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Frankreichs Kultusminister verletzt Urheberrechte an einem Bild

Erneut hat ein französischer Politiker die Urheberrechte von Dritten verletzt. Diesmal hat es den französischen Kultusminister und Verfechter des Three-Strikes-Gesetzes, Frédéric Mitterrand getroffen. Auf seiner Website hatte er eine Fotografie veröffentlicht, an der er keinerlei Rechte hielt.

Frédéric Mitterrand im Jahr 2008

Wie ernst kann man Politiker nehmen, die auf der einen Seite Three-Strikes-Gesetze voranbringen und Urheberrechtsverletzungen als Schwerstkriminalität darstellen und die auf der anderen Seite jedoch selbst fleißig die Rechte Dritter mit den Füßen treten? Die Antwort bleiben wir schuldig, zumal die Frage in der Vergangenheit oft genug gestellt wurde. Bisher betraf es stets den französischen Staatspräsidenten Nicolas Sarkozy. Mindestens drei Urheberrechtsverletzungen gehen bereits - mehr oder minder direkt - auf sein Konto. Dass er sich vom Internet kappen lässt, ist eher unwahrscheinlich.

Es ist jedoch für die Gegner von "HADOPI" ein amüsanter Anblick, wenn insbesondere die Befürworter des Gesetzes ins Fettnäpfchen treten. Da Sarkozy bereits hinreichend für Erheiterung gesorgt hat, wurde der Kelch der Urheberrechtsverletzungen nun offensichtlich weitergereicht. Erhalten hat ihn niemand Geringeres als der französische Kultusminister Frédéric Mitterrand. Er war vielleicht nicht mehr maßgeblich an der Entwicklung von HADOPI beteiligt. Dennoch gebührt ihm ein gewisser Anteil am "Three-Strikes-Gesetz".

Bei all den Kämpfen gegen die bösen Raubkopierer möchte man meinen, dass zumindest das Kultusministerium und ihr oberster Dienstherr das Urheberrecht begriffen hätten.

Man hatte eine Fotografie von der Kunstwebsite "La Tribune de l'Art" heruntergeladen, um sie wenig später auf der Homepage des französischen Kultusministeriums einzusetzen. Die notwendigen Nutzungsrechte hierfür holte man nicht ein. Ein Versehen? Ja, natürlich. Obgleich die Frage aufkommt, wie ausgerechnet ein Ministerium, dessen oberster Dienstherr so energisch gegen illegale Kopien vorgeht, ein derartiger Fehltritt unterlaufen konnte.

Wie unsicher (oder dreist?) man war, zeigt insbesondere ein Screenshot, den die Kunstwebsite angefertigt hat. Darauf ist nämlich vor allem eines zu erkennen: Als das Bild auf der Homepage des Kultusministeriums eingebunden wurde, änderte man die Quellenangabe auf "MCC". MMC steht für "Ministère de la Culture et de la Communication". Auch wenn Mitterrand das Bild nicht selbst hochgeladen hat, so wirft der Vorfall ein schlechtes Licht auf ihn, als obersten Dienstherrn.

gulli meint:

Die Website hat sich inzwischen bereiterklärt, dass das Kultusministerium die Fotografie gerne verwenden darf, selbst wenn das MCC nicht der Urheber des Werkes ist. Hat man vielleicht einfach den Begriff CopyLeft falsch verstanden oder umgesetzt? Eigentlich soll Copyleft die Freiheit von Weiterbearbeitungen und Fortentwicklungen eines freien Ur-Werkes erzwingen, um dadurch dessen unfreie Vereinnahmung zu verhindern. Hier nahm sich aber im Gegensatz dazu einfach jemand die Freiheit, den Ursprung eines Werkes so zuzuordnen, wie es ihm gerade in den Kram passte. In der Mitte, left or right oder mit anderen Worten: Legal, illegal - scheißegal? Aber vielleicht sieht man manche Dinge in Frankreich einfach etwas lockerer, zumindest in den höheren Positionen.

(In der Bildstrecke: Bild 1, Frédéric Mitterrand; Bild 2: Screenshot der Homepage des Kultusministeriums mit der urheberrechtlich geschützten Fotografie; Bild 3: Original-Fotografie von Didier Rykner)

Bild-Quellen: wikimedia by MEDEF unter CC-BY-SA

Text-Quellen: techdirt

Klaus Müller am Dienstag, 21.09.2010 00:18 Uhr

Tags: frédéric mitterrand

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