WikiLeaks (Logo)
Die französische Website "Nouvelobs.com" interviewte den angeblichen Insider per IRC. Dabei erklärte dieser, dass er im Netz kursierende Zahlen von 800 Unterstützern für übertrieben hält. WikiLeaks habe rund 20 bis 25 feste Mitarbeiter. Hinzu kämen allerdings noch Personen, die ab und zu mit kleinen Diensten wie der Übersetzung eines Dokuments oder Artikels, Hosting-Diensten oder ähnlichem aushelfen. WikiLeaks, so der Insider, habe zwar eine große Anzahl von Sympathisanten, wie beispielsweise die große Bereitschaft, die Website auf Mirror-Servern zu hosten, zeige. Diese Leute bildeten aber keine Einheit, die miteinander kommuniziere und sich an Entscheidungen beteilige.
Heftige Kritik übt der Insider an der Echtheitsprüfung der geleakten Dokumente. Es gebe "keine echte Überprüfung der Quellen". Man folge der Philosophie, praktisch alles zu veröffentlichen, unabhängig von seiner tatsächlichen Relevanz. Er selbst halte aber den weitgehenden Verzicht auf Kommentar und Recherche für äußerst problematisch. Häufig gehe es momentan nur darum, möglichst viel mediale Aufmerksamkeit zu erzeugen, statt tiefer zu recherchieren.
Über die momentane Hierarchie von WikiLeaks wisse er selbst wenig, so der Insider. Diese sei momentan nicht klar oder transparent. "Julian [Assange] ist an der Spitze. Kristinn Hrafnsson ist sein Stellvertreter und Sprecher. Jacob Appelbaum springt manchmal als stellvertretender Pressesprecher ein. Der Rest ist nichts als Spekulation." Selbst er als Mitarbeiter wisse nicht, wie die Organisation genau aufgebaut sei. Er kenne zwar viele Namen - die allerdings teilweise nur Pseudonyme seien -, wisse aber auch nicht, wie die Struktur von WikiLeaks aussehe.
Julian Assange
Der Informant ging auch darauf ein, dass WikiLeaks momentan kein neues Material akzeptiert. Die Gründe dafür seien komplex, so der anonyme Insider. Er bestätigt den Bericht des WikiLeaks-Aussteigers Daniel Domscheit-Berg, den dieser in seinem Buch "Inside WikiLeaks" veröffentlichte. Dort schrieb Domscheit-Berg, ein anderer Aussteiger - "der Architekt" - habe die Software zum Einreichen von Dokumenten komplett neu gecodet. Bei seinem Ausstieg habe er diese mitgenommen. WikiLeaks sei danach nicht in der Lage gewesen, ein alternatives System - und sei es nur das alte, das vor der Arbeit des "Architekten" in Benutzung war - in Benutzung zu nehmen, da es an Organisation und an technischem Fachpersonal fehle. Daneben nahmen Domscheit-Berg und "der Architekt" auch eine Anzahl von Geheimdokumenten mit, die zu diesem Zeitpunkt in der Submission-Software gespeichert waren. Nach Angaben Domscheit-Bergs will man diese Dokumente an WikiLeaks zurückgeben, wartet aber darauf, dass die Plattform die Sicherheit und Vertraulichkeit bei der Aufbewahrung der Dokumente garantieren kann. Das sei momentan nicht der Fall, so Domscheit-Berg. Der nun von Nouvelobs.com befragte Insider berichtet, WikiLeaks fehle es an "Zeit, Personal, aber auch an Kompetenzen" um eine neue Plattform zum Einreichen von Dokumenten auf die Beine zu stellen.
