
Frankreichs Internet-Provider sind über die Umsetzung des Three-Strikes-Gesetzes mindestens genauso unglücklich wie die Bevölkerung selbst. Es bedeutet für diese einen erheblichen zeitlichen Mehraufwand, der personell wie finanziell geschultert werden muss. Fairerweise will man das Diktat des Staates nicht auf dem Rücken der eigenen Kundschaft austragen. Laut Informationen des französischen Tribune haben sich deshalb vier große Internetanbieter des Landes - darunter Orange und Numéricable - an das französische Kultusministerium gewandt. Das Schreiben ist jedoch weniger als höfliche Anfrage formuliert. Vielmehr stellt man direkt klar, dass man eine Aufwandsentschädigung für alle Angelegenheiten fordert, die im Zusammenhang mit HADOPI entstehen.
Besonders kritisch verweist man dabei auf die verstrichene Zeit, in der sich die Regierung nicht einmal ansatzweise mit dieser Frage beschäftigt hat. Ende August sollen die ersten Verwarnungen per E-Mail verschickt werden. Das bedeutet, dass spätestens dann die ersten Provider von der Behörde kontaktiert werden. Ohne dass geklärt wäre, wer die Kosten hierfür trägt.
"Wir werden der Regierung die Ermittlung der Anschlussinhaber in Rechnung stellen und zwar ab dem ersten Tag", so das Schreiben. Das Kultusministerium versucht die klaren Worte der Unternehmen inzwischen als harmlos darzustellen. Es gäbe keine Probleme mit diesen. Eine Einigung bezüglich der Kosten sei noch nicht zustande gekommen, da nicht klar sei, welche denn überhaupt verursacht werden. Mangelnde Transparenz sozusagen. Die Gespräche würden fortgeführt werden.
Der Ball wurde durch diesen Schachzug wieder an die Provider abgegeben. Diese sollen dem Kultusministerium nun einen Kostenvoranschlag vorlegen, der ihre geschätzten Ausgaben für die "Helfertätigkeit" gegenüber HADOPI festhält. Dieser Kostenvoranschlag soll dann als Basis für die Ermittlung eines finanziellen Ausgleichs für die Provider fungieren. Welcher Betrag hier auf die Regierung zukommt, kann nur vermutet werden.
Selbst automatisiert geht man von sechsstelligen Kosten aus
Ursprünglich sollte jeder Fall eines ertappten Anschlussinhabers bei den Internetdienstanbietern manuell bearbeitet werden. Eine vernünftige Entscheidung, da sich somit eine menschliche Instanz zwischenschaltet, der etwaige Fehler auffallen könnten. Natürlich wäre dies mit enormen Kosten verbunden. Das Kultusministerium zeigte sich jedoch optimistisch. Es würden gegenwärtig noch einige Tests mit HADOPI durchgeführt, bei denen bereits alles sehr gut lief. Sollte dies so bleiben, könnten die ersten E-Mail Verwarnungen möglicherweise auch bereits automatisch verschickt werden.
Die Automatisierung verfolgt natürlich den simplen Hintergedanken, die Kosten für die Provider und somit für den Staat zu reduzieren. Mit der Automatisierung sollen sich diese jedoch nach wie vor im sechsstelligen Bereich befinden. Umgerechnet auf alle Provider pro Jahr. Die Kostenlast wäre damit jedoch deutlich reduziert.
Laut den Providern sollen pro IP-Auskunftsverfahren Kosten von 8,50 Euro entstehen. Wie das französische Kultusministerium vor Monaten mitteilte, rechnet man mit 1.000 Verbindungstrennungen pro Tag. Dies bedeutet, dass auch 1.000 Auskunftsverfahren pro Tag durchgeführt würden. Somit wäre mit täglichen Kosten von 8.500 Euro und einem jährlichen Betrag von 3,1 Millionen Euro zu rechnen. Auskunftsverfahren für "Erst- und Zweitverletzer" sind in dieser Kalkulation nicht mit eingeschlossen.
Möglich wäre auch, dass einige Internet-Provider die Kosten selbst schultern. So haben bei weitem nicht alle wichtigen Provider des Landes das Schreiben unterzeichnet, vielmehr nur ein Bruchteil. Die Haltung des französischen Telekommunikationsdienstleisters SFR ist beispielsweise völlig im Dunkeln. Dieser erklärte lediglich, dass man sich gegenwärtig in keinerlei Gesprächen befinden würde. "Wir wissen nicht, wer zahlt", so die simple Feststellung von SFR.
Ob bis Ende August eine Einigung erzielt werden kann, ist unklar. Ein Treffen des Kultusministeriums mit dem französischen Internetproviderverband ist erst für Anfang September anberaumt. Die Thematik der "Aufwandsentschädigung" wird dort sicherlich ein wichtiger Punkt der Tagesordnung werden.
Bild-Quellen: flickr by matze_ott unter CC-BY
Text-Quellen: 01net
Klaus Müller am Freitag, 13.08.2010 17:41 Uhr
Die Rechteinhaber? Ah nein, das wäre ja abwegig das die noch etwas bezahlen müssen. Der Bürger natürlich. :rolleyes: ...
Eigentlich wäre es doch sicherlich interessant wenn plötzlich alle Internetprovider in Frankreich für eine Woche lang den gesamten französischen Netzverkehr lahmlegen würden. Da würde sich die Regierung sehr plötzlich, sehr verdutzt umschauen... ...
Die Bürger wollen sowas nicht. Sollte die Regierung nicht die Interessen des eigenen Volkes vertreten? Ach, ich vergaß, das ist in modernen Demokratien unüblich... ...
Indirekt zahlt sowiso der Bürger :rolleyes: Wieso indirekt? Direkt sind das Kosten, die das Kultusministerium voraussichtlich aus seinem Haushaltsbudget nehmen muß. Also Steuereinahmen. ...
Indirekt zahlt sowiso der Bürger :rolleyes: ...
Lars Sobiraj am 20.05.2012, 16:54 Uhr
Im US-amerikanischen iTunes Store wurden statt dem Begriff "Jailbreak" lediglich Sternchen zwischen dem Anfangs- und Endbuchstaben angezeigt. Davon waren letztlich alle Kategorien betroffen. So wurden neben Apps auch Klingeltöne, Podcasts, Musikstücke, ganze Alben und eBooks zensiert angezeigt. Laut den Untersuchungen von Shoutpedia waren mehrere Monate lang 95% aller Begriffe davon betroffen.
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