
WikiLeaks (Logo)
WikiLeaks veröffentlichte bisher nur rund 2000 der insgesamt über 250.000 geleakten Depeschen. Lediglich privilegierte Medienpartner erhielten vorab Zugriff auf das gesamte Archiv. Aftenposten steht nicht auf der Liste dieser Medienpartner. Kürzlich berichtete man allerdings, man sei in den Besitz des kompletten Archivs gelangt und analysiere dieses nun (gulli:News berichtete). Nun veröffentlichte man einen "Scoop", der auf bisher unveröffentlichten Cables basiert und auch bei den Medienpartnern bisher nicht auftauchte. Dabei geht es ausgerechnet um ein deutsches Projekt: ein Satelliten-System mit dem Namen "High-Resolution Optical System (HiROS)". Dieses soll Überwachungsbilder in bisher unerreichter Qualität liefern.
Die HiROS-Satelliten sind derzeit in der Entwicklungsphase und werden, wie Aftenposten in ihrem Artikel zum Thema schreibt, "die Möglichkeiten zur totalen Bildüberwachung jedes Ortes auf der Erde revolutionieren". Mit den HiROS-Satelliten sollen beliebige Orte der Erde fotografiert werden können. Auf den Fotos sind Strukturen von nur 50 cm Größe zu erkennen. Dabei sollen drei bis fünf Mal am Tag frische Bilder von einem Ort gemacht werden können. Die Bilder können bereits nach zwei bis fünf Minuten abgerufen und genutzt werden. Bei heutigen Systemen dauert dies oft Stunden. Mit Hilfe der neuen Technologie der HiROS-Satelliten soll es zudem deutlich einfacher werden, dreidimensionale Farbbilder zu erstellen. Daneben sollen die Satelliten auch Infrarot-Bilder machen können, die Fotos bei Nacht und die Überwachung unterirdischer Aktivitäten ermöglichen. Nach Angaben des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) will man durch die neuen Satelliten eine sinnvolle Ergänzung zu vorhandenen deutschen Radar-Systemen machen. Das geht aus einem der Cables - die von Aftenposten zeitgleich zum Artikel online gestellt wurden - hervor. Die Daten der beiden Überwachungssysteme sollen zusammengefasst und in "Beinahe-Echtzeit" ausgewertet werden.
Aftenposten schreibt, die Satelliten könnten mit ihren umfassenden technischen Möglichkeiten "politische Entscheidungen, die […] den Weltfrieden berühren, beeinflussen". So könnten beispielsweise die militärischen Kapazitäten anderer Länder, aber auch Projekte wie das iranische Atomprogramm genau überwacht werden.
BND (Logo)
Dementsprechend ist Frankreich - ebenso wie einige andere EU-Länder - über den deutschen Alleingang nicht begeistert. Das Projekt gefährde die EU-weite Kooperation bei militärischen Satelliten, eines der wichtigsten sicherheitspolitischen Projekte der EU. Dementsprechend ist das deutsche Außenministerium eher skeptisch, was das HiROS-Projekt angeht. Fest steht wohl, dass das Projekt eine engere Zusammenarbeit zwischen Deutschland und den USA - auf Kosten der EU - signalisiert.
Laut einem Cable zum Thema hat die deutsche Regierung allerdings Bedenken bezüglich des Projekts. Zwar sei man sehr an einer Zusammenarbeit mit den USA beim HiROS interessiert. Es bestünden aber gleichzeitig Bedenken bezüglich rechtlicher Probleme im Bereich des geistigen Eigentums, bedingt durch den Austausch sensibler Technologien mit den USA, heißt es in dem Cable der US-Botschaft in Berlin. Trotzdem, so DLR-Sprecherin Dr. Cornelia Riess, sei man gerade angesichts der neuen US-Regierung unter Barack Obama sehr motiviert, sich an dem Projekt zu beteiligen. Man sehe dieses als "exzellente potentielle Möglichkeit für zukünftige bilaterale Kooperation" mit der US-Regierung und US-Technologieunternehmen.
Die dem Bericht zugrunde liegenden Depeschen datieren auf den Zeitraum zwischen Februar 2009 und Februar 2010. Der letzte dort festgehaltene Stand ist, dass Bundeskanzlerin Angela Merkel die genaue Finanzierung und Auftragsvergabe klären sollte. Auftragnehmer waren offenbar bereits ausgewählt. Die Firma OHB-System sollte die Satelliten bauen und Astrium-Friedrichshafen für die Nutzlast sorgen. Die Kameras sollten von der Kayser-Threde GmbH geliefert werden, während das DLR die nötigen Instrumente entwickeln soll. Von US-Seite werden sich die Firmen Lockheed-Martin und DigitalGlobe an dem Projekt beteiligen.
HiROS, so heißt es in einem Cable des Botschafts-Mitarbeiters John M. Koenig, sei für Deutschland ein "sinnvoller Schritt" sowohl in Bezug auf die nationale Sicherheit als auch auf "damit zusammenhängende geschäftliche Gelegenheiten". Zudem, so ein anderes Cable, hoffe man auf eine Intensivierung der geheimdienstlichen Beziehungen.
Die Satelliten sollen planmäßig zwischen 2012 und 2013 fertiggestellt werden. Das Projekt wird insgesamt rund 200 Millionen Euro kosten.
DLR (Logo)
Annika Kremer am Montag, 03.01.2011 23:54 Uhr
Oder machst du deine Webcam an wenn du deine Freundin flachlegst? Es sieht ja kein anderer Mensch, außer ich. Das findest du ja nicht weiter schlimm wenns nur eine Abteilung sieht, dann ist ein Mensch ja noch weniger schlimm.. Wahrscheinlich nicht, aber er hätte woh ...
Was macht der Spiegel eigentlich mit den cables? Klopapier?!.. nö, die brauchen bloß länger und veröffentlichen wohl nicht soviel wie andere medien. ...
Muss mich dem Lob mal anschließen. Schöner Artikel und leider erfährt man sowas nur hier (bzw. in Norwegen). :T Was macht der Spiegel eigentlich mit den cables? Klopapier?!.. ...
Das gesamte Aufklärungssatellitenprogramm kostete den deutschen Steuerzahler über zehn Jahre ca. 50 Millionen Euro. Eine einzige Autobahnbrücke kostet mehr. Super! Und weil es Sachen gibt die locker mal mehr kosten müssen wir das Geld rauswerfen das z.B. ...
... Übrigens scheint das Satellitensystem spionagetechnisch eher ein Witz zu sein. Über diese 3D-Vermessung wurde unlängst im TV berichtet. :D Übrigens eine immens lukrative Unternehmu ...
Lars Sobiraj am 20.05.2012, 16:54 Uhr
Im US-amerikanischen iTunes Store wurden statt dem Begriff "Jailbreak" lediglich Sternchen zwischen dem Anfangs- und Endbuchstaben angezeigt. Davon waren letztlich alle Kategorien betroffen. So wurden neben Apps auch Klingeltöne, Podcasts, Musikstücke, ganze Alben und eBooks zensiert angezeigt. Laut den Untersuchungen von Shoutpedia waren mehrere Monate lang 95% aller Begriffe davon betroffen.
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