
Die britische Sun titelte vor einigen Wochen, dass illegale Downloads die Contentindustrie mehrere Milliarden kosten würde, weil über sieben Millionen Briten auf illegalem Wege urheberrechtlich geschützte Werke herunterladen.
Natürlich gilt es, solche Studien immer mit einer gewissen Skepsis zu betrachten, da diese zwar repräsentativ sein können, jedoch zumeist für einen Auftraggeber erhoben werden. Dass dieser sich angemessene Ergebnisse wünscht, braucht man an dieser Stelle nicht zu betonen. Die Studie kam also zu dem Ergebnis, dass mehr als eine Millionen Briten illegale Download-Seiten tagtäglich nutzen, und kalkulierten daraus, dass der Contentindustrie ein Schaden von 120 Milliarden Britischen Pfund (ca. 172 Milliarden Euro) pro Jahr entstehen würde. Dieser Wert entspricht in etwa einem Zehntel des Bruttoinlandsproduktes von Großbritannien. Führt man sich dies nun vor Augen, also dass 10 Prozent des Bruttoinlandsproduktes den britischen Schaden durch Urheberrechtsverletzungen via illegaler Download-Seiten widerspiegeln, dürfte sich bereits ein wenig Skepsis regen. Natürlich könnten die Zahlen noch immer korrekt sein, ohne Zweifel. Mit ein wenig Eigeninitiative wird man jedoch feststellen, dass dem nicht so ist. Die Daily Mail zeigte sich aufgrund dieser Werte ebenfalls skeptisch und schrieb: "Das Netzwerk umfasst 1,3 Millionen tauschende User an einem Mittag eines Wochentages. Wenn jede dieser Personen nur eine Datei pro Tag herunterlädt, wären dies 4,73 Milliarden Werke, die jährlich umsonst konsumiert werden."
Wären die mitgeteilten Zahlen erheblich geringer, aber noch immer groß genug für einen Aufschrei gewesen, hätte sich wohl niemand weiter darum gekümmert. Es ist aber nunmal so, dass die Industrie gerne große Verlustzahlen durch illegales Filesharing und Kollegen präsentiert. Wie man diese Zahlen erhoben hat, bleibt dabei oftmals im Dunkeln, obgleich stets eine Pauschalformel für die Industrie greift: Ein Download = Ein entgangener Verkauf.
Ben Goldacre vom Guardian hat sich die Mühe gemacht und nach dem Ursprung der Originalzahlen gesucht, aus denen sich die 120 Milliarden abgeleitet haben - und diese glücklicherweise gefunden. Diese stammen aus einem Bericht von Akademikern, die am Centre for Information Behaviour and the Evaluation of Research (CIBER) tätig sind. Der Originalbericht mit den Zahlen wurde dort von der Regierungsbehörde SABIP in Auftrag gegeben. SABIP steht hier für Strategic Advisory Board for Intellectual Property. In Bezug zu den Milliardenverlusten erklärt der Bericht: "Die geschätzten entgangenen Einnahmen der gesamten kreativen Industrie, deren Produkte digital reproduziert oder gefälscht werden können, liegen bei 10 Milliarden Britischen Pfund (IP Rights, 2004) - wobei unsere Zahlen aus dem Jahr 2004 stammen - sowie 4.000 verlorenen Jobs." Woher stammen jedoch diese Zahlen, lautet die kritische Frage von Goldacre. Nach einer Durchsicht des gesamten Dokumentes von CIBER sowie der zugehörigen Referenzen-Sektion gelangt er zu einem Web-Link, der zu einer Pressemeldung aus dem Jahr 2004 führt. Diese stammt von der Kanzlei Rouse, welche sich auf Urheberrecht spezialisiert hat. Die Pressemeldung spricht jedoch nicht direkt von 10 Milliarden Britischen Pfund, genauer gesagt ist es gerade einmal ein Dokument mit einer Seite Umfang. Darin wird die Regierung zur Umsetzung einer Strategie gegen Diebstahl von geistigem Eigentum beglückwünscht. Der springende Punkt folgt jedoch erst: In einem relativ kleinen Bereich, welcher als "Background" betitelt wird, heißt es neben fünf weiteren Punkten: "Rechteinhaber haben geschätzt, dass die Verluste durch Piraterie und gefälschte Produkte die britische Wirtschaft im vergangenen Jahr rund 10 Milliarden Britische Pfund und 4.000 Jobs gekostet habe." Kurzum: Schätzungen der Industrie, die sich in einer Pressemeldung verborgen haben. Wie die Contentindustrie an diese Zahlen gelangt ist, bleibt sowieso schleierhaft, klar ist nur eines: Aus diesen im Jahr 2004 "erhobenen" Werten hat man die aktuellen Zahlen für 2009 abgeleitet, da sich die zur Verfügung stehende Bandbreite von 2004 auf 2009 drastisch vervielfacht hat.
