
RIAA
Nun, machen wir uns nichts vor. Der BVMI ist nichts anderes als die PR-Agentur der Großunternehmer der Branche. Den Damen und Herren leuchten derzeit keine Dollarnoten, sondern vor allem unzählige Zangen in den Augen. Auf ihrer Netzhaut ist nicht Platz genug für all die Scheren, die sie sich eiligst herbeisehnen. Natürlich ist die Vorfreude auf das Durchtrennen der Internetleitungen deswegen so groß, weil man hofft, danach wieder das große Geld verdienen zu können. Weswegen wohl auch sonst? Mit welcher Begründung die Trennung auch immer durchgeführt werden soll die Gesetzgeber werden der Entwicklung der Technik immer hinterher hinken. Das liegt in der Natur der Sache.
BVMI-Chef Prof. Dieter Gorny bekundet seine Vorfreude mit den Worten: „Das ist ein klares Signal aus Straßburg - auch an die nationalen Gesetzgeber -, endlich pragmatische Lösungen gegen die illegale Nutzung von Musik, Filmen, Büchern, Games oder Software zu entwickeln und umzusetzen.“ Die Abstimmung mit 328 zu 245 Stimmen ist aber bei weitem nicht so eindeutig, wie der BVMI das Ergebnis gerne in der Öffentlichkeit darstellen würde.
Solange die Quellen im Graubereich sprudeln, würde dies die Erforschung innovativer Angebote behindern und Arbeitsplätze kosten, kommentiert man die Gründe für den seit vielen Jahren eingeforderten Schutz der Kreativwirtschaft. Wenn schon der Wettbewerb behindert wird, und ihnen noch immer niemand von der politischen Riege zuhören möchte, dann kommt spätestens das senilste aller Totschlagargumente zum Einsatz: die Bedrohung von Arbeitsplätzen.
Das bringt auch die im April veröffentlichte TERA-Studie zum Ausdruck. Tera Consultants hatte errechnet, dass die illegale Nutzung urheberrechtlich geschützter Inhalte im Internet alleine in Deutschland im Jahr 2008 bei Produktion und Vertrieb von Spielfilmen, TV-Serien, Musik und Software einen Schaden von 1,2 Milliarden Euro verursacht haben soll. Rund 34.000 Arbeitsplätze seien deswegen hierzulande vernichtet worden. Für alle 27 EU-Staaten zusammen rechnete man 10 Milliarden Euro und 186.000 verlorene Jobs hoch. Sehr viel spekulativer fällt aber die Prognose aus, sobald die etwas weiter entfernte Zukunft beschrieben wird. Auf EU-Ebene sollen aufgrund der Urheberrechtsverletzungen bis in fünf Jahren 56 Milliarden Euro Schäden entstanden und 1,2 Millionen Arbeitsplätze zerstört worden sein. Innerhalb von fünf Jahren ändert sich aber derartig viel; die Studie als ungenau oder nur spekulativ zu bezeichnen, ist noch untertrieben. Imaginär, mit Hilfe einer Glaskugel vielleicht? Aufgrund von aktuellen Zahlen frei erfunden trifft es besser.
Musikindustrie
Un meine verwaiste Gebetsmühle nicht einrosten zu lassen: Nach den Ursachen der gigantischen Schäden, die schon jetzt durch den illegalen Vertrieb von Werken entstanden sind, wird wie üblich nicht gefragt. Das liege wohl alles in der Hand der bösen Raubmordkopierer, die quasi in Horden über die nicht mehr schützbaren Musikstücke hergefallen sind. Dass wir mittlerweile eine Generation von Jugendlichen haben, die gar nicht mehr wissen, was das Urheberrecht in der Praxis bedeutet, steht außer Frage. Die heutigen Kids kommen mit dem Thema nur dann in Berührung, wenn ihre Eltern oder die Eltern anderer Filesharer eine Abmahnung wegen eines P2P-Transfers kassiert haben. Und dann wird’s für die Betroffenen richtig teuer.
Face the facts: Professor Gorny wird für die Durchführung von Lobbyarbeit bezahlt. Und wir dafür, die Augen aufzuhalten und nicht an Gedächtnisschwäche zu leiden. In dem Sinne wünschen wir weiterhin guten Hunger und denkt bitte daran:
Wohl bekomm's!
Bild-Quellen: negatyve.deviantart.com blitzgraphics.deviantart.com
Lars Sobiraj am Donnerstag, 23.09.2010 18:45 Uhr
da spende ich lieber an nen künstler der gute musik macht und sie unter cc lizens veröffentlicht. ist das ein konjunktiv, oder hast du wirklich schon gespendet? ich bin zwar auch der typ "wenn ich das geld hätte, würde ich es kaufen", aber wie viele geben dann t ...
Also argumentiert doch mal vernünftig, sonst haben wir keine Chance was zu verbessern. Gute Idee. Aber was willst Du für Argumente finden, wenn die MI mittels den Politikern das uralte Recht des Tauschens kriminalisieren? Egal wie man das Tauschen juristisch bewer ...
ich wüsste garnicht welche musik ich (illegal) runterladen sollte. wie schon von einem vorposter erwähnt, das meißte ist es nichtmal wert runtergeladen zu werden. da spende ich lieber an nen künstler der gute musik macht und sie unter cc lizens veröffentlicht. ...
Der Vergleich hinkt. Selber Backen kann man mit selber Musikmachen gleichsetzen ... Es geht hier natürlich nicht um das Brot bzw. die CD als Produkt, sondern um den geistigen Inhalt. Das wird immer verkannt. Kann ich nur zustimmen. Ich verstehe immer nicht, wie man ...
Habe mir gerade ein extrem gutes Album von Parov Stelar (Coco) geladen. Ich habe schon ein leicht schlechtes Gewissen O:) Kann das bitte jemand an meiner Stelle kaufen? Ich habe nämlich kein Geld ;) Es ist w ...
Lars Sobiraj am 20.05.2012, 16:54 Uhr
Im US-amerikanischen iTunes Store wurden statt dem Begriff "Jailbreak" lediglich Sternchen zwischen dem Anfangs- und Endbuchstaben angezeigt. Davon waren letztlich alle Kategorien betroffen. So wurden neben Apps auch Klingeltöne, Podcasts, Musikstücke, ganze Alben und eBooks zensiert angezeigt. Laut den Untersuchungen von Shoutpedia waren mehrere Monate lang 95% aller Begriffe davon betroffen.
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