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Jon „maddog“ Hall: Lieber Open Source statt Raubkopien nutzen!

Auf der diesjährigen Konferenz FrOSCon erläuterte mit Jon „maddog“ Hall einer der populärsten Vertreter der Linux-Szene, warum Open Source Software so viel besser als Raubkopien sind. Er erklärte, welche Rolle dieser Software im Aufbau der Dritten Welt zukommen wird. Er glaubt, Firmen wie Microsoft sei es lieber, die Menschen der Dritten Welt benutzen ihre Raubkopien, statt freier Alternativen.

Jon Hall

Jon Hall

Wir sind heute wie auch in den vergangenen zwei Jahren dem Lockruf nach Sankt Augustin gefolgt und haben uns auf der diesjährigen FrOSCon eingefunden. Alleine der Vortrag von Jon „maddog“ Hall wäre es wert gewesen, sich dem schönen Wetter für ein paar Stunden zu entziehen.

Der US-Amerikaner Jon „maddog“ Hall gilt weltweit als einer der bekanntesten Leitfiguren für freie Software. Er arbeitete in den vergangenen Jahrzehnten bei Unternehmen wie der Western Electric Corporation, Aetna Life & Casualty, Bell Laboratories, Digital Equipment Corporation, VA Linux Systems und viele mehr. Derzeit betreibt er mehrere karitative Projekte, deren Erfüllung er selbst für unmöglich hält.

Er beginnt seine höchst amüsante und kurzweilige Keynote damit, dass als er seinen ehemaligen Kollegen von den Ideen des Linus Torvalds erzählte, ihn diese für verrückt hielten. Einige Jahre später wurde das Unternehmen von Red Hat aufgekauft und es zeigte sich, wie wenig verrückt der Grundgedanke von Linux war. Jon Hall, der von seinen Studenten als maddog (verrückter Hund) bezeichnet wurde, sieht als eines der Verbreitungsorte für freie Software die Länder der Dritten Welt. Dort würde vieles ganz anders funktionieren, als hierzulande. Bei uns stellt man sich beispielsweise unter dem Begriff E-Government automatische Wahlcomputer und andere technische Raffinessen vor.

In der Dritten Welt sei es aber viel wichtiger, den Fußmarsch von mehreren Tagen zu umgehen, indem man der zuständigen Behörde seine Materialien als PDF-Dokument über das nächst gelegene Internetcafe übermittelt. Hören die Vertreter der westlichen Welt das Wort E-Commerce, so denken sie an gigantische Datenbanken und Hochleistungscomputer, die eine Unmenge an Informationen verwalten und kluge Analysen ausspucken sollen. In den ärmeren Teilen der Welt sei E-Commerce schlichtweg die eine Person, die den anderen Dorfbewohnern gegen Bezahlung sein Handy zur Verfügung stellt, damit alle Menschen telefonisch erreichbar sind. E-Commerce ist dort, wenn ein Händler über das Internet in Erfahrung bringen kann, welchen Preis seine Waren in der nächst gelegenen Stadt erbringen. Fallen die Kurse, braucht er seinen mehrtätigen Ausflug nicht zu starten. Steigen sie gerade, so lohnt die Mühe. Für diese Menschen sei es viel wichtiger, wie diese mit ihrer Frau oder den anderen Familienmitgliedern über das Internet sprechen können, die weiter entfernt leben. Andere Länder, andere Bedürfnisse. Was für uns naheliegend ist, muss es für sie noch lange nicht sein. Deren Ziele und Praktiken sind nicht unsere

Jon Maddog Hall

Jon Maddog Hall

Freie Software ist nicht gleich umsonst!

maddog macht gleichzeitig ein alt hergebrachtes Gerücht dieses Bereichs zunichte. Freie Software bedeutet nicht zwingend, dass diese umsonst ist. „Jeder hier im Saal möchte doch auch Geld verdienen!?“, spricht er seine Zuhörer an. Er selbst schließt sich dabei nicht aus. Open Source Software sei wichtig, weil sie für jeden erdenklichen Zweck benutzt werden kann. Du kannst selber Änderungen vornehmen und alle anderen Anwender können von deinen Ideen profitieren. Ein frei zugänglicher Sourcecode ist das A und O dabei. Der rhetorisch ausgebuffte Aktivist erinnert daran, dass jeglicher Service rund um die Anwendung von Computern sehr wichtig ist. Am wichtigsten allerdings sind und bleiben Informationen. Wer viel weiß, besitzt auch viel Macht. Das ist auch einer der Gründe, warum er sich sehr offen für die Initiative OLPC (one laptop per child) ausspricht. Jon Hall möchte den Armen dieser Welt Macht zurück geben, damit sie für sich selbst sorgen können. Den Entwicklungsländern irgendwelche Hardware und Software zur Verfügung zu stellen und sie dann damit alleine zu lassen, wäre nicht der richtige Weg. Entscheidender sei es, dass auf Dauer Menschen dort bleiben, die die Geräte auch bedienen können. Ansonsten wird die für teures Geld gespendete Hardware nutzlos und wird früher oder später gestohlen oder zerstört. maddog beklagt auch, dass oftmals die fähigen Techniker und Admins von der Provinz in größere Städte ziehen, weil sie dort mehr verdienen können. Das Equipment im Umland bleibt dann aber auf der Strecke.

