WikiLeaks (Logo)
Das Dokument, das mittlerweile selbst auf WikiLeaks veröffentlicht wurde, trägt den Titel "The WikiLeaks Threat" ("Die WikiLeaks-Bedrohung"). Aufgrund einiger Bezugnahmen im Inhalt lässt es sich auf Anfang Dezember 2010 datieren. Verantwortlich zeichnen für das Dokument drei "data intelligence companies" - auf den Bereich Internet und IT-Sicherheit spezialisierte Privatermittler. Konkret handelt es sich um die Unternehmen "Palantir Technologies", "HBGary Federal" und "Berico Technologies".
Bank of America (Logo)
Das Interesse der BoA an WikiLeaks ist leicht erklärbar: WikiLeaks-Sprecher Julian Assange hatte Ende November 2010 medienwirksam angekündigt, demnächst kompromittierende Interna einer bekannten US-Großbank leaken zu wollen (gulli:News berichtete). Seitdem gibt es hartnäckige Gerüchte, die BoA sei das Ziel des bevorstehenden Leaks. Davon fühlt sich die Bank offenbar bedroht - weswegen man wohl zu den im Dokument beschriebenen Mitteln griff.
Julian Assange
Anschließend folgt eine grafische Darstellung der personellen Situation von WikiLeaks. Diese ist für sich genommen durchaus interessant. Auch hier sind jedoch keine sensationellen Enthüllungen zu erwarten. Zudem sind einige der dargestellten Informationen zweifelhaft. So wird John Shipton als "bestätigter Angestellter" von WikiLeaks (also einer der fünf angeblichen Mitarbeiter des harten Kerns) bezeichnet. In der Tat war dieser wohl zum Zeitpunkt des Berichts als Domain-Inhaber der Domain "wikileaks.com" eingetragen. Wie jedoch ein Blick in Assanges Wikipedia-Artikel schnell deutlich macht, handelt es sich bei "John Shipton" um den biologischen Vater Julian Assanges. Es ist anzunehmen, dass Assange die Domain unter dessen Namen registriert hat. Bei WikiLeaks mitgearbeitet hat Shipton jedoch wohl nie. Ansonsten jedoch kennt man außer Assange keinen der festen Angestellten, wobei man sich offenbar bei den prominenten Unterstützern Jacob Appelbaum und Kristinn Hrafnsson nicht sicher ist, ob diese womöglich zum "inner circle" gehören. Somit hat man offenbar in etwa den selben Wissensstand wie die interessierte Öffentlichkeit. Ein anderer Eintrag dagegen zeugt von eher geringer Sorgfalt bei der Recherche: der ehemalige deutsche Sprecher des Projekts wird zwar korrekt als Aussteiger gelistet, aber noch unter seinem Pseudonym "Daniel Schmitt" aufgeführt. Der reale Name, Daniel Domscheit-Berg, war jedoch seit dem Ausstieg des Deutschen Ende September 2010 öffentlich bekannt.
Glenn Greenwald
Auf die Äußerungen über Greenwald folgt eine Analyse der technischen Infrastruktur von WikiLeaks. Diese ist jedoch nicht besonders interessant; es handelt sich lediglich um aus der Presse bekannte Informationen über die verwendeten Hosting-Unternehmen sowie eine mit Hilfe von Tools wie traceroute und whois erstellte Liste aktiver Server.
Von den Analysten verwendetes Foto des Eingangs zum schwedischen Rechenzentrum des Providers Bahnhof. Auch WikiLeaks hostet hier viele seiner Ressourcen.
WL wird aufgrund aktueller Geschehnisse als geschwächt und unter großem Stress stehend angesehen. Dies könne man für sich nutzen, so die Analysten. Dafür, WikiLeaks zeitnah zu analysieren und auszuforschen, bieten die Unternehmen sich und ihre angeblich umfassende Expertise in Bereichen wie Cyber-Sicherheit, der Analyse von Insider-Bedrohungen und Social Media natürlich gerne an.
