Gulli:Glosse (Logo)
Der Jahreswechsel ist bekanntlich auch die Zeit guter Vorsätze. Zumindest bei den meisten Leuten. Andere dagegen nutzen diese Zeit, um ihre zuvor gefassten guten Vorsätze wieder zu brechen. Ein gutes Beispiel dafür ist US-Präsident Barack Obama. Dieser hatte sich eigentlich vorgenommen, das Gefangenenlager Guantanamo Bay - seit Jahren Dauersieger in der Kategorie "beliebtester Folterknast eines angeblich fortschrittlichen Landes" bei der Amnesty-Preisvergabe - dichtzumachen. Damit wird es aber erstmal nichts. Und zwar nicht, weil man das Lager dringend für weitere arme Schweine pakistanische Teenager Terroristen braucht - dafür gibt es ja genug andere gastliche Orte, die mangels medialer Aufmerksamkeit auch weniger schlecht für das Image sind - sondern weil sich die Schließung des Lagers als schwieriger als zunächst angenommen herausstellt. Auf einmal stellt man fest, dass man eine Menge Gefangene hat und nicht weiß, wohin damit, vor allem angesichts der Tatsache, was sie so alles über die gastfreundliche Behandlung durch die "Freien und Tapferen" erzählen könnten. Dumm gelaufen. Wir haben hier die übliche Arbeitsteilung der USA in den letzten Jahren: Bush richtet eine menschenrechtswidrige Sauerei an und Obama verkündet erst vollmundig, alles besser machen zu wollen, hat dann aber nach erfolgtem Wahlsieg weder die Fähigkeiten noch sonderlich Lust dazu. Es gibt ja auch nun wirklich dringendere Probleme, beispielsweise, sich endlich eine Anklage gegen Julian Assange aus den Fingern zu saugen. Gut unterrichteten Quellen zufolge steht die US-Regierung derzeit in Verhandlungen mit Dan Brown, Tom Clancy und Roland Emmerich, um endlich ein passendes Szenario zusammenzubekommen, das eine Strafverfolgung des Australiers erlaubt. Die Chatlogs zwischen Assange und Manning werden den US-Behörden dabei allerdings eher nicht helfen. Das sagt zumindest das Wired-Magazin, das auf den Original-Logs sitzt wie Smaug der Drache auf seinem Hort. Angeblich will man damit unter anderem die Privatsphäre von Bradley Manning schützen. Dagegen wäre nichts einzuwenden, wenn nicht gleichzeitig Adrian Lamo - seit seiner plötzlichen Entdeckung eines brennenden Interesses an der nationalen Sicherheit der vermutlich unbeliebteste Ex-Hacker der Netzgemeinde - monatelang durch die Medien geistern und immer abenteuerlichere Behauptungen über den Inhalt der Chatlogs aufstellen würde, die teilweise schon den Verdacht nahelegen, dass auch hier die Herren Brown und Clancy nicht ganz unbeteiligt waren. Wired reagierte nun zumindest teilweise auf die Forderung, zu diesen Behauptungen Stellung zu nehmen, und verwies Lamos Behauptungen einer weitergehenden Kooperation zwischen Assange und Manning ins Reich der Spionageromane. Das einzige Problem ist, dass da momentan auch unsere ganze Realität hinzugehören scheint…
Szenenfoto aus dem Serienklassiker Raumpatrouille - neben dem Bügeleisen haben die Protagonisten jetzt auch böse Cyberwaffen im Arsenal
Weitere kuriose Schlagzeile der letzten sieben Tage: World of Warcraft kann man jetzt auch mit dem Bewegungserkennungs-System Kinect zocken. Das Sportprogramm einiger Klischee-WoWler dürfte das problemlos verzwanzigfachen. Allerdings dürften beliebte Disziplinen wie "70-Stunden-Dauerleveln" oder "im Raid schnell eine Pizza essen" mit Kinect schnell an physikalische Grenzen stoßen. Richtig böse würde es allerdings erst, wenn Kinect zusätzlich zu den Bewegungen gleich auch noch das komplette Bild des Spielers ins Game übertragen würde. Nicht nur, dass dann der Paket- oder Pizzabote zukünftig häufiger Frauen in Kettenbikinis und Männer mit angeklebten Elfenohren an der Tür antreffen würde - auch Jan Hegenbergs unsäglicher Song "Fette Elfe" würde für einige Nerds eine ganz neue Bedeutung gewinnen.