Microsoft: Lieber eine Raubkopie statt freier Software?

Firmen wie Microsoft wäre es lieber, man würde eine Raubkopie ihrer Software benutzen, anstatt auf Open Source Alternativen zurück zu greifen, was aber legal wäre. Indirekt wird die illegale Benutzung sogar von den Herstellern gefördert, findet er. Bei einem afrikanischen Projekt hätte er den Betreibern empfohlen, für die Bildbearbeitung Gimp zu benutzen, anstatt den Anwendern illegale Kopien von Photoshop zu vermitteln. Für einfache Anwendungen sei das Programm Gimp völlig ausreichend. Dann müsste sich die BSA auch nicht mehr darüber beschweren, dass ein Großteil der Programme schwarzkopiert werden. Natürlich wären die Anwender dann auch vermehrt mit freier anstatt mit kommerzieller Software vertraut. Ob das allerdings im Sinn von Adobe, Microsoft & Co. ist !?

froscon 2010

froscon 2010

Project Cauã

Mit seinem „Project Cauã“ will er mithilfe von freier Software Millionen Menschen zu einem Job und eigenständigen Leben verhelfen. Er weiß selbst, dass er sich damit an die Grenzen des Machbaren (und weit darüber hinnaus) stößt. Doch wer weiß. Vielleicht irren sich die Kritiker dieses Vorhabens, wie es damals die Skeptiker unter seinen Kollegen getan haben. Wer zuletzt lacht, lacht bekanntlich am besten. Vielleicht wird das in ein paar Jahren maddog sein und uns beweisen, dass er so "mad" gar nicht ist.

Fotos: Lars Sobiraj

Lars Sobiraj am Samstag, 21.08.2010 16:41 Uhr

tagsTags: froscon maddog

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6 Reaktionen zu dieser Nachricht
  • mayz am 22.08.2010 13:02:34

    Hier ist noch eine schöne Folge von 3sat neues über die Entwicklung der IT-Branche in Afrika. http://podfiles.zdf.de/podcast/3sat_podcasts/100613_afrikaconnect_neues_p.mp4 ...

  • Ghandy am 22.08.2010 08:37:39

    @7ec0-1e1f: Grundsätzlich sagt er nichts dagegen, dass man mit guter Software auch Geld verdienen darf. Aber die Kosten für die kommerziellen Programme sind einfach so hoch, dass sich kaum jemand das leisten kann. Und wenn sollte man dem Baby halt auch "unter die Haube" schauen dürfen, was bei Pr ...

  • Alkoholpapst am 22.08.2010 02:36:17

    Hm? Hier hab ich mich also schon registriert? Na gut, ein Weg gespart. So verrückt finde ich das garnicht. Mag aber daran liegen, dass ich ähnliche, aber nicht so weit gedachte Ideen habe. Letztlich verstehe ich aber auch, dass viele staatliche Stellen *.doc und *.pdf versenden. Sein wir mal eh ...

  • Artesia am 21.08.2010 23:01:49

    Rund um 2000 war opensource Software noch nicht ganz so weit aber wir kommen langsam dahin, wo es sich wirklich lohnt OpenOffice statt MS Office, Inkscape statt Indesign, Gimp statt Photoshop, Blender statt Maya zu lernen. Kleine Korrektur:[ ...

  • 7ec0-1e1f am 21.08.2010 22:27:59

    alle Designer die ich kenne haben spätestens im Alter von 16 mit Raubkopien von Photoshop, Indesign, Flash, Maya etc angefangen Erfahrungen zu sammeln. Die Preise waren für Jugendliche natürlich völlig utopisch. Die Erfahrung mit diesen Programmen hat sie mehr und mehr in die Designerlaufbahn b ...

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