
Brasilien (Flagge)
Angestoßen von der TV-Sendung "60 Minutes" des bekannten US-TV-Senders CBS News hatten nach dem Stromausfall - der je nach Region zwischen 20 Minuten und sechs Stunden dauerte - zahlreiche Menschen Spekulationen angestellt, ob Brasilien womöglich Opfer eines Cyber-Angriffs wurde (gulli:News berichtete). Angriffe auf die kritische Infrastrukturen, insbesondere das Stromnetz, gehören zu den häufig diskutierten Szenarien staatlicher wie krimineller Cyber-Angriffe. Dementsprechend lag für einige Experten die Vermutung auf der Hand, dass es sich in Brasilien um einen derartigen Angriff gehandelt haben könnte. Teilweise, so ist in dem Telegramm zu lesen, sei sogar spekuliert worden, US-Unternehmen hätten einen Angriff durchgeführt, um "besseren kommerziellen Zugriff" zum brasilianischen Stromnetz zu bekommen.
In diesem Fall allerdings waren die Spekulationen offenbar unbegründet. Das geht aus der Nachricht der US-Botschaft in Brasilien hervor. Wie Cherie Jackson, zu diesem Zeitpunkt Charge d'affaires in der Botschaft - berichtete, wurden die US-Offiziellen offenbar von Managern und Technikern des ONS, der brasilianischen Energieversorgungs-Behörde, umfassend über die Hintergründe informiert. In Brasilien steht die Stromversorgung unter enger staatlicher Aufsicht und unterliegt äußerst strengen Sicherheitsvorschriften - ein erster Hinweis darauf, dass ein Cyber-Angriff als eher unwahrscheinlich anzusehen ist. Jose Coimbra, Stabschef des brasilianischen Energieministers, teilte dem Botschafter offenbar mit, dass es für einen Eindringling tödlich sei, das Stromnetz in einer derartigen Art und Weise zu stören. Dementsprechend hätten "Ermittler […] physische Beweise gefunden, einschließlich der Leiche des Eindringlings." Zudem seien nach Angaben Coimbras derartige Vorfälle auch durch technische Mittel leicht zurückverfolgbar, was auch jedem potentiellen Eindringling bekannt sei.
Zum Ausfall geführt habe vielmehr eine äußerst unglückliche Verkettung verschiedener Umstände und schlechtes Timing, so das Untersuchungsergebnis der brasilianischen Behörden. So seien frühere Ausfälle derselben Hauptleitung mit nur sehr wenigen negativen Folgen durch Umleitung des Stroms und Nutzung anderer Kraftwerke umgangen worden. Im November 2009 allerdings seien nach starken Regenfällen die Wasserkraftwerke im Süden des Landes mit hoher Leistung am Netz gewesen und man habe von dort Strom in die Region von Sao Paolo umgeleitet. Die sekundären Thermalkraftwerke seien nicht am Netz gewesen. Bei bisherigen Stromausfällen sei die Situation komplett anders gewesen. Internationale Standards sehen vor, dass ein Stromversorgungs-System auch dann verfügbar bleiben muss, wenn eine Hauptleitung ausfällt. In Brasilien, so die Behörden, sei das System zum Zeitpunkt des Ausfalls sogar darauf ausgelegt gewesen, den Ausfall von zwei solcher Leitungen zu verkraften. Bei dem Vorfall wurden aber alle drei nach Sao Paolo führenden Leitungen gekappt. Zudem seien die durch mehrere Kurzschlüsse verursachten Ausfälle binnen Millisekunden hintereinander geschehen, so dass kein System die Reaktivierungszeit von zehn Sekunden erreichte, sondern durch Notabschaltungen weitere Systeme außer Gefecht Gesetzt wurden. Wilkens Geraldes Filho, beim ONS zuständig für statistische Analyse, bezeichnete die Umstände als "die schlimmste mögliche Kombination von Faktoren, die zu einem Kaskaden-Effekt führte".
Statt einem Cyber-Angriff waren also offenbar ganz banale technische Probleme und Pech für den großflächigen Stromausfall verantwortlich. Das jedoch hinderte die USA offenbar nicht daran, ihre "Cyberwar"-Agenda weiter voranzutreiben. Wie Jackson schreibt, biete der Vorfall für die USA eine gute Gelegenheit, die Zusammenarbeit bei der Absicherung kritischer Infrastrukturen voranzutreiben. Diese Gelegenheit solle die US-Politik nutzen. Man solle betonen, dass "obwohl dieser Vorfall nicht das Resultat eines Angriffs auf das System zu sein scheint, ein derartiger Vorfall möglich ist, und dass das unterzeichnen dieses Abkommens [eines Cybersicherheits-Kooperationsabkommens mit den USA, d. Red.] Kooperation erlauben, würde, wenn ein solcher Angriff geschehen würde". Brasilien sei womöglich offen auch für eine weitergehende Zusammenarbeit in diesem Bereich, so Jackson. Insbesondere im Hinblick auf die Fußball-Weltmeisterschaft 2014 und die Olympischen Spiele 2016 seien die Brasilianer an einem Ausbau und einer besseren Absicherung ihrer technischen Infrastruktur interessiert.
Die Nachricht, die eine von knapp 700 bisher veröffentlichten diplomatischen Nachrichten darstellt, ging unter anderem an das Heimatschutz-Ministerium, das Energieministerium und das Finanzministerium der USA. Es ist bisher noch unklar, ob und in welchem Umfang man dem Vorschlag der Botschafts-Mitarbeiterin Folge leistete - unwahrscheinlich ist dies jedenfalls angesichts des sonstigen Vorgehens der USA in diesem Bereich nicht.
Annika Kremer am Samstag, 04.12.2010 19:27 Uhr
Nein, kein UFO ! Die habe ich längst alle abgeschossen. :rolleyes: Was fehlt in dem Artikel ist die Aussage, daß in diesem Werk und diesen Fall ein Hackerangriff so nicht hätte funktionieren können, weil auch ein akkustischer Befehl nötig gewesen wäre. Es wäre aber so ziemlich jedem Mitarbei ...
Da hätten wir doch schon wie von Assange versprochen den ersten Bezug zu UFOs, ohne, dass er überhaupt benannt wird. ;-) Gerade bei Stromausfällen wurden (besonders in Südamerika) zigarrenförmige Objekte beobachtet: The “cigar-shaped UFO” (as it is known to specialists) crossed the ...
Nach dem großflächigen Stromausfall in Brasilien im November 2009 wurde vielfach spekuliert, die Probleme seien durch einen Cyber-Angriff ausgelöst worden. Diese Vermutung trifft aber offenbar nicht zu. Das geht aus einem als geheim eingestuften diplomatischen Telegramm hervor, das von WikiLeaks ...
Lars Sobiraj am 20.05.2012, 16:54 Uhr
Im US-amerikanischen iTunes Store wurden statt dem Begriff "Jailbreak" lediglich Sternchen zwischen dem Anfangs- und Endbuchstaben angezeigt. Davon waren letztlich alle Kategorien betroffen. So wurden neben Apps auch Klingeltöne, Podcasts, Musikstücke, ganze Alben und eBooks zensiert angezeigt. Laut den Untersuchungen von Shoutpedia waren mehrere Monate lang 95% aller Begriffe davon betroffen.
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