server-Hardware), Reisekosten und Spesen sowie Rechtsbeistände.

Interessant ist auch die Aufschlüsselung der Spenden nach Monaten. Diese lässt sich vielfach gut mit der medialen Berichterstattung über WikiLeaks in Zusammenhang bringen. So wurden im Januar 2010 knapp 83.000 Euro über PayPal gespendet. Damals warb WikiLeaks massiv für Spenden und hatte sogar einen Großteil seiner Dokumente offline genommen, um auf die schwierige finanzielle Situation hinzuweisen. Februar und März zeigten sich mit 41.000 und 61.000 Euro schwächer. Im April wurde das Aufsehen erregende Video "Collateral Murder" veröffentlicht und WikiLeaks erhielt erstmals massive Aufmerksamkeit auch in den Mainstream-Medien. Prompt wuchsen die PayPal-Spenden in diesem Monat auf 170.000 Euro an, um dann allerdings im Mai auf den mit knapp 10.000 Euro bis dahin schwächsten Wert zu sinken. Interessanterweise wirkte sich die Veröffentlichungen der "Aghanistan War Logs" im Juli vergleichsweise wenig auf das Spendenaufkommen aus. Ein extremer Anstieg ist erst wieder im Dezember - wahrscheinlich aufgrund von "Cablegate" - zu beobachten. In diesem Monat wurden rund 103.000 Euro per PayPal gespendet. Dieser Betrag ist allerdings noch weitaus beeindruckender, als er scheint: er kam in den lediglich vier Tagen zusammen, bis PayPal das Spendenkonto am 4. Dezember sperrte mit der Begründung, WikiLeaks fördere illegale Aktivitäten. Es ist also durchaus davon auszugehen, dass im Laufe des Monats noch weitaus mehr Spenden zusammen gekommen wären. Ein erboster Tweet eines WikiLeaks-Mitarbeiters, der Bericht belege, wie sehr der Druck der US-Regierung auf Finanz- und andere Dienstleister wirtschaftlich geschadet habe, erscheint vor diesem Hintergrund durchaus einleuchtend und zutreffend.

Auch nach Ländern wurden die an WikiLeaks per PayPal getätigten Spenden aufgeschlüsselt. Am spendenbereitesten zeigten sich hier die USA, die über ein Drittel der Gesamtsumme beisteuerten. Danach folgen Deutschland (14,4%) und Großbritannien (12,3%).

Die monatliche Verteilung der Spenden per Banküberweisung ergibt ein ähnliches Bild wie bei PayPal. Allerdings fällt hier der Anstieg im Dezember deutlich größer aus; rund 400.000 Euro - also weit über die Hälfte der insgesamt knapp 700.000 per Überweisung gespendeten Euro - wurden in diesem Monat eingenommen. Fraglich ist, wie viele derjenigen, die eigentlich per PayPal spenden wollten, auf diesen alternativen Weg auswichen. Eine Aufschlüsselung nach Ländern oder Betrag ist bei den per Überweisung eingegangenen Spenden derzeit nicht verfügbar.

WikiLeaks (Logo)

WikiLeaks (Logo)

Zu beachten ist, dass dieser Transparenzbericht keine umfassende Auflistung sämtlicher an WikiLeaks eingegangener Spenden - oder sämtlicher getätigter Ausgaben - darstellt. WikiLeaks betreibt mehrere weitere Spendenkonten und nimmt zusätzlich beispielsweise über den Verkauf von Merchandising-Produkten Geld ein. Diese Einnahmen sind komplett von denen über die Wau-Holland-Stiftung getrennt und für Außenstehende nicht nachvollziehbar. Trotzdem dürfte der nun veröffentlichte Transparenzbericht für WikiLeaks-Interessierte durchaus von Interesse sein, da er einige Einblicke in die Arbeit der Organisation bietet. Allerdings ist davon auszugehen, dass auch dieser Bericht wieder Gegenstand politischer und ideologischer Diskussionen sein wird - das zeigt schon die von WikiLeaks selbst vorgebrachte Interpretation bezüglich der Sperrung des PayPal-Kontos. 

Annika Kremer (g+) am Mittwoch, 27.04.2011 13:07 Uhr

Tags: spende transparenz wau holland stiftung wikileaks

 
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