
Bradley Manning
Kürzlich veröffentlichte der Journalist Glenn Greenwald einen Bericht, dem zufolge Manning unter inhumanen Bedingungen - unter anderem in weitgehender Einzelhaft - festgehalten wird (gulli:News berichtete). Das Pentagon bestritt diese Darstellung. Trotzdem wurden Mannings Unterstützer aktiv. Sogar eine Beschwerde bei der UN, der derzeit nachgegangen wird, wurde eingelegt (gulli:News berichtete).
Nun gibt es erstmals von Manning selbst - wenn auch nur indirekt, weitergegeben über seinen Vertrauten David House, der Manning mehrfach in der Haft besuchte - eine Aussage zu diesem Thema. House besuchte Manning zuletzt in der vergangenen Woche - mitten während der Diskussion um die Einzelheiten von dessen Untersuchungshaft - in Quantico. "Während meines Besuches […] wurde es klar, dass der öffentliche Spin des Pentagon von letzter Woche in scharfem Gegensatz zur Realität von Bradley Mannings Haft steht," berichtet House. Er habe während der letzten Monate beobachten können, dass sich Mannings körperlicher und seelischer Zustand deutlich verschlechtert habe. House - wie auch Mannings Anwalt David Coombs - fordert, dass die sogenannte "Prevention of Injury"-Order (POI) aufgehoben wird. Diese schränkt Mannings "Möglichkeit, Sport zu treiben, zu kommunizieren und zu schlafen" nach Angaben von House erheblich ein. House berichtet, es liege ein psychologisches Gutachten vor, dem zufolge die Anordnung unnötig sei. Trotzdem werde sie nicht aufgehoben. Normalerweise, so House, würde diese Regelung bei Gefangenen angewendet, die gerade verlegt worden seien und deren mentalen Zustand man daher nicht einschätzen könne. Nach einer Untersuchung durch den Gefängnis-Psychologen würde die Regelung, wenn keine ernsthaften psychischen Probleme vorliegen, aufgehoben. Ein Gefangener unter POI-Order unterliegt weitaus strengeren Einschränkungen als jemand, der zwar wie Manning in die höchste Sicherheitsstufe eingestuft ist, aber keiner POI-Order unterliegt.
House, der neben Coombs der einzige regelmäßige Besucher von Manning ist, berichtet, bei seinen Gesprächen mit Manning seien "Marines und Überwachungstechnik" im Raum. Er unterhalte sich mit Manning meist über eher akademische Themen wie Physik, Informatik und Philosophie. Fragen über sein Wohlergehen weiche Manning oft aus. Am 18. Dezember, dem Tag von House' letztem Besuch, sei dies allerdings anders gewesen. Er habe sich mit Manning rund eineinhalb Stunden über dessen Haftbedingungen unterhalten und dabei viel Neues in Erfahrung bringen können.
So berichtete Manning, die Behauptungen der Gefängnisleitung und des Pentagon, dass er Nachrichten im Fernsehen schauen dürfe, seien unzutreffend. Er dürfe zwar eine Stunde am Tag fernsehen, internationale Nachrichten seien aber nicht erlaubt. Lokale Nachrichten seien zwar theoretisch erlaubt, würden aber während der Zeit, in der Manning typischerweise Zugang zum Fernseher erhält, in der Region nicht ausgestrahlt. Zeitungen, so Manning, habe er während seiner Inhaftierung niemals lesen dürfen.
Behauptungen eines Pentagon-Sprechers, er dürfe bei gutem Wetter jeden Tag nach draußen, wies Manning ebenfalls zurück. Er habe das Gebäude bereits vier Wochen lang nicht mehr verlassen dürfen. Schon zuvor sei er nur selten und unregelmäßig nach draußen gelassen worden.
Manning erklärte, er dürfe keinen Sport treiben. Weder dürfe er in seiner Zelle sportliche Übungen durchführen noch gebe es eine andere Form der sportlichen Betätigung. Die einzige Bewegung, die Manning erlaubt wird, ist nach dessen eigenen Angaben, in einem geschlossenen Raum bis zu einer Stunde lang herumzugehen. Eine Bemerkung Mannings legt nahe, dass er dabei Ketten trägt - House ist sich jedoch nicht sicher, dies richtig verstanden zu haben.
