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Bradley Manning: Nackt wegen sarkastischer Bemerkung?

Bradley Manning

Bradley Manning

Der Strafverteidiger des mutmaßlichen Whistleblowers Bradley Manning, David Coombs, erklärt auf seinem Blog, wieso sein Mandant sich momentan jede Nacht nackt ausziehen und morgens nackt vor der Zelle antreten muss. Coombs zufolge habe Manning eine sarkastische Bemerkung über Selbstmord gemacht, die falsch interpretiert wurde und somit Anlass zu der angeblichen "Vorsichtsmaßnahme" gab.

Manning, der momentan im Militärgefängnis Quantico im US-Bundesstaat Virginia in Untersuchungshaft sitzt, muss momentan jeden Abend vor dem Schlafen sämtliche Kleidung - einschließlich der Unterwäsche - abgeben. Morgens muss er nackt vor seiner Zelle antreten und bekommt anschließend die Kleidung wieder ausgehändigt. Diese Behandlung wurde Manning in der vergangenen Woche das erste Mal zuteil (gulli:News berichtete) und soll nach Angaben der Gefängnisleitung auf unbestimmte Zeit fortgesetzt werden. Ein Sprecher der Einrichtung,  First Lieutenant Brian Villiard, hatte erklärt, es handle sich um eine Vorsichtsmaßnahme, für die es konkrete Gründe gebe. Einzelheiten könne er aber aus Rücksicht auf die Privatsphäre Mannings nicht nennen.

Coombs sprach nach eigenen Angaben sowohl mit Manning selbst als auch mit dem zuständigen Psychiater. Dadurch habe er rekonstruieren können, wie es zu dieser Entscheidung gekommen sei, so der Militäranwalt. Manning sei am 2. März mitgeteilt worden, dass der Antrag der Verteidigung, ihn in eine geringere Sicherheitsstufe einzustufen und die sogenannte "Prevention of Injury Order" (POI), unter der er momentan steht, aufzuheben, vom Kommandanten der Abteilung, Colonel Daniel J. Choike, abgelehnt worden sei. Darüber sei Manning, der bereits seit rund acht Monaten inhaftiert ist, "verständlicherweise frustriert" gewesen, berichtet Coombs. Manning habe sich anschließend erkundigt, was er tun müsse, um eine Einstufung, die ihm mehr Rechte gewährt, zu erhalten. Daraufhin sei ihm mitgeteilt worden, es gebe nichts, das er diesbezüglich tun könne, und die Gefängnisleitung würde "einfach davon ausgehen, dass er ein Risiko der Selbstverletzung darstelle". Manning habe dies mit den Worten kommentiert, die POI-Regeln seien "absurd" und habe sarkastisch hinzugefügt, wenn er sich selbst verletzen oder töten wolle, könne er dies womöglich auch mit dem elastischen Bund seiner Unterhose oder mit seinen Flip-Flops.

Diese sarkastisch gemeinte Bemerkung nahmen die zuständigen Offiziere Coombs zufolge zum Anlass, Mannings Rechte durch die erzwungene Nacktheit weiter einzuschränken mit der Begründung, er sei selbstmordgefährdet. Bei dieser Entscheidung sei kein Psychologe oder Psychiater hinzugezogen worden. Manning sei auch nicht offiziell unter "Suicide Watch" gestellt worden - womöglich deshalb, weil dazu die Zustimmung beziehungsweise Empfehlung eines Psychologen erforderlich ist, die im betreffenden Fall ja nicht vorlag. Im Gegenteil habe der zuständige Psychiater Manning ein geringes Risiko einer Selbstverletzung bescheinigt und erklärt, er brauche lediglich routinemäßige Betreuung und keine engere Überwachung. Mannings Bemerkung über Suizid durch seine Unterwäsche sei "auf keinen Fall durch eine psychische Erkrankung ausgelöst" worden. Unter POI habe der Commander trotzdem Mannings Rechte weiter einschränken können, so Coombs, da alle im Rahmen dieser Einstufung getroffenen Entscheidungen zwar die Konsultation eines Psychologen vorsehen, letztendlich aber eine Entscheidung des Kommandanten bleiben.

David Coombs

David Coombs

Coombs hält die neuen Maßnahmen für eine schwerwiegende Verletzung von Mannings Rechten. Die erzwungene Nacktheit sei nicht nur erniedrigend, sondern es werde nachts auch kalt in der Zelle. Zudem sei die getroffene Maßnahme sinnlos und unlogisch, da Manning ohnehin ständig unter Aufsicht stehe und somit kaum Gelegenheit habe, sich selbst zu verletzen. Zudem dürfe Manning tagsüber vollständig bekleidet sein, was nicht auf wirkliche Besorgnis über ein Selbstverletzung- oder Selbstmordrisiko hindeute - schließlich könne er sich ebenso gut am Tag etwas antun wie nachts. Außerdem gebe es auch Kleidung, mit der es nicht möglich sei, sich selbst zu verletzen. Sei man also trotz gegenteiliger Einschätzung des Psychiaters besorgt, dass Manning eine Selbstverletzung oder einen Suizid plane, könnte man ihm diese Art Kleidung geben.

Coombs bezeichnet die Behandlung Mannings im Militärgefängnis als "beschämend". Dies werde noch dadurch verstärkt, dass die zuständigen Offiziere sich "hinter Besorgnis um Mannings Privatsphäre verstecken". "Es gibt keine Rechtfertigung dafür, und es kann keine Rechtfertigung dafür geben, einen Gefangenen in dieser herabsetzenden und erniedrigenden Art zu behandeln." 

Text-Quellen: Army Court Martial Defense

Annika Kremer (g+) am Sonntag, 06.03.2011 13:16 Uhr

Tags: whistleblowing menschenrechte wikileaks manning bradley manning david coombs

 
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34 Reaktionen zu dieser Nachricht
  • RightRound am 08.03.2011 02:57:07

    Fixierung und Beißschutz? Habe nicht daran gedacht :D ... als ob er das aber nötig hätte ... Wenn dem so wäre, können die Manning gleich eine Windel anlegen und ihn knebeln und fesseln, damit er nicht auf's Potty muss. Damit ist auch die weitere Gefahr, er könne sic ...

  • LCD_1 am 07.03.2011 23:06:05

    ist das halt das übliche Gejammer eines Kriminellen mit schlechter Zukunftsaussicht. Wo tust Du herauslesen dass der Gefängnisdirektor über etwas jammert? Edit: Oder meinst Du den anderen Kriminellen - Obama? ...

  • Philipus II am 07.03.2011 18:32:43

    Formal könnte das durchaus korrekt sein. Inwiefern er tatsächlich selbsttötungsgefähredet ist, weis ich aber nicht. Sollten die Schilderungen des Personals zustimmen, ist das halt das übliche Gejammer eines Kriminellen mit schlechter Zukunftsaussicht. ...

  • Raubsau am 07.03.2011 00:15:40

    Oder müssen die Arme und das Gebiss als "Vorsichtsmaßnahme" auch weg? Ich bezweifle es. :D Fixierung und Beißschutz? ...

  • RightRound am 06.03.2011 22:37:12

    Ein Sprecher der Einrichtung, First Lieutenant Brian Villiard, hatte erklärt, es handle sich um eine Vorsichtsmaßnahme, für die es konkrete Gründe gebe. Einzelheiten könne er aber aus Rücksicht auf die Privatsphäre Mannings nicht nennen. Der größte Unsinn, den ich je gelesen habe. N ...

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