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Consumer Web 3.0: Die ARD/ZDF-Onlinestudie ist veröffentlicht

„Das Ende ist nahe!“ Die ARD/ZDF-Onlinestudie sieht heute schon, dass Morgen das „Social Web 2.0“ von gestern ist.

Lange Zeit galt im Internet: „Grunz, Grunz, Grunz: Jetzt sind wir unter uns“, denn die Zahl der Nutzer war überschaubar und in der deutschen Blogosphäre herrschten, wie man so zu sagen pflegt: spätrömisch inzestuöse Zustände. Jeder hatte schon mal bei irgendwem anderes ein crossposting untergebracht und auch die „Scheißestürme“ beschränkten sich auf das halbvolle Wasserglas der Kommentarspalten. Trotzdem war die eschatologische Rede vom „Mitmach-Web“ die Verheißung aller „natural born netizens“, ähnlich wie die Generation der 1968er in naher Zukunft die Hoffnung auf eine freie Gesellschaft aller Gleichberechtigten erfüllt sah.

Old Crosley TV

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Die neue Online-Studie der deutschen öffentlichen Fernsehanstalten ARD und ZDF will nun wissen, dass mit dem quantitativen Anstieg der Internetnutzung nicht auch eine qualitative Steigerung der online-Aktivitäten zu verzeichnen ist. Denn die Nutzung von typischen „Social-Web“-Anwendungen stagniere, der öffentliche Raum mündiger Bürger mutiere zum großen Fernsehzimmer der humanoiden Pantoffeltierchen, nach dem „Social Web“ kommt nun wohl das „Consumer Web“ (das ja schon „sein“ Gerät hat – das iPad?).

Nun musste man nie ein Netz-Pessimist sein, um die grandiosen Auswirkungen auf das soziale und ökonomische Miteinander der Menschen zu bezweifeln, ein schlichtes Hochrechnen der zivilisatorischen Entwicklung in den letzten fünfhundert Jahren hätte es auch getan. Dass die Mehrheit das schluckt, was eine Minderheit anrichtet, gilt ebenso in überbewerteten Hauben-Restaurants wie in hochbepreisten Blogs oder selbst ernannten „qualitätsjournalistischen“ Angeboten. Den status quo betrachtend – rund hundert Prozent aller Jugendlichen und aller jungen Erwachsenen ist „im Netz“ - kann das nur bedeuten, dass die Nutzerzahlen prozentual bei den älteren Erwachsenen (ab dreißig Jahren) steigerungsfähig sind. Und die bringen in der Regel ihr erlerntes Konsumverhalten mit.

Das hat naturgemäß Auswirkungen auf die allgemeine Nutzungsverteilung: So gehe „die häufigere Nutzung des Internets […] nicht zu Lasten des Fernsehkonsums. Im Gegenteil, die Bewegtbildnutzung im Internet steigt weiter an und zwar parallel zum "üblichen" Fernsehen“ - „das Anschauen von Onlinevideos“ ist also „für die meisten Nutzer weitaus wichtiger ist als viele Web-2.0-Aktivitäten“. Hier liegt verständlicherweise für die öffentlichen Rundfunk-Anstalten Potential zur Erfüllung ihres Auftrags im Internetzeitalter. Aber auch die unternehmerischen Initiativen im Netz könnten mit dem Einstieg der älteren Generationen und dem vielleicht folgenden Wandel zum Consumer Web 3.0 einen güldenen Streifen am Horizont erspähen: Vorbei könnten die Zeiten sein, in denen Konsumenten nicht passive Konsumenten, sondern aktive Nutzer sind. Denn ein Begriff fällt, der gemischte Gefühle bei den digitalen Ureinwohnern wecken wird – die ARD/ZDF-Studie konstatiert: „Das Internet zählt für die meisten Onliner zum Alltag und wird gewohnheitsmäßig (fast) täglich eingeschaltet.

Was wir in dieser Kurzzusammenfassung der umfangreichen Erhebung lesen, nennt sich „self-fulfilling prophecy“, es wird damit der selbstverständlichen Erwartung Ausdruck verliehen, dass die Menschen das Internet genauso verwenden (werden) wie Radio- oder Fernsehgeräte, die auch „eingeschaltet“ werden. Ob die Prophezeiung eintritt, wird natürlich hier auf gulli zu lesen sein; also: Bitte wieder einschalten!

Bild-Quellen: daveynin (cc-by-sa)

Text-Quellen: ard-zdf-onlinestudie.de carta.info netzpolitik.org

Joachim Losehand am Donnerstag, 12.08.2010 19:13 Uhr

tagsTags: onlinestudie

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7 Reaktionen zu dieser Nachricht
  • psylock am 13.08.2010 11:55:06

    Hmmm naja... wenn ich mich so allgemein umsehe könnte da was dran sein - viele hampeln noch in diesen lächerlichen "Social Networks" (wohl eher Exhibitionisten Networks) rum und kriegen sonst nichts auf die Reihe außer zu shoppen (denkt doch mal an die ganzen albernen Shopping Kanäle mit ihren ...

  • Ologhai am 13.08.2010 09:39:27

    Zitat aus der Studie von Seiten ARD/ZDF: Mit unseren hochwertigen Inhalten, die wir frei und unentgeltlich im Netz bereitstellen, kommen wir den Erwartungen der Nutzer entgegen, die jederzeit und überall auf diese zugreifen wollen. Naja, die Studie ist irgendwie mehr S ...

  • Tourgott am 13.08.2010 08:48:02

    Vor allem das die immer glauben zu wissen wann das WEB die nächste "Stufe" erreicht hat. Sind wir hier bei Pokemon? :confused: Einerseits gebe ich dir recht, andererseits hat es mich vor wenigen Jahren schon verwundert, wie exakt die Web 2.0-Prognosen eingetroffen si ...

  • CircleJerk am 13.08.2010 00:27:14

    @ hasron: Wieso soll die Studie "nicht objektiv" sein? Was meinst du mit "die Zeiten sind vorbei"? Das ist eine absolut repräsentativ durchgeführte Befragung. So verschnarcht, wie es manchmal dargestellt wird, sind die öffentlich-rechtlichen Sendeanstalten nicht mal in Sachen Internet. Die wissen ...

  • Hasron am 13.08.2010 00:12:50

    Vor allem das die immer glauben zu wissen wann das WEB die nächste "Stufe" erreicht hat. Sind wir hier bei Pokemon? :confused: Und wenn ARD und ZDF eine Studie in Auftrag geben kann man die meist eh knicken - denn die ist meist eh nicht objektiv. Die Zeiten sind vorbei :( Und ARD und ZDF sind so ...

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