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Bund Deutscher Kriminalbeamter: Netzaffine Ermittler gesucht

Das Internet wird, neben seinen zahlreichen positiven Aspekten, auch immer mehr zum Schauplatz krimineller Handlungen. Der Bund Deutscher Kriminalbeamter (BDK) fordert daher mehr "netzaffine" Ermittler, die sich auch im Internet professionell bewegen können.

Der BDK-Vorsitzende Klaus Jansen gab zu diesem Thema am Morgen des heutigen Donnerstages, anlässlich der heute beginnenden Frühjahrstagung der Länder-Innenminister, ein Interview mit dem Deutschlandradio. Darin erklärt er, wofür genau er die neuen, netzaffinen Ermittler einsetzen würde und wieso er diese für so wichtig hält.

Jansen kritisiert in dem Interview vor allem, dass die Strafverfolgung IT-basierter Verbrechen "regelmäßig an der nationalen Landesgrenze endet". Die internationale Kooperation gestalte sich oft noch sehr schwierig und langsam. So hätten es Kriminelle im Internet leicht: "Das heißt, wir haben eigentlich gar keine Chance, an den Täter heranzukommen. Das, was für den Bürger wirklich eine gute Möglichkeit ist, sich anders und neu zu informieren, ist für Kriminelle fast ein Selbstbedienungsladen," schlussfolgert er.

Dementsprechend sei es für die Täter auch leicht, Spuren zu verwischen. Für die Bürger sei dies eine äußerst unerfreuliche Situation, so Jansen: "Als Bürger bin ich aber der Meinung, dass ich darauf vertrauen muss, dass der Staat, dass die Polizei mir da helfen kann, wenn ich in Notsituationen bin, wenn ich geschädigt werde. Und das ist eindeutig so nicht der Fall."

Zudem ist Jansen der Ansicht, dass sich im Internet auch neuartige kriminelle Verhaltensweisen, wie die Belästigung Minderjähriger in Chatrooms, Identitätsdiebstahl und Betrugsdelikte massiv ausbreiten. "Also ich glaube, da kommt was auf uns zu, und wir sollten uns da sehr darauf vorbereiten," ist er überzeugt.

Zudem sieht Jansen auch die Gefahr, dass das Internet von Terrorgruppen genutzt wird. Dabei diene das Netz nicht nur zur Koordination der Terroristen untereinander, sondern auch zur Rekrutierung neuer Freiwilliger: "Ja, also es ist so, dass natürlich die Kommunikationsmöglichkeit, über Grenzen an Polizei, an Grenzkontrollen vorbei sich miteinander auszutauschen, auch genutzt wird gerade in dem Feld. Also wir sprechen beim Internet auch von einer Universität des Terrors. Zunehmend können Sie gezielte Handlungsanweisen, Trainingsanweisungen, wie Sie sich vorbereiten müssen, um einen Terroranschlag zu begehen, nicht nur jetzt in arabischen Sprachen, sondern - ganz, ganz schwierig - in den Sprachen, die für Deutschland wichtig sind [finden]. Also zunächst für unsere türkische junge Gemeinde in Deutsch werden diese Botschaften herausgebracht mit Bildern, fantastisch unterlegt, wie so ein Werbespot bei MTV, auch die Kraft der Bilder geht in die Köpfe von Jugendlichen. Ja, und wir gucken zu, denn wir haben dort keine Möglichkeit einzugreifen, und das halte ich für fatal."

Daher, so Jansen, brauche man "einen neuen Typ Kriminalbeamten", der sich mit Computern und dem Internet bestens auskennt und in diesem Bereich kompetent ermitteln kann, "eine Kriminalpolizei 2.0 analog zu Web 2.0". Dabei gebe es jedoch viele offene Fragen: "Das ist auch eine rechtliche Frage, ob Sie als Kriminalbeamter in dieser Scheinwelt mit verdeckten oder mit falschen Namen unterwegs sein können, ob Sie Scheinkäufe von Kinderpornografie durchführen, ob Sie mit Kinderpornografie handeln können." Diese Fragen wurden nach Jansens Ansicht von der Politik bisher nicht ausreichend behandelt.

Insgesamt sieht Jansen eine große Herausforderung auf die Polizei zukommen: "Wir haben dort einen Phänomenbereich, der zusätzlich zur Arbeit, die wir bisher leisten, auf uns zukommt. Wir brauchen also zusätzliches Personal, was in der Lage ist, sich im Internet so zu verhalten, wie es die Jugendlichen, wie es die Straftäter tun. Wir brauchen internetaffin, nennt man das, Ermittler, die auch in der Lage sind, international rechtliche Voraussetzungen entsprechend zu kennen, unterschiedliche Sprachen vielleicht kennen. Diese Internetsprache, wie junge Menschen untereinander reden, ist ja durchaus unterschiedlich von der in der realen Welt. All das ist eine Herausforderung. Diese Bestandsaufnahme, die müssen wir dringend zusätzlich machen, weil der Bürger ansonsten auf eigene Gefahr im Internet unterwegs ist. Denn Polizei ist dort nicht präsent." (Annika Kremer)

News Redaktion am Donnerstag, 04.06.2009 16:19 Uhr

tagsTags: internet polizei cybercrime bdk jansen ermittlung terrorismus

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9 Reaktionen zu dieser Nachricht
  • MrDraco am 05.06.2009 11:32:12

    ROFLMAO (Wo muss ich mich bewerben?:p ) ...

  • kleini75 am 05.06.2009 08:31:18

    Naja, er wünscht sich halt Rückhalt und für ihn und die Polizei klare Regeln. Wenn er die nicht hat, muss er sich an die Politiker wenden. Nur die können das gesetzlich regeln. ...

  • Ironwhistle am 04.06.2009 22:59:46

    Neue Überschrift: Gesetzesaffine Polizisten gesucht Dabei gebe es jedoch viele offene Fragen: "Das ist auch eine rechtliche Frage, ob Sie als Kriminalbeamter in dieser Scheinwelt mit verdeckten oder mit falschen Namen unterwegs sein können, ob Sie S ...

  • Teletubbies am 04.06.2009 19:59:31

    "Diese Internetsprache, wie junge Menschen untereinander reden, ist ja durchaus unterschiedlich von der in der realen Welt." O rly? Internet als Universität des Terrors. Da wird also kommuniziert - an Polizei und Grenzkontrollen vorbei. Da kann man nur noch sprachlos sein angesichts ...

  • Konne am 04.06.2009 19:52:52

    Wie man sieht ist der "Generationskonflikt" (bzgl. Umgang und Verständnis neuer Medien) auch bei den Cops angekommen :T ...

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