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Anime Copyright Allianz: Illegale Angebote denunzieren?

Die Anime Copyright Allianz bemüht sich um die Einhaltung des Urheberrechts bei deutschsprachigen Manga- und Animefilmen. Neben der Aufklärung werden die Besucher der neuen Website auch dazu angehalten, illegale Videos auf Streaming-Portalen, Börsen-Betreiber und deren Werbepartner zu verpetzen.

Anime Copyright Allianz

Anime Copyright Allianz

Diese Website ist erst vor ein paar Tagen online gegangen und zieht bereits die Aufmerksamkeit der deutschen Manga- und Animeszene auf sich. Die Fanbase und die Mitarbeiter dieser vergleichsweise kleinen Filmsparte arbeiten nach eigenen Angaben eng zusammen. Um die weitere Reduzierung der Anbieter auf dem deutschen Markt zu verhindern, versucht man der Entwicklung mit diesem Portal entgegen zu wirken. Wir sprachen mit einem Verantwortlichen und wagen einen Blick hinter die Kulissen.

 

Die Szene in diesen Bereich funktioniert nach einem ganz eigenen Prinzip. Die Quelle aller Filme ist stets Japan. Unzählige Fansub-Gruppen haben sich darauf spezialisiert, für neue Filme Untertitel zu erstellen, damit das deutsche Publikum möglichst schnell in den Genuss der japanischen Filme kommt. Zunächst werden englische Subs (Untertitel) für die japanische Version erstellt, die sich eine der 80 deutschen Fansub-Groups zur Brust nimmt, um sie in die deutsche Sprache zu übersetzen. Wird bekannt, dass ein deutscher Verlag die Rechte an dem Werk erworben hat, um den Film zu synchronisieren oder eigene Untertitel anzubieten, wird das Unterfangen in vielen Fällen fallen gelassen. Die Gruppen, die sich dagegen sträuben sind gefährdet aus den Foren und Fanportalen verboten zu werden, weil sie gegen den hier vorherrschenden Ehrencodex verstoßen. Auch für Manga- und Animefilme gibt es illegale Videohoster, die sich auf dieses Thema spezialisiert haben. Bei Kino.to spielen derartige Filme eine eher untergeordnete Rolle. Wer die Kopien herunterladen will, bedient sich eine der diversen Börsen im Netz, wo solche Links gesammelt angeboten werden.

Trotzdem ist der Übergang zwischen den 80 deutschen Fansub-Gruppen und dem legalen Filmmaterial fließend. Prinzipiell bedienen sie die Bedürfnisse der Filmfans, die die neuen Filmwerke sonst nicht verstehen könnten. Nicht selten finden sich für den deutschen Markt keine Abnehmer für die Lizenzen und die Übersetzungen aus dem Graubereich bleiben konkurrenzlos. Jeder Anwalt würde an diesem Punkt sein Veto einlegen, denn rein juristisch betrachtet gibt es natürlich keinen fließenden Übergang. Entweder die betroffenen Urheberrechte werden verletzt oder eben nicht.

Dass das Leben nicht nur aus schwarz und weiß besteht, konnte uns auch Michael Wache bestätigen, mit dem wir uns heute Vormittag ausführlich unterhalten haben. Er ist sich dessen bewusst, dass die Verfolgung von illegalen Streaming-Angeboten, Download-Links oder das Melden an Abuse-Abteilungen von One-Click-Hostern dem Kampf mit der Hydra gleich kommt. Auch wenn mittlerweile alle Filehoster sehr schnell die gemeldeten Dateien entfernen und illegale Mitschnitte in kürzester Zeit von myVideo, YouTube, Vimeo & Co. verschwinden, so ist der Kampf gegen die Windmühlen der Piraterie nicht zu gewinnen. Herr Wache sprach sich sehr deutlich gegen Abmahnungen aus, weil man als Rechteinhaber damit stets das Gegenteil vom angestrebten Ziel erreicht. Das Prinzip Abschreckung funktioniert hier schon lange nicht mehr. Die eigenen Kunden mit Abmahnungen zu überziehen bringt außer viel Ärger und Wut nichts. Neben dem PR-Desaster ist auch finanziell gesehen nicht viel zu erreichen. Der Löwenanteil vom „Umsatz“ der Abmahnungen bleibt neben den IP-Ermittlern ehedem bei den Rechtsanwaltskanzleien hängen. Ganz davon zu schweigen, dass Abmahnungen nie aus finanziellen Erwägungen heraus erstellt werden dürfen.

 

Auch besteht Klarheit darüber, wie brisant es ist, die Community-Mitglieder zum Verpetzen von illegalen Quellen aufzufordern. Ihm würde es darum gehen, die Fans zur Mitarbeit zu bewegen. Trotz des dünnen Eises auf dem er steht, hofft man dennoch primär durch Aufklärung etwas bewirken zu können. Ganz unbegründet ist die Hoffnung nicht, besteht in dieser Sparte häufig eine sehr enge Bindung zwischen Fans und den Werken und Autoren.

