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IT-Sicherheitsexperten: GCHQ-Warnungen "übertrieben"

GCHQ (Logo)

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Die Mitarbeiter namhafter IT-Sicherheitsfirmen sehen die kürzlich vom Government Communications Headquarter (GCHQ) veröffentlichten Warnungen über die Bedrohung durch Cyber-Angriffe mit Skepsis. Sie vermuten, dass damit primär die erheblichen Ausgaben für neue Sicherheitsmaßnahmen gerechtfertigt werden sollen.

Der GCHQ-Vorsitzende Iain Lobban hatte am vergangenen Dienstag noch einmal ausdrücklich vor der "realen und überzeugenden" Bedrohung durch Online-Kriminalität, Spionage und gezielte Cyber-Angriffe gewarnt (gulli:News berichtete). Er betonte, die wirtschaftliche Zukunft des Landes hänge unter anderem von einer Verbesserung der IT-Sicherheit ab. 

Diese Meinung ist jedoch offenbar nicht unstrittig. Das britische IT-Newsportal The Register sprach mit mehreren Sicherheitsexperten aus der freien Wirtschaft. Diese deuteten an, dass sie Lobbans Aussagen für übertrieben halten. Ihm wird sogar unterstellt, dass er mit diesen Äußerungen eine Strategie verfolgt: angeblich will er sicherstellen, dass die Finanzierung des GCHQ nicht allzu knapp ausfällt. Dies, so die befragten Sicherheitsexperten, würde auch das Timing von Lobbans Äußerungen erklären: In Kürze soll die Regierung den Finanzbericht des letzten Jahres vorlegen. Womöglich flossen dabei erhebliche Summen zum GCHQ, was Lobban nun zu rechtfertigen versucht. The Register vermutet, dass in den nächsten drei Jahren insgesamt über eine Milliarde britische Pfund - über 1,1 Milliarden Euro - für die britische Cyber-Sicherheit ausgegeben werden soll. Darunter ist auch ein Programm zur Entwicklung offensiver Kapazitäten, bei dem das GCHQ eine erhebliche Rolle spielen dürfte.

Alles Panikmache also? Dieser Ansicht ist unter anderem Sean Sullivan vom international bekannten Sicherheitssoftware-Hersteller F-Secure. "Iain Lobbans Kommentare scheinen strategisch getimed zu sein, um die Finanzierung des GCHQ in Anbetracht der bevorstehenden Veröffentlichung des Comprehensive Spending Review am 20. Oktober zu schützen. Man könnte sogar argumentieren, sie seien übertrieben, da die Sorte Angriffe oder Würmer, auf die er Bezug nimmt, sehr verbreitet sind und das schon seit einer Weile sind. Sie werden von allen möglichen verschiedenen Organisationen, die keine sinnvolle Sicherheitsstrategie haben und umsetzen, beobachtet - nicht nur von Regierungsbehörden", kommentierte Sullivan. Lobban hatte unter Anderem von tausenden Malware-Mails berichtet, die den Behörden in den digitalen Briefkasten geflattert seien. 

Ähnlicher Ansicht ist auch Rik Ferguson, Sicherheitsberater beim Unternehmen Trend Micro. Er betonte, es sei wichtig, das "Grundrauschen" gewöhnlicher - und oftmals wenig anspruchsvoll vorgehender - Online-Kriminalität bei derartigen Berichten zu ignorieren. Man müsse Scans und ähnliche Aktivitäten, die von Schädlingen wie Conficker ausgingen, von wirklich gezielten Attacken unterscheiden. "Man muss ein Urteil treffen und sich durch das Zeug arbeiten, das wie ein Angriff aussieht, um sich auf das Zeug zu konzentrieren, das auch wirklich ein Angriff ist," erklärte er.

Es scheint also so, als seien bei Weitem nicht alle Experten in der Frage der "nationalen IT-Sicherheit" mit der Regierung einer Meinung. Dass dies jedoch einen Unterschied machen wird, wenn es um die Umsetzung kostspieliger "Cyberwar-Pläne" geht, darf bezweifelt werden. 

Annika Kremer am Freitag, 15.10.2010 15:50 Uhr

tagsTags: gchq trend micro f-secure

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