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Militärethiker fordert Genfer Konvention für den Cyberkrieg

Die Genfer Konvention soll ein Mindestmaß an Menschenrechten bei bewaffneten Konflikten gewährleisten. Der Militärethiker Randall R. Dipert, Philosophieprofessor an der University of Buffalo, fordert nun ein ähnliches Regelwerk auch für den Cyberkrieg. Dort, so warnt er, gebe es bisher keinerlei verbindliche Regeln.

Cyberangriffe auf sogenannte kritische Infrastrukturen wie das Strom- und Kommunikationsnetz oder den Finanzmarkt werden derzeit vielfach öffentlich und in Expertenkreisen diskutiert. Viele Länder versuchen, sich auf derartige Attacken einzustellen oder auch selbst offensive Kapazitäten aufzubauen. Dabei, so warnt Dipert nun, fehlt es aber an verbindlichen ethischen Regeln. "Im Gegensatz zu konventioneller Kriegsführung gibt es für den Cyberkrieg nichts, was nur im Entferntesten einer Genfer Konvention gleichkommt", erklärt er. Dennoch wird international fleißig aufgerüstet. "Ich würde sagen, wir sind mit einem langen Kalten Cyberkrieg konfrontiert", meint daher der Philosoph.

Dabei, so erklärt Dipert, könnten Cyber-Angriffe auch außerhalb des virtuellen Raumes ernstzunehmende Schäden anrichten. "Die willentliche Zerstörung oder Beeinträchtigung von Daten oder Algorithmen sowie Denial-of-Service-Angriffe könnte gewaltigen Schaden an Menschen, Maschinen, künstlichen Systemen oder der Umwelt anrichten", warnt er. Dabei bestehe unter anderem die Gefahr, dass wichtige zivile Systeme langfristig beeinträchtigt werden, beispielsweise in Krankenhäusern. Doch es existieren, im Gegensatz zu "konventionellen" Angriffen gegen derartige Einrichtungen, keinerlei Regeln gegen solche Attacken.

Während der technische, rechtliche und politische Aspekt der Cyber-Kriegführung bereits sehr stark in der öffentlichen Diskussion präsent ist, findet der moralische Aspekt bisher oft wenig Beachtung. Das, so fordert Dipert, müsse sich nun ändern. Er betont, dass das Phänomen des Cyberkriegs längst Realität ist und ortet einen Kalten Cyberkrieg. "Dieser wird durch begrenzte, aber häufige Schäden an Informationssystemen charakterisiert, während Nationen, Konzerne und andere Parteien die Waffen testen und sich auf eine Art Gleichgewicht hinbewegen."

Konkrete Vorschläge, wie derartige Regeln aussehen könnten, nannte Dipert nicht. Ebenso wenig nahm er auf die Durchsetzbarkeit derartiger Regelwerke Bezug. Diese könnte sich als schwierig erweisen in einem Medium, in dem die Urheber eines Angriffs sehr oft im Dunkeln bleiben und neben Nationalstaaten auch zahlreiche andere Gruppen mit annähernd vergleichbaren Mitteln operieren. Nichtsdestotrotz jedoch dürften einige Sicherheitsexperten Diperts Denkanstoß durchaus interessant finden. 

Text-Quellen: Pressetext

Annika Kremer am Montag, 18.10.2010 23:09 Uhr

tagsTags: genfer konvention ethik hackerethik

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12 Reaktionen zu dieser Nachricht
  • Hasron am 19.10.2010 15:35:33

    Man könnte ja auch mal wahnwitzigerweise versuchen nicht jedes kleine Fitzelchen Infrastruktur ans Netz zu hängen, damit mal nicht jeder Hobbyhacker da drauf Zugriff kriegen könnte. Ähm...genau... *tätschel* alles wird gut.... Ansonsten /sign an Juuichi ...

  • lalelu0815 am 19.10.2010 13:27:23

    Das Terrorgespenst zieht nach 9 Jahren drauf herumreiten nicht mehr, also musste was neues her. Mir geht das so auf den sack. ACK! Ich hoffe, dann werden auch endlich virtuelle Konzentrationslager geächtet. Im echten Leben gibt es die ja zum Glück nicht mehr :rol ...

  • ctvirus am 19.10.2010 13:23:52

    ...und alles was bisher nur annäherend auf eine attacke hingewiesen hat, ist dieses dämliche Stuxnet. das sitmmt so nicht, da gab es noch einige andere merkwürdige dinge wie zb. dieses ...

  • Isschonwech am 19.10.2010 12:48:52

    son mist. also keine geiseln mehr erschießen bei counter strike :confused: ...

  • Juuichi am 19.10.2010 08:30:56

    Cold Cyberwar? Das wird ja immer schöner :m) Wann sterben diese waffenrasselnden fossile aus dem ECHTEN kalten krieg endlich aus? Dieses dämliche Cyberwar geblubber ist doch nur die neuste form von pseudobegründung für allen möglichen überwachungs- und zensurmüll. Das Terrorgespenst zieht na ...

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