Wer sich den Stream eines US-amerikanischen Kinofilms anschaut, statt eine Eintrittskarte für das Kino zu lösen, hat selten ein schlechtes Gewissen, weil der Geschädigte weit weg zu sein scheint. Im Gegensatz zu Hollywood-Produktionen ist die Anzahl der Hersteller hier aber sehr übersichtlich und in der Community herrscht sehr viel mehr Zusammenhalt. Vielleicht liegt es auch daran, weil es sich dabei um eine sehr spezielle Sparte mit vergleichsweise wenigen Anhängern handelt. Wenn es also wie in diesem Fall gelingt, einige große Foren und Portale für die eigene Sache zu gewinnen, so könnte man vielleicht bei einigen Anhängern für ein Umdenken sorgen. Den meisten Film- oder Musikfans hingegen dürfte es egal sein, ob die Megastars der Branche durch ihr Zutun ein paar Euro weniger verdienen. Von daher trifft man bei Anime- und Mangafilmen auf fast einzigartige Bedingungen, die ein solches Vorhaben unterstützen.

Michael Wache von der Anime Copyright Allianz ist sich sicher, dass alle Medienbranchen unter der gleichen Problematik leiden. Niemand möchte mehr etwas für Inhalte bezahlen, egal welcher Art. Klar ist auch, dass die anderen Vorgehensweisen alle zum Scheitern verurteilt sind oder sich schon ad absurdum geführt haben. Weder das Abmahnen, noch das Bekämpfen der illegalen Quellen oder das Sperren von Internet-Leitungen (Frankreich, Großbritannien) würde wirklich etwas bringen. Will man eine Krankheit heilen, muss man nach den Ursachen suchen statt die Symptome zu bekämpfen.

Nach einem fast 90minüten Telefongespräch mit viel Konsens mit einem überaus engagierten Branchenvertreter bleibt am Ende nur wegen der Aufforderung der Allianz zum Denunzieren ein wenig Missstimmung übrig. Nein, wir wären hier nicht in der DDR und mit Stasimethoden hätte das nichts zu tun, erklärt er uns. Dennoch bleibt die Frage übrig, ob man es nicht besser nur mit Aufklärung hätte belassen sollen. So waren die Reaktionen innerhalb der Community auch sehr gespalten. Einige Fans sind der Aufforderung zum Melden illegaler Quellen mit Freude gefolgt, andere hätten ihm beleidigende E-Mails geschickt, weil sie sich mit den Zielen der Kampagne nicht einverstanden erklären wollten.

 

Fest steht: Die Börsen und Videohoster im Ausland sind juristisch unerreichbar und die den Abuse-Teams gemeldeten Archive schneller wieder oben, als man bis drei zählen kann. Das Einzige was etwas bringen könnte, ist der moralische Appell, durch seinen illegalen Konsum diese Nische nicht weiter in Gefahr zu bringen.

 

Wer Gefallen an den hier abgebildeten Grafiken gefunden hat: Unzählige weitere selbst erstellte Bilder für Anime- oder Mangafans finden sich auf deviantART.

Bild-Quellen: aggelo.deviantart.com dukkeofdeath.deviantart.com coroistiz.deviantart.com

Lars Sobiraj am Dienstag, 07.09.2010 17:45 Uhr

tagsTags: manga anime

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vgwort
 
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48 Reaktionen zu dieser Nachricht
  • Dark_Rabbitz am 08.09.2010 21:55:57

    I rest my case. Du hast keine Argumente und beziehst dich stattdessen auf meine vorherigen Altersangaben, die aus einer Zeit von vor ungefäh 7-8 Jahren stammen, ah ja. Du hast die Ahnung. ...

  • Hotarubi am 08.09.2010 17:34:41

    Die schwindenden Umsätze in der Anime- und Mangabranche sind schlicht und ergreifend darauf zurückzuführen, dass der Hype bereits wieder vorrüber ist und nur mehr der harte Kern der Fans übrig ist. Ein weiterer Grund sind die weit überteuerten DVD-Preise. manchmal wird ein Preis von über ₠...

  • taichi1082 am 08.09.2010 16:15:27

    Oder war ich mit 12-13 Jahren schon so ein Gott, da ich damals schon Moderator in einem Anime (DL) Forum war und mir regelmäßig über IRC die neuesten Sachen besorgt habe? mit 12-13 Jahren I rest my case. @Juuichi Jo kam ...

  • Dark_Rabbitz am 08.09.2010 13:15:49

    Es sind einfach Leute die ganz genau wisen das Javascript eine Browserbasierte Sprache ist, genau wie Internet. Ich bleibe dabei, nach "Anime Download" zu googlen war damals auch keine große Leistung *g* btw: Du kannst japa ...

  • Juuichi am 08.09.2010 13:05:48

    Genau das kritisiere ich doch. Das hier Deutsch wohl mit Englisch bzw. englischen Untertiteln verglichen wird, und letzteres einfach mit Japanisch gleichgesetzt wird. Die Unterschiede zwischen Deutsch-Japanisch mit denen zwischen Deutsch-Englisch zu vergleichen ...

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