
Flughafen München. Foto von digital cat - CC-BY/2.0
Auf dem Global Media Day schlug Bisigani vor, eine Sortierung von Flugreisenden vorzunehmen. Zunächst sollen die Passagiere mit Hilfe von biometrischen Merkmalen wie ihren Fingerabdrücke oder digitalen Gesichtsbilder identifiziert werden. Auf Basis dieser Informationen findet ein Abgleich mit den Buchungsdaten der Fluggesellschaften statt. Im nächsten Schritt werden alle Reisenden in drei Kategorien eingeteilt: bekannte Flugreisende, normale Flugreisende und potentielle Gefährder.
Je nach Risikoeinschätzung sollen die Passagiere dann in drei unterschiedlichen "Tunneln" übergeprüft werden. Die Sicherheitskontrolle unterscheidet sich dabei erheblich. Mitglieder der Kategorie „bekannte Reisende“, wahrscheinlich werden dies vor allem berufliche Vielflieger sein, werden nur einer eher oberflächlichen Kontrolle unterzogen. Glücklich dürfen diejenigen sein, die noch den „normalen Reisenden“ zugeordnet werden. Die „potentiellen Gefährder“ hingegen dürfen dann besonders harte Kontrollen und Befragungen über sich ergehen lassen. Manche Fluggäste werden zwar auf diese Weise ganz ohne nerviges Ausziehen zu ihrem Flieger gelangen, die Gefahr der Diskriminierung ist aber sehr hoch.
Die Internationale Flug-Transport-Vereinigung (IATA) möchte damit eine schnellere Abfertigung der Businesskunden gewährleisten. Die Manager könnten folglich am schnellsten durch die Schleusen. Und während die Urlaubsflieger beim Check selbst kaum einen Unterschied bemerken, könnte ein zusätzlicher Aufenthalt im Mittleren Osten ausreichen, um besonders scharf unter die Lupe genommen zu werden. Ein weiteres Problem am Verfahren sind die Kriterien. Warum wie einsortiert wird ist nämlich völlig undurchschaubar. Da reguläre Passiere aber nicht mehr ausschließen könnten, dass sie vielleicht der dritten Kategorie zugeordnet werden, müssten sie deutlich früher im Flughafen sein, um im Fall einer intensiven Kontrolle ihren Flug nicht zu verpassen. Dem Spiegel sagte ein IATA-Sprecher, dass man die Regierungen drängen würde, sich auf diesen Vorschlag einzulassen. Seit Bekanntwerden der PR-trächtigen jemenitischen Druckerpatronen-Bombe wurden die Sicherheitskontrollen allerorts stark verschärft. Dieser Plan der IATA soll nun helfen, die Frustration der Reisenden zu reduzieren.
Der Bundesbeauftragte für den Datenschutz und die Informationsfreiheit Peter Schaar kann dem Vorstoß wenig Gutes abgewinnen. In seinem BfDI-Forum schrieb er: „Zunächst einmal sehe ich es kritisch, alle Reisenden einem umfassenden Datenabgleich zu unterziehen („electronic data pre-screening“). Damit werden Daten, die für völlig andere Zwecke erhoben worden sind (etwa Kreditkartennummer, Alter, Wohnort und Geburtsdatum und –ort, Reiserouten, frühere Flugreisen), für eine Risikobewertung verwendet. Vermutlich werden bei dem Abgleich auch zusätzliche Daten staatlicher Stellen, etwa No-Flight-Lists und andere Daten der Sicherheitsbehörden einbezogen. Die zusätzlichen Verhaltenskontrollen auf Basis von individuellen Interviews dar (“advanced behavior detection through intelligent questioning of passengers based on information”) wären weiterere schwerwiegende Eingriffe in das Persönlichkeitsrecht. Nach dem IATA-Modell würden nicht nur die Flugpassagiere nach Übersee umfassend durchleuchtet, sondern nach US-Vorbild sämtliche Flugreisende – auch bei Inlandsflügen. Zudem würde dieser Datenabgleich kombiniert mit einem System individueller Ausforschung, wie es heute in Israel praktiziert wird.
Ferner hätte ein derartiges System erhebliche diskriminierende Effekte: Wer will schon in der Öffentlichkeit in den Kontrollbereich der "potentiellen Gefährder" einsortiert werden, zumal das Verfahren der Sortierung weit gehend intransparent sein wird? So wurden bei der Ein- und Ausreise nach bzw. aus Israel etliche Teilnehmerinnen und Teilnehmer der diesjährigen Internationalen Datenschutzkonferenz in Jerusalem als „Risikoreisende“ eingestuft und mussten sich äußerst intensivenKontrollen und Befragungen unterziehen, die von manchen Betroffenen als äußerst unangenehm und weit gehend beschrieben worden.
Schließlich ist anzumerken, dass auch ein solches dreifaches Sicherheitssystem (Datenabgleich, Interviews, physische Kontrolle) unterlaufen werden könnte. Da es im Hinblick auf die Gesamteffektivität nur Sinn macht, wenn die Vielreisenden nicht oder nur wenig kontrolliert werden, würden sich Terroristen bemühen, in genau diese Kategorie eingeordnet zu werden. Wenn ihnen dies gelänge, hätten sie es vermutlich leichter als bisher, gefährliche Gegenstände oder Waffen an Bord zu schmuggeln.
Vor diesem Hintergrund halte ich den IATA-Vorschlag für ziemlich fragwürdig. Seine Verwirklichung wäre nichts anderes als eine weitere Drehung der Sicherheitsschraube zulasten der Persönlichkeitsrechte.“
Bild-Quellen: www.flickr.com de.wikipedia.org
Lars Sobiraj am Freitag, 17.12.2010 17:17 Uhr
"Alle Touristen müssten deutlich früher anreisen." Das gleiche wollte ich schon schreiben, hätte gar nicht gemerkt das das Touristen heißen soll :o (War zu sehr mit lachen beschäftigt). ...
Made my Day!:beer: ...
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Sehr geehrte Fluggäste, sollten Sie ein gesetzestreuer und höriger Bürger sein und auf den Flug J1H4D1337 warten so nehmen Sie bitte Gate A. Sind sie ein politischer Gefährder nehmen Sie bitte Gate B. Sind sie dagegen ein Terrorist dann ist Gate C das ihrer Wahl." ...
Ob sich die Idee jemals durchsetzen lässt? Denn einen Terroristen erkennt man nicht so einfach, wenn er nicht gerade eine Waffe oder eine Bombe bei sich trägt. Deshalb geht es ja auch nicht gegen echte Terroristen sondern gegen "Gefährder", die es durch so entsetzli ...
Lars Sobiraj am 20.05.2012, 16:54 Uhr
Im US-amerikanischen iTunes Store wurden statt dem Begriff "Jailbreak" lediglich Sternchen zwischen dem Anfangs- und Endbuchstaben angezeigt. Davon waren letztlich alle Kategorien betroffen. So wurden neben Apps auch Klingeltöne, Podcasts, Musikstücke, ganze Alben und eBooks zensiert angezeigt. Laut den Untersuchungen von Shoutpedia waren mehrere Monate lang 95% aller Begriffe davon betroffen.
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