Nach wie vor Streit gibt es in der deutschen Regierung über die Vorratsdatenspeicherung. Brauchen wir die, oder eher nicht? Die Antworten auf diese Frage reichen von "unbedingt" über "erstmal die Meinungsumfrage abwarten", "mal schauen, welche Seite besser zahlt" und "keine Ahnung, ich konnte die Internetseite dazu nicht lesen, weil mein Drucker kaputt war" bis hin zu "wie einen Kühlschrank am Südpol". Ein vernünftiger Vorschlag wäre ja, einfach mal die Zeit zwischen März 2010 und heute statistisch auszuwerten. Dann würde man ja sehen, ob wir ohne VDS alle in Gewalt und Terror ersticken, die von der Polizei nicht aufgeklärt werden können, ob wir in einem Paradies angstfreier Kommunikation leben, oder ob die Wahrheit irgendwo dazwischen liegt. Aber gerade weil dieser Vorschlag einfach und logisch ist, wird ihn in der Politik niemand umsetzen. Wenn Politiker immer das täten, was der gesunde Menschenverstand sagt, würden wir ja am Ende merken, dass sie auch nicht wesentlich klüger sind als wir und nicht auf jede Frage eine geniale und unstrittige Antwort haben. Das wäre dann in etwa gleichbedeutend mit dem Untergang des Abendlandes. Da lieber noch zwei Jahre über die Vorratsdatenspeicherung streiten. Aber psst, ich verrate euch mal was: je länger die streiten, desto länger wird nicht gespeichert. Aus Datenschutz-Sicht ist das also das Beste, was uns passieren kann. Aber nicht der CDU sagen.
Feuerwerk zum Jahreswechsel
Bild-Quellen: Rudolf Mittelmann unter CC-BY-NC-SA ANDRÉ KARWATH UNTER CC-BY-SA VIA WIKIMEDIA COMMONS
Annika Kremer (g+) am Sonntag, 02.01.2010 20:02 Uhr
Wie immer sehr gut. ...
:D Gelegentlich tu ich das schonmal. ...
... schreibst du auch beruflich Artikel? Die sind Wirklich gut. :beer: :D " Steine zu verkaufen ! " ...
@ Jackspears Obama bestätigt nur einen alten Trend in Amerika: ist der Präsident Republikaner ist er im Ausland unbeliebt und das in der Regel auch zurecht. Bei einem Demokraten wird zwar genausoviel Scheiße gebaut aber denen glaubt man als Europäer eher das es nur ein missgeschick war. Liegt wahr ...
Danke Annika,:T erfrischender Start ins neue Jahr. Über Obama brauchen wir uns zum Ende des Jahres nicht mehr auslassen. Der Mensch Obama ist eine politische Marionette geworden, wie so viele vor ihm auch. Was unsere Regierung angeht, ich glaube die Wissen auf die Fragen was das Volk betrifft keine ...
Heutzutage ist die Internettelefonie neben Fest- und Mobilnetztelefonie immer gefragter. Per Internet zu kommunizieren ist nicht nur komfortabler und billiger, man ist zudem unabhängig von Tarifen, welche nur eine bestimmte Gesprächszeit günstig ermöglichen. Also wieso nicht auch Internet-Telefonie nutzen?
Lars Sobiraj am 12.05.2013, 12:51 Uhr
Wie ein 73-jährige Japaner beweist, kann man das am häufigsten benutzte Tabellenkalkulationsprogramm Microsoft Excel nicht nur für reguläre Berechnungen einsetzen. Tatsuo Horiuchi erstellt ausnahmslos seine traditionellen Gemälde mit Hilfe dieses Programms. Er arbeitet bereits seit 10 Jahren mit der Software und stellt seine Bilder in diversen Ausstellungen vor.