Logos der beteiligten Unternehmen
Zum Abschluss gibt es (neben sehr viel Werbung für die verantwortlichen Unternehmen) noch einige Tipps, wie WikiLeaks beizukommen ist. "Die Stimmung zwischen verfeindeten Gruppen anheizen. Desinformation. Nachrichten erstellen […], um die gegnerische Organisation zu sabotieren oder zu diskreditieren. Gefälschte Dokumente einreichen und dann den Fehler öffentlich machen," heißt es dort. Daneben will man das Vertrauen der Menschen in die Infrastruktur von WikiLeaks untergraben, indem man beispielsweise Geschichten über enttarnte Informanten verbreitet. "Wenn der Prozess als nicht sicher angesehen wird, sind sie am Ende," so die Einschätzung der Analysten. Man will auch Quellen mit Hilfe von "Cyber-Angriffen auf die [technische] Infrastruktur" identifizieren. Dies, so versprechen die Ermittler, würde "das Projekt töten". Man schlägt außerdem eine Medienkampagne vor, die sich auf die "radikalen und rücksichtslosen ["reckless"] Ideen" von WikiLeaks konzentriert. Diese, so glaubt man, werde zwar "bei den Fanatikern nichts helfen". Unter den "Moderaten" könne sie aber "Besorgnis und Zweifel auslösen". Last but not least will man auch innerhalb der WikiLeaks-Unterstützer nach potentiellen Informanten suchen, indem man unter anderem Social Networks durchforstet.
Angenommen, das Dokument ist echt - wofür die eher defensive Reaktion der Beteiligten auf Nachfragen zum Thema spricht - bietet es für WikiLeaks-Sympathisanten ebenso wie für Medienvertreter Stoff zum Nachdenken. Zwar ist das vorliegende Beispiel eher dilettantischer Natur. Der offensichtliche Versuch eines namhaften Unternehmens, unliebsame Wahrheiten in dieser Form zu unterdrücken, ist jedoch trotzdem durchaus relevant. Es ist anzunehmen, dass dies in nächster Zeit noch Stoff für zahlreiche Diskussionen sein wird.
Bild-Quellen: Glenn Greenwald unter CC-BY-SA 2.5 via Wikimedia Commons
Annika Kremer (g+) am Samstag, 12.02.2011 16:12 Uhr
Ich stimme dir grundsätzlich zu, habe aber den Eindruck Wikileaks sei ein Zoo und 95% der Besucher scharen sich vor dem Andenkenshop, wo eine Massenschlägerei ausgebrochen ist :D Ich verstehe den Vergleich nicht so ganz und trotzdem erscheint er mir unglaublich p ...
Eine gesund kritische Meinung ist jedenfalls besser, als Wikileaks grundsätzlich für bare Münze zu nehmen. Ich stimme dir grundsätzlich zu, habe aber den Eindruck Wikileaks sei ein Zoo und 95% der Besucher scharen sich vor dem Andenkenshop, wo eine Massenschläge ...
Das Wettbewerbsthema ist extrem interessant. Aber ich glaube kaum, dass News-Redakteure da mitmachen können und sollten. ;) Sind bestimmt auch nicht ausgeschlossen und du bist sowieso mehr beim Thema als viele andere. Da ja 0 Fehlertoleranz herrscht, bin ich da ...
WikiLeaks ist böse, die Leaks sind Lügen und Regierungen, Banken und andere große Unternehmen würden sich niemals dazu herablassen ihre Kritiker zu diskreditieren um in der öffentlichen Meinung besser da zu stehen :beer: Eine gesund kritische Meinung ist jedenf ...
Das Wettbewerbsthema ist extrem interessant. Aber ich glaube kaum, dass News-Redakteure da mitmachen können und sollten. ;) ...
Heutzutage ist die Internettelefonie neben Fest- und Mobilnetztelefonie immer gefragter. Per Internet zu kommunizieren ist nicht nur komfortabler und billiger, man ist zudem unabhängig von Tarifen, welche nur eine bestimmte Gesprächszeit günstig ermöglichen. Also wieso nicht auch Internet-Telefonie nutzen?
Lars Sobiraj am 14.05.2013, 13:52 Uhr
Der Petitionsausschuss des Deutschen Bundestags steht seit vielen Jahren den Bürgern und Gruppen für ihre Anliegen offen. Wir haben uns kürzlich mit einem der 80 Mitarbeiter des Hauses unterhalten. Da seit der Gründung nur sehr wenige Gesetzesänderungen durch Petitionen entstanden sind, wollen wir den Sinn dieser Institution hinterfragen. Dies ist vorerst der letzte Teil unserer Interview-Serie.
Lars Sobiraj am 12.05.2013, 12:51 Uhr
Wie ein 73-jährige Japaner beweist, kann man das am häufigsten benutzte Tabellenkalkulationsprogramm Microsoft Excel nicht nur für reguläre Berechnungen einsetzen. Tatsuo Horiuchi erstellt ausnahmslos seine traditionellen Gemälde mit Hilfe dieses Programms. Er arbeitet bereits seit 10 Jahren mit der Software und stellt seine Bilder in diversen Ausstellungen vor.