
Die jüngste Generation dürfte Napster in seiner Urform wohl nur aus Berichten kennen, unsere älteren Leser sind vielleicht sogar noch in den Genuss der Musiktausch-Plattform gekommen.
Zehn Jahre wird die Katze mit den Kopfhörern nun und hat dabei nicht nur großartige Zeiten erlebt, sondern auch harte Kämpfe mit Rechteinhabern. Nach so langer Zeit bietet Napster nun einen unglaublich großen Musikkatalog, der sogar eine Musikflatrate beinhaltet. Leider ist DRM nach wie vor an Bord, doch vielleicht ändert sich auch dies irgendwann. Die ehemalige Chief Executive Officer (CEO) der Recording Industry Association of America (RIAA), Hillary Rosen, hat den Verband durch die Ära des Aufkeimens von Napster und darüber hinaus begleitet. Ihre Gedanken dazu wurden kürzlich in einem Interview bekannt. Sie beginnt damit zu erklären, dass Napster bei der Musikindustrie dazu geführt hätte, dass man einige "harte Entscheidungen" treffen musste, aufgrund des Bedürfnisses das digitale Angebot auszubauen und eine bessere Kooperation mit der Technologieindustrie zu bewerkstelligen, um eine gewisse Interoperabilität zu gewährleisten. Viel wichtiger sei jedoch gewesen, so Rosen, dass "der Konsument das erste Mal überhaupt zur Diskussion stand."
"Wie aus dem Nichts hörten Plattenfirmen plötzlich etwas von den Fans in einer Art und Weise, die es nie zuvor gegeben hatte. Der Kunde war für die Plattenfirmen lange Jahre die Radiostationen oder Plattenläden. Plötzlich waren sie es selbst die in Kontakt mit den Fans standen", erklärte Rosen. Die Musikindustrie sei der hauptsächliche Auslöser für die Technologieindustrie gewesen, um "rund um Online-Musik zu erfinden und zu entdecken." Viele argumentierten damals, dass man Napster hätte unterstützen sollen und einen Abo-Dienst hätte entwickeln können, noch bevor dezentrale P2P-Tauschbörsen wie KaZaA an den Start gingen und diese Möglichkeiten quasi zunichte machten. Hillary Rosen stellte klar, dass sie damals ebenfalls dafür gewesen sei, aber viele andere Gruppen der Musikindustrie waren dagegen, aus Furcht, sie könnten keine angemessenen Gebühren erhalten.
"Ich wurde zitiert, als ich sagte, dass die Plattenfirmen den Sprung ins kalte Wasser hätten wagen sollen und einen Deal [mit Napster] hätten schließen sollen. Ich war zur damaligen Zeit davon überzeugt. Es ist mehrfach dokumentiert, dass ich privat darauf gedrängt habe. Aber es wäre eben der Sprung ins kalte Wasser gewesen und die Leute müssen das erst einmal verstehen. Die Künstler waren dagegen. Die Labels waren dagegen. Niemand wusste, wie er da bezahlt werden sollte. Napster hatte versprochen von einem kostenlosen Dienst zu einem bezahlten Dienst zu werden. Als dieses Versprechen kam, war P2P bereits weit verbreitet neben dem Napster-System. Es wurde also wesentlich komplizierter herauszufinden, wie man ein System so userfreundlich wie Napster entwickeln sollte, das jedoch auf bezahlter Basis fungiert und mit P2P konkurrieren kann. Es gab 100 Gründe es nicht zu tun, und nur einen oder zwei es zu riskieren. Diese ein oder zwei Gründe waren auf lange Sicht erfolgsversprechender aber eine größere und härtere Entscheidung. Es lief darauf hinaus, dass die Zeit bereits um war, als man eine Lösung entwickelt hatte", beschrieb Rosen die Entwicklung damals.
Auch auf das Urteil gegen The Pirate Bay nahm sie Bezug und beschrieb es als "traurige Ironie", dass die Musikindustrie ein ähnliches Urteil wie vor einem Jahrzehnt gegen Napster erwirkt hatte, jedoch nach wie vor "unfähig [war] die Piraterie zu beenden."
"Für viele Jahre habe ich mich darüber geärgert, dass die Industrie die Öffentlichkeit mit Kampagnen besser über die Wertigkeit von Musik unterrichten muss. Dass es da draußen nicht genug Gefühl für den Wert von Musik gab, dass es eine Bedeutung hatte. Die Plattenfirmen selbst waren nicht darauf ausgelegt, wie Firmen zu agieren, sie waren gegenüber der Öffentlichkeit nicht vorzeigbar." Nach Ansicht von Rosen müssen sich Künstler und Plattenfirmen nach wie vor zusammentun, um zu überleben und eine gesamte musikalische Erfahrung darzustellen. Dabei lehnt sie sich insbesondere daran an, dass Einnahmen von Konzerttickets und Merchandising ebenfalls anders aufgeteilt werden.
"Künstler brauchen nach wie vor Partner. Es gibt keinen Grund, wieso das nicht Plattenfirmen sein sollten."
Am beeindruckendsten sind jedoch ihre Schlussworte, in denen sie den zehnten Geburtstag von Napster als den "Tag an dem die Fans die Kontrolle ergriffen" reflektiert. "Die Industrie war bis zu diesem Tag auf ihrem hohen Ross." (Firebird77)
(via zeropaid, thx!)
(Bild via mtv, thx!)
News Redaktion am Donnerstag, 04.06.2009 16:05 Uhr
In einigen Jahren, wenn es der Industrie noch schlechter geht und Milliadenbürgschaften beim Steuerzahler Staat beantragen, wird man wohl das selbe sagen, nur wird dann nicht die Rede von Napster sein, sondern von der Kulturflaterate. Die Industrie ist noch ...
Gerade durch die sture, egoistische Haltung der Industrie gab es so viel Zustimmung zur Piraterie. ...
Ich fands interessant solche Worte von einer ehemals wichtigen Person der RIAA zu hören. Eigentlich sehr treffend. Wer weiß wie sich alles entwickelt hätte, wenn man vor 10 Jahren sofort mit einem guten Angebot bei Napster eingestiegen wäre. Man hatte nur ein oder zwei Gründe, die dafür sprach ...
In einigen Jahren, wenn es der Industrie noch schlechter geht und Milliadenbürgschaften beim Steuerzahler Staat beantragen, wird man wohl das selbe sagen, nur wird dann nicht die Rede von Napster sein, sondern von der Kulturflaterate. Die Industrie ist noch lange nicht von ihrem h ...
schöne worte und das von jemanden, der mal zu RIAA gehört hat. schade, dass sie sich nicht durchsetzen konnte. ...
Lars Sobiraj am 20.05.2012, 16:54 Uhr
Im US-amerikanischen iTunes Store wurden statt dem Begriff "Jailbreak" lediglich Sternchen zwischen dem Anfangs- und Endbuchstaben angezeigt. Davon waren letztlich alle Kategorien betroffen. So wurden neben Apps auch Klingeltöne, Podcasts, Musikstücke, ganze Alben und eBooks zensiert angezeigt. Laut den Untersuchungen von Shoutpedia waren mehrere Monate lang 95% aller Begriffe davon betroffen.
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