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  • Russland verfolgt Dissidenten wegen angeblicher Software-Piraterie (Update)
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Russland verfolgt Dissidenten wegen angeblicher Software-Piraterie (Update)

Die russischen Behörden bedienen sich offenbar durch Microsoft vorgebrachter Beschwerden wegen Software-Piraterie, um gegen Dissidenten vorzugehen. Unter anderem wurde die Umweltorganisation "Baikal Environmental Wave" zum Opfer dieser Taktik. Mit der Begründung, es werde nach raubkopierter Microsoft-Software gesucht, wurden sämtliche Computer der Gruppe beschlagnahmt.

In ganz Russland soll es Dutzende ähnlicher Razzien gegeben haben. Ziel waren aktivistische Gruppen oder oppositionelle Medien. Von offizieller Seite hieß es, man wolle auf diesem Wege gegen die in Russland weit verbreitete Software-Piraterie vorgehen. Es ist jedoch auffällig, dass derartige Aktionen praktisch nur politisch missliebige Gruppierungen und Publikationen treffen.

Microsofts Anwälte unterstützen das Vorgehen ausdrücklich. Sie argumentieren, ihre Firma sei ein Opfer verbreiteter Piraterie und entsprechenden Beschwerden müsse unbedingt nachgegangen werden. Aufforderungen einiger Betroffener, nicht mehr mit den russischen Behörden zu kooperieren, erteilte Microsoft daher eine Absage.

Ob allerdings die Anschuldigungen überhaupt zutreffen, ist nicht klar. Baikal Wave sagte ausdrücklich, man habe legale Versionen der verwendeten Microsoft-Software angeschafft, um den Behörden keinen Anlass für eine Durchsuchung zu geben. Man bat daher Microsoft um Unterstützung gegen die Behörden, was das Unternehmen allerdings verweigerte.

Ein russischer Microsoft-Sprecher erklärte, man habe die Untersuchungen nicht in Auftrag gegeben, sondern sich lediglich an ihnen beteiligte, weil das russische Gesetz dies erfordere. Man wolle außerdem die Handhabung von die Firma betreffenden rechtlichen Fragen in Russland zukünftig genauer überwachen. Dies fordern Menschenrechtsorganisationen bereits seit Monaten. Die Geschehnisse zeigen, ähnlich wie die Vorfälle rund um Google und China Anfang des Jahres, die Schwierigkeiten auf, die sich für Unternehmen ergeben, die Geschäfte in autoritären Staaten machen. Es ist anzunehmen, dass Microsoft hierbei in irgendeiner Form Position beziehen müssen wird. 

Update:

In einem offiziellen Blogeintrag distanzierte sich Microsoft-Sprecher Brad Smith mittlerweile ausdrücklich von den Aktivitäten der russischen Regierung. Derartige Taktiken seien seiner Firma zuwider, so Smith. "Wir versuchen so schnell wie möglich, jede Ermutigung oder Möglichkeit, sich derartig zu verhalten, zu entfernen," schrieb er.

Wie Smith berichtet, findet derzeit eine Untersuchung der Anti-Piraterie-Aktivitäten der Firma statt. Gleichzeitig verspricht man als ersten Schritt in die richtige Richtung kostenlose legale Software-Lizenzen für NGOs. Speziell für Russland will man außerdem ein Programm starten, das den NGOs unterstützend zur Seite stehen soll. Auf längere Sicht sollen dann auch Microsofts Anti-Piraterie-Aktivitäten wesentlich besser gegen Missbrauch geschützt werden.

Text-Quellen: New York Times

Annika Kremer (g+) am Dienstag, 14.09.2010 12:40 Uhr

Tags: russland softwarepiraterie dissident

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12 Reaktionen zu dieser Nachricht
  • Novgorod am 16.09.2010 05:36:07

    ach das ist doch ein alter hut und wird schon ewig vom "finanzamt" praktiziert (jedoch nicht politisch, sondern finanziell motiviert ;)).. das läuft dann in etwa so: die steuerfahndung muss eine gewisse quote erzielen (die besten traditionen aus dem "sozialismus" will man ja beibehalten) und dann kl ...

  • Rasputin939 am 15.09.2010 21:37:59

    Übertreibs nicht, das ist bei uns auch nicht anders. Du siehst schon den Widerspruch in deinem Satz oder? Ich soll nicht übertreiben, weil es hier nicht anders ist? :confused: Und solltest du meinen, dass hier in Deutschland dieselben Zustände herrschen wie in Russla ...

  • Sempralon am 14.09.2010 22:52:13

    Wie sagte doch Billy mal so salopp (frei rezitiert)? "Wenn sie schon eine Software illegal kopieren, dann soll es gefälligst unsere sein!" ... na klar ... so wird auch die Konkurrenz kurz gehalten ... :D ...

  • LoL-O_Mat am 14.09.2010 19:02:36

    Hört sich stark nach Blödsinn an. Wenn MS, Adobe oder sonstwer meint festzustellen, dass ich eine Raubkopie nutze, reicht das nicht als Anfangverdacht für eine Durchsuchung. Weshalb bekanntlich die üblichen Postings von wegen "Hilfe, Windows sagt es ist nicht original, kommt jetzt das BKA vor ...

  • denkt-gerne am 14.09.2010 18:41:41

    In letzter Zeit gibt es immer mehr News, die als Obergruppe einen bestimmen Thread haben könnten. Die sich abzeichnende Neue Weltordnung, cheers :beer: ...

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