Das Manning zur Verfügung gestellte Bettzeug - aus einem unzerstörbaren Material, um zu vermeiden, dass es für selbstmörderische Absichten genutzt wird - ist nach Angaben des Gefangenen äußerst steif und hart. Durch die raue Textur könne man sich außerdem, wenn man sich nachts zu heftig bewegt, daran verbrennen. Dies werde noch durch die Tatsache begünstigt, dass Manning laut POI-Order nur mit seinen Boxershorts bekleidet schlafen muss. Zudem sei es in Mannings Zelle nachts unangenehm hell. Dies könnte von der Tatsache herrühren, dass laut POI-Order die bewachenden Marines per visueller Inspektion sicherstellen müssen, dass Manning kein gefährliches Verhalten zeigt. House zeigt sich besorgt, dass Manning durch diese störenden Einflüsse nachts sehr häufig wach wird. Dies könnte erhebliche Folgen für dessen körperliche und geistige Gesundheit haben.
House kommt zu dem Schluss, dass Mannings eigene Berichte in allen Punkten in deutlichem Widerspruch zu den offiziellen Erklärungen des Pentagon stehen. Manning habe seit seiner Inhaftierung weder eine Gefahr für sich selbst noch für andere Menschen dargestellt. Trotzdem würden ihm selbst grundlegende Bedürfnisse nicht erfüllt. "Im Laufe meiner Besuche […] wurde es zunehmend klar, dass sie strengen, inhumanen Bedingungen seiner Gefangenschaft Manning zusetzen. Die außergewöhnlichen Einschränkungen von Bradley grundlegenden Rechten auf Schlaf, sportliche Betätigung und Kommunikation […] sind unnötig und sollten schnellstmöglich aufgehoben werden," so House.
Text-Quellen: myFDL
Annika Kremer am Freitag, 24.12.2010 02:50 Uhr
Ich sehe keinen Beweis dafür, dass er gefoltert wurde. Zwischen dem, was landläufig für Folter gehalten wird, und Folter im Sinne der Konventionen ist ein deutlicher Unterschied. ... Schlafentzug wird nicht bewusst herbeigeführt, sondern ergibt sich teilweise aus dem ...
Ach, und den psychischen Zustand, der den Berichten von Mannings Unterstützern zufolge bei Bradley immer schlechter wird, kann man sich je nach Lust und Laune quasi per Schieberegler einstellen oder was? Klar. Und da ist das Problem: Seine Unterstützer sagen ...
Du musst das im Kontext sehen. Wenn du das monatelang hast, und sonst nichts, um dich abzulenken, würde dich das auch fertigmachen. Ich habe auch schon kalt, hart und sonstwie (oder gar nicht) geschlafen, ohne dass es mir groß was ausgemacht hätte. Aber das ist ein bisschen was anderes, als monat ...
Das Manning zur Verfügung gestellte Bettzeug - aus einem unzerstörbaren Material, um zu vermeiden, dass es für selbstmörderische Absichten genutzt wird - ist nach Angaben des Gefangenen äußerst steif und hart.Mir kommen die Tränen. ...
Früher rebellierten Leute gegen den König um das zu erhalten, was man als 'Habeas Corpus Act' kennt. Heute geht nicht mal jemand für so etwas gegen den selbstgewählten Präsident vor. Aber okay, es betrifft ja auch nur die wenigsten Bürger... ...
Lars Sobiraj am 20.05.2012, 16:54 Uhr
Im US-amerikanischen iTunes Store wurden statt dem Begriff "Jailbreak" lediglich Sternchen zwischen dem Anfangs- und Endbuchstaben angezeigt. Davon waren letztlich alle Kategorien betroffen. So wurden neben Apps auch Klingeltöne, Podcasts, Musikstücke, ganze Alben und eBooks zensiert angezeigt. Laut den Untersuchungen von Shoutpedia waren mehrere Monate lang 95% aller Begriffe davon betroffen.
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