Steht das Land vor einer Revolution ?
Die punktuelle Störung der Kommunikationswege oppositioneller Gruppen ist in totalitären Staaten allgemein bekannt. Während der Proteste im Iran sperrten die dortigen Machthaber den Zugang zu sozialen Netzwerken. Außerdem störte man die Handykommunikation. Dass nun ein ganzes Land nahezu komplett vom Netz genommen wurde, ist ein bis dato einmaliges Ereignis. Nachdem Ägypten die schwersten Unruhen seit der Machtergreifung Mubaraks erlebt, entschloss sich das Regime nun zu diesem Schritt. Dies ist als Zeichen der absoluten Härte zu deuten, nachdem bereits Polizisten keine Gnade mit den Demonstranten zeigten.
Die Einführung dieser totalen Informationssperre hängt augenscheinlich damit zusammen, dass viele Protestler ihre Demonstrationen mit Hilfe der modernen Kommunikationswege organisierten. So sprach man sich in sozialen Netzwerken ab, deren Sperrung bereits einige Tage zuvor stattfand und eine Reaktion seitens "Anonymous" hervor rief.
Das auf die Überprüfung des weltweiten Datennetzes spezialisierte Unternehmen Renesys bestätigte indes den zur Kenntnis genommenen Eingriff bei ägyptischen Service-Providern. Nachdem bereits Meldungen vorliegen, wonach erste Mobilfunknetze gestört sind, liegt der Verdacht nahe, dass die flächendeckende Eindämmung der Telekommunikation der nächste Schritt dieser Informationsblockade sein wird.
Zur Zeit sind weitestgehend alle ägyptischen Seiten nicht abrufbar. Selbst die Seiten staatlicher Behörden sind vom Netz genommen worden. Allerdings gibt es auch Ausnahmen. So ist die Seite der ägyptischen Börse nach wie vor erreichbar. Ebenso sind einige unabhängige ägyptische Medien aufrufbar, da ihre Server im Ausland stationiert sind. Die Journalisten stehen nun allerdings vor dem Problem, ihre Onlineangebote nicht mehr aktualisieren zu können, da sie aus Ägypten heraus keinen Zugang mehr bekommen. Nach dem heutigen Freitagsgebet ist erneut zu Demonstrationen aufgerufen worden. Laut einem Sprecher der ägyptischen Behörden werde man mit aller Härte vorgehen und jede versuchte Demonstration verhindern, notfalls mit Waffengewalt. Seit den Morgenstunden befinden sich gepanzerte Einheiten in den Straßen Kairos und riegeln strategisch wichtige Knotenpunkte ab.
Update 1 (29.01.2011, 1:10 Uhr)
Da trotz der massiven Einschüchterungsversuche, die Demonstrationen den Tag über nicht abklungen, begann die Regierung am Nachmittag damit das Militär einzusetzen. Bilder, die über den arabischen TV-Sender Al Dschasira liefen, zeigten die Parteizentrale der herrschenden Partei in Flammen. Sicherheitskräfte konnten die Demonstranten allerdings daran hindern, das Gebäude des staatlichen Fernsehens, sowie das Aussenministerium zu stürmen.
Am Abend äusserte sich erstmals ein politischer Vertreter der ägyptischen Opposition auf einer Pressekonferenz. Er forderte die Bildung einer Übergangsregierung, sowie eine Änderung der Verfassung.
Heute Nacht hielt Staatschef Mubarak eine Fernsehansprache in der er die amtierenden Regierungsmitglieder auffordert ihren Rücktritt einzureichen. Er werde sich demnach um die Bildung einer neuen Regierung kümmern. Weiterhin verteidigte er das harte Vorgehen gegen die Demonstranten und sprach davon, dass man vorsichtig sein müsse damit kein Chaos ausbreche, da dadurch keine Demokratie entstünde.
Zur Zeit sollen mindestens 13 Menschen bei den Zusammenstößen ums Leben gekommen sein. Andere Quellen sprechen von weitaus mehr Opfern.
Update 2 (29.01.2001 , 2:30 Uhr)
U.S. Präsident Barack Obama teilte auf einer Pressekonferenz mit, er habe nach Mubaraks Ansprache mit ihm telefoniert und ihn dazu aufgefordert nicht gewaltsam gegen friedliche Demonstranten vorzugehen, die Internetsperren aufzuheben und in Ägypten rasch wirtschaftliche und politische Reformen umzusetzen.
Bild-Quellen: Archiv
Text-Quellen: Süddeutsche Zeitung tagesschau
Timm Pawlik am Freitag, 28.01.2011 13:08 Uhr
Anscheinend hat es schon Vorfälle gegeben, bei denen das Militär sich auf die Seite der Demonstranten gestellt hat: http://www.youtube.com/watch?v=Vj1LX90sKos&feature=feedu ...
... jupp Cablefree ... nur ein paar Chaoten! ... lächerlich wenige Demonstranten, nicht? Dann fahr doch nach Kairo und mach eine Stadtrundfahrt! Unsere Gestalten an der Macht wollen Muba an dieser belassen, denn er ist ein guter Vertragspartner! ... außerdem benötigen sie ihn als Bösen Kerl für div ...
Keine Internet, kein Handy, kein Telefon... Das ist doch Meinungsfreiheit pur :T Und Du glaubst ernsthaft wenn die hiesige Demokratie kurz vor dem Sturz steht, dass die Regierung nicht die gleichen Methoden anwenden würde? Wenn sogar die USA dies schon für den Notfal ...
Also kein schnelles Ende. Mubarak ist verdammt gut. Erst hat er aus Tunesien gelernt und zügig das Internet und Handynetz abgeschaltet. Die Börse ist weiterhin am Netz, allerdings kann er die Kommunikationswege aus ökonomischen Gründen nicht ewig verschlossen halten. Dann hat er El-Baradei schnell ...
Ich will ja eure Unterhaltung ungern stören, aber: Update: Heut Nacht hat Mubarak eine TV-Ansprache gehalten und ein kurzes Statement gibt es von Obama auch. [URL="http://www.gulli.com/news/eskalation-in-gypten-weite-teile-des-landes-offline-2011-01-2 ...
Heutzutage ist die Internettelefonie neben Fest- und Mobilnetztelefonie immer gefragter. Per Internet zu kommunizieren ist nicht nur komfortabler und billiger, man ist zudem unabhängig von Tarifen, welche nur eine bestimmte Gesprächszeit günstig ermöglichen. Also wieso nicht auch Internet-Telefonie nutzen?
Sener Dincer am 14.06.2013, 11:47 Uhr
Bezugnehmend auf die anhaltende Protestbewegung gegen Ministerpräsident Erdogan hat nun auch der StudiVZ-Gründer Ehssan Dariani seine Ansichten offenbart. Via Facebook-Mitteilung teilt er mit, dass möglicherweise die Zeit für einen bewaffneten Kampf gegen die türkische Regierung gekommen sei – und zwar „Stauffenberg-like“.