Der Insider zeigt sich generell äußerst unzufrieden mit der neuen Medienstrategie von WikiLeaks. Er berichtet, normalerweise sei es Aufgabe von WikiLeaks, geleakte Dokumente "ohne irgendeine Form der Zensur zu veröffentlichen" und "einer möglichst großen Zahl von Menschen zugänglich zu machen". WikiLeaks veröffentliche alle Dokumente, bei denen man der Ansicht sei, dass diese "eine gewisse mediale, soziale, historische oder politische Wichtigkeit haben". Zudem stelle man insbesondere bei langen Dokumenten oder umfangreichen Leaks einen zusammenfassenden Artikel ins Netz. Durch diese Praxis, so der Informant, wolle man den Zugriff auf die wichtigen Informationen "so demokratisch wie möglich" gestalten. Dies sei bei den "War Logs" und Cablegate "offensichtlich nicht der Fall", so der anonyme Insider. Hier habe WikiLeaks selbst keine journalistische Arbeit geleistet. Diese sei vielmehr den Partner-Organisationen von den "traditionellen Medien" überlassen worden. "Das ist nicht das Ziel von WikiLeaks, noch ist es in seinem Interesse," kritisiert der Insider. Nicht nur hätten die Dokumente Priorität gegenüber anderen Leaks erhalten und seien hastig veröffentlicht worden. Man habe dabei auch den traditionellen Medien, die "stets mit Trägheit und Klüngeleien mit den Mächtigen zu kämpfen haben", freie Hand gelassen. Diese hätten komplette Freiheit bei der Behandlung und Interpretation der Dokumente gehabt. "Das ist nicht unsere Gewohnheit, das ist nicht mit unseren Regeln und unseren Idealen im Einklang," urteilt der Insider.
Auch auf die Finanzierung von WikiLeaks geht der Insider ein. An sich sei WikiLeaks eine Nonprofit-Organisation und als gemeinnützig anerkannt. Man habe sich für die Finanzierung der Organisation stets auf Spenden verlassen. In letzter Zeit ändere sich dies aber. WikiLeaks, so der Informant, verkaufe Geheimdokumente an die traditionellen Medien. Die Erlöse gingen an die isländische Firma "Sunshine Press", die WikiLeaks dort gegründet habe. Die Gelder würden für die Gerichtskosten von Julian Assange und - angeblich, wie der Insider einschränkt - die Unterstützung des mutmaßlichen Whistleblowers Bradley Manning verwendet. Auch auf Nachfrage blieb der Informant bei seiner Version: "Ja, die diplomatischen Depeschen wurden unter einem Geheimhaltungsvertrag an große Medienorganisationen in eller Welt verkauft." Es sei "skandalös", dass WikiLeaks Informationen verkaufe, so der Insider. Noch schlimmer sei aber, dass man dies mit Informationen tue, die einem anderen - der Quelle - gehörten. Während Manning unter inhumanen Bedingungen in Haft sitze, weil man ihm vorwerfe, die Geheimdokumente veröffentlicht zu haben, mache WikiLeaks mit diesen Dokumenten Geld. Das sei "beschämend". Zudem habe WikiLeaks bislang nicht den vereinbarten Beitrag zu Mannings Gerichtskosten geleistet. Technisch gesehen sei der Verkauf der Dokumente durch WikiLeaks laut Statuten der Organisation nicht verboten, so der Insider. Man könne sich aber leicht vorstellen, welche Wirkung ein solches Handeln, wenn es bekannt werde, auf die Unterstützer von WikiLeaks habe.
Der Vertrag, den die Medienorganisationen mit WikiLeaks abschließen müssten, beinhalte, dass die Publikationen nicht ohne Genehmigung von WikiLeaks über bestimmte Dokumente oder mit dem Leak in Verbindung stehende Themen schreiben dürften. Dies entspricht Aussagen, die auch die Redakteure des britischen Guardian - eines ehemaligen Medienpartners von WikiLeaks - mehrfach öffentlich machten. "WikiLeaks hat totale Kontrolle über den Informationsfluss," betont der Insider. Man dürfe lediglich über lokale oder nationale Themen ohne Genehmigung von WikiLeaks schreiben. Auch darüber müsse man WikiLeaks informieren. Die Journalisten dürften die Dokumente nicht außerhalb ihrer Organisation weitergeben. Auch sei es verboten, über die Kommunikation mit WikiLeaks oder die getroffenen Abkommen öffentlich zu reden. Den Journalisten würden verschlüsselte Festplatten übergeben. Die Passwörter, durch die man Zugriff auf die darauf gespeicherten Diplomaten-Depeschen erhalte, müssten von den Journalisten bezahlt werden.
Die norwegische Zeitung Aftenposten habe, so der Informant, gratis und ohne einen Vertrag zu unterschreiben Zugriff auf die Diplomaten-Depeschen erlangt. Er glaube, dass dies auch noch einigen anderen Publikationen gelungen sei. Dies sei innerhalb von WikiLeaks, insbesondere bei Julian Assange, ein heftiger Schock gewesen. Nun tue Assange so, als sei Aftenposten ein Medienpartner, um sein Gesicht zu wahren.