Was bleibt, sind 4,73 Milliarden illegale Downloads in Britannien, die 120 Milliarden Britische Pfund Schaden verursachen. Ein beeindruckendes Zahlenspiel, das man unbedingt aufschlüsseln sollte. Nach dieser Grundlage kostet nämlich jedes heruntergeladene Werk - sei es nun Software, Film, MP3, eBook - etwa 25 Britische Pfund (ca. 28 Euro). Sicherlich gibt es statistische Ausreißer nach oben und unten, dennoch wirkt der Durchschnitt verhältnismäßig hoch. Hochgerechnet bedeutet dies, dass pro Woche 175, pro Jahr 8.750 Britische Pfund an Verlust durch eine Einzelperson entstehen. Dies entspricht einem Drittel des durchschnittlichen Jahreseinkommens eines britischen Bürgers.
Nachdem ein Journalist der BBC auf diese merkwürdigen Unstimmigkeiten hingewiesen hatte, wurde die Studie still und heimlich editiert. Aus 4,73 Milliarden konnten nun 4,73 Millionen gemacht werden, aus 120 Milliarden Britischen Pfund wurden 12 Milliarden. Goldacre wollte eine Stellungnahme zu dieser Veröffentlichung vom SABIP, man weigerte sich jedoch per E-Mail zu antworten sondern bestand auf ein Telefonat. Auf die Frage, wie man die Journalisten über die falschen Zahlen, welche die Ergebnisse verzehnfachen, informieren wolle, erklärte man ihm, dass man Schritte unternommen hätte, um die falschen Zahlen zu bereinigen. Wie genau diese aussehen, wurde ihm nicht erklärt, auch sei man nicht dafür verantwortlich, wenn die Journalisten zu faul sind, die Werte vor einer Veröffentlichung zu prüfen. Zehn Minuten nachdem dieses Gespräch stattgefunden hatte, wurde er erneut angerufen. Ihm wurde mitgeteilt, dass das vorangegangene Gespräch selbstverständlich inoffiziell sei und vertraulich behandelt werden müsse. (Firebird77)
(via guardian, thx!)
(Bildvia deviantArt, thx!))
News Redaktion am Sonntag, 07.06.2009 13:35 Uhr
Haha, mal eben schnell aus Milliarden Millionen gemacht, ich schmeiß mich weg. Ganz ehrlich, so dreist kann man doch echt net sein. Wer nicht wagt der nicht gewinnt... hier ein wunderbares Beispiel dafür, dass man sich, wieder einmal mehr, einfach auf die Dummheit der ...
Nein, die Zahlen selbst, wie auch die Ziffern aus denen sie bestehen, sind nur eine Erfindung bzw. auf uns ausstrahlende Einbildung der Content-Industrie. :confused: Nur gabs damals noch keine Patente, sonst wären sie auch so reich geworden ... ...
Gibt es überhaupt korrekte Zahlen ? ^^ ...
stellt sich wirklich die Frage sind die so dämlich oder denken sie es würde keiner merken ...
Auch nicht schlecht... So nen Download könnte ich mir auch nicht legal leisten.:rolleyes: Es wurden falsche Zahlen verwendet... falsche Zahlen verwendet... Zahlen verwendet... Woher nimmt man überhaupt solche Zahlen? *sniffsniff*Ne, ausm Hut sind die n ...
Lars Sobiraj am 20.05.2012, 16:54 Uhr
Im US-amerikanischen iTunes Store wurden statt dem Begriff "Jailbreak" lediglich Sternchen zwischen dem Anfangs- und Endbuchstaben angezeigt. Davon waren letztlich alle Kategorien betroffen. So wurden neben Apps auch Klingeltöne, Podcasts, Musikstücke, ganze Alben und eBooks zensiert angezeigt. Laut den Untersuchungen von Shoutpedia waren mehrere Monate lang 95% aller Begriffe davon betroffen.
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