Die Tatsache, dass WikiLeaks als Transparenz-Organisation selbst intransparent und geheimnistuerisch sei, halte er für sinnvoll und notwendig, so der Informant. Dies sei notwendig, um die Mitarbeiter und die Quellen zu schützen.
Redakteure der fanzösischen Zeitung "Le Monde" - eines Medienpartners von WikiLeaks - dementierten die Anschuldigungen. Man habe niemals eine Quelle für Informationen bezahlt. Auch WikiLeaks habe kein Geld für die Cablegate-Dokumente erhalten. Es gebe auch kein Geheimhaltungsabkommen. Assange und Hrafnsson nahmen zu den Vorwürfen nicht Stellung.
Der Wahrheitsgehalt der getroffenen Aussagen ist angesichts der Geheimhaltung bei WikiLeaks äußerst schwer nachzuprüfen. Dementsprechend lässt sich kaum sagen, ob es sich bei den Berichten des angeblichen Insiders um die Wahrheit oder um eine Desinformations-Kampagne gegen WikiLeaks handelt. Nur eines steht fest: sollten die Anschuldigungen zutreffen, wären sie vor dem Hintergrund der Ideale von WikiLeaks als äußerst gravierend anzusehen.
Text-Quellen: Nouvelle Observateur
Annika Kremer (g+) am Dienstag, 22.03.2011 14:04 Uhr
Aber ihr wolltet ja alle keine Rezensionen lesen. ;) Doch, ich danke dir hiermit sogar recht herzlich dafür ;) Das Thema Wikileaks hat sich eh ausgeleaked. Weite rgehts erst wenn andere Projekte stehen. Wenn es überhaupt sinnvoll und effektiv dazu kommt. Wiki ...
Staatsfeind WikiLeaks hat in meinen Augen Stärken und Schwächen. Es ist sehr gut geschrieben - bis auf einige der technischen Einzelheiten - und die "so halb drinnen und halb außerhalb"-Perspektive eines Medienpartners ist in vieler Hinsicht eine sehr interessante Ergänzung zu anderen Quellen. Man m ...
Ich fand das buch "staatsfeind wikileaks" sehr gut. während das von domscheit berg nur aus eigenen werbung und assange in die pfanne haun besteht. billiger ist das buch auch noch... und dieser insider erzählt nix neues !! kann jeder sein der eins der bücher gelesen hat ...
Was nun die Wahrheit ist wird sich vermutlich nie offenbaren. In dem Punkt zeigt sich eine generelle Schwäche von Wikileaks. Man will Quellen und Mitarbeiter schützen und agiert deshalb teilweise noch intransparenter als einige der Organisationen, über die man d ...
Lest das Buch, ist wirklich gut, derzeit für 18€ zu haben - bisschen viel aber lohnt auch! Kannst du ja mal einscannen und "leaken". :D Bleibt also nur zu hoffen das Wikileaks weiterhin etwas bewegt und sich nicht von Aussen oder Innen kap ...
Heutzutage ist die Internettelefonie neben Fest- und Mobilnetztelefonie immer gefragter. Per Internet zu kommunizieren ist nicht nur komfortabler und billiger, man ist zudem unabhängig von Tarifen, welche nur eine bestimmte Gesprächszeit günstig ermöglichen. Also wieso nicht auch Internet-Telefonie nutzen?
Lars Sobiraj am 14.05.2013, 13:52 Uhr
Der Petitionsausschuss des Deutschen Bundestags steht seit vielen Jahren den Bürgern und Gruppen für ihre Anliegen offen. Wir haben uns kürzlich mit einem der 80 Mitarbeiter des Hauses unterhalten. Da seit der Gründung nur sehr wenige Gesetzesänderungen durch Petitionen entstanden sind, wollen wir den Sinn dieser Institution hinterfragen. Dies ist vorerst der letzte Teil unserer Interview-Serie.
Lars Sobiraj am 12.05.2013, 12:51 Uhr
Wie ein 73-jährige Japaner beweist, kann man das am häufigsten benutzte Tabellenkalkulationsprogramm Microsoft Excel nicht nur für reguläre Berechnungen einsetzen. Tatsuo Horiuchi erstellt ausnahmslos seine traditionellen Gemälde mit Hilfe dieses Programms. Er arbeitet bereits seit 10 Jahren mit der Software und stellt seine Bilder in diversen Ausstellungen vor.