
Opsec Securities, GVU
Die Löschaufforderungen wurden auch nicht von Mitarbeitern der GVU-Zentrale in Berlin selbst, sondern von der Firma Opsec Securities aus Unterhaching bei München erstellt. Das Unternehmen sucht im Auftrag der GVU nach Urheberrechtsverletzern im Web. Auch unser Anruf bei der Pressesprecherin der GVU hinterließ einige Zweifel, wie es zu den Löschaufforderungen ihrer beauftragten Partnerfirma kommen konnte. Frau Ehlers selbst kennt die Werke beider Künstler und weiß, dass diese in ihren Videos keinerlei Rechte verletzen. Fraglich auch, warum man überhaupt aktiv wurde. Weder direkt noch indirekt bestand ein Auftrag zur Löschung dieser Werke, da keiner der Rechteinhaber ein Mitglied der GVU ist. Auch befindet sich die GVU hier weit abseits ihres sonstigen Tätigkeitsfeldes. Normalerweise beschränkt man sich auf die Verfolgung der Warez-Szene oder recherchiert in solchen Fällen, wenn jemand mit Schwarzkopien Geld verdient. Das können Verkäufe von schwarzkopierten Spielen oder Filmen auf Flohmärkten oder aber kommerziell betriebene Torrent-Tracker oder ftp-Server sein.
Der Elektrische Reporter Mario Sixtus hat mittlerweile den bekannten Düsseldorfer Strafrechtler Udo Vetter eingeschaltet, der bei Bedarf aktiv wird. Dies wird höchst wahrscheinlich nicht nötig sein, da man in Berlin bereits die Notbremse gezogen hat. Der Geschäftsführer der GVU, Matthias Leonardy, hat sich bereits telefonisch bei Mario Sixtus gemeldet, um sich für den Vorfall zu entschuldigen. Vimeo sei in Kenntnis gesetzt worden, dass es sich hierbei um ein Versehen handeln würde. „Man versuche derzeit die Sache aufzuklären“, hieß es. Es bleibt abzuwarten, ob das ausreicht um die Betroffenen zu besänftigen. Von der GVU verfolgte Schwarzkopierer könnten sich ja auch nicht damit herausreden, sie hätten rein zufällig ein paar illegale Mitschnitte von Filmen auf ihrer Festplatte.
Update:
Die gemeinsame Presseinformation von OpSec und GVU besagt, dass nur 5 von 5 Millionen Löschaufforderungen im Namen der GVU getätigt werden. Deren Projekt „Portalschließungen“ würde sich gegen einzelne Hoster und nicht gegen den Anbieter Vimeo richten. Das ausgemachte Ziel waren eigentlich solche Anbieter, die als zentrale Plattformen zur Verteilung von illegalen Filmwerken im Internet dienen. Genauer gesagt betraf die Aktion eigentlich nur das Portal „Monsterstream“, wo sich Links zu den fraglichen Videos von Mario und Alexander befinden sollen. Für OpSec war dies offenbar Indiz genug, um auch gleich gegen alle auf „Monsterstream“ verlinkten Beiträge vorzugehen ohne diese inhaltlich zu prüfen. Die Ursachen für den Fauxpas würden in München und Berlin gerade analysiert werden, gab man in der Pressemitteilung bekannt.
Der Düsseldorfer Filmemacher Mario Sixtus macht jetzt dennoch Nägel mit Köpfen. Er möchte von der GVU eine Unterlassungserklärung haben, damit sich derartige Vorfälle nicht wiederholen können. Auf seinem Blog schrieb er:
"Ich habe gestern Abend per Fax bei der GVU eine Erklärung für diesen Amoklauf eingefordert. Daraufhin meldete sich heute Vormittag Matthias Leonardy, Geschäftsführer der GVU telefonisch bei mir. Leonardy erklärte, bei der Sperrung handele es sich um einen "Irrtum", die Sperre sei von einem Dienstleister (der Firma Opsec Securities aus München) initiiert worden, der im Autrag der GVU handele. Man "bemühe" sich derzeit um "Aufklärung" und habe Vimeo bereits um eine Aufhebung der Sperren gebeten.
Diese "Erklärung" reicht mir natürlich nicht. Das Vorgehen der GVU ist in meinen Augen nichts anderes, als digitaler Vandalismus. Die GVU, bzw. der von ihr beauftragte Dienstleister haben in meine Publikationsrechte eingegriffen und dabei ein Werkzeug missbraucht, das Vimeo zum Schutz der Rechte der Urheber - also meiner - eingerichtet hat. Genau genommen hat die "Gesellschaft zur Verfolgung von Urheberrechtsverletzungen" selbst das Urheberrecht verletzt. Ob das GVU-Mitarbeiter waren oder irgendwelche von der GVU beauftragten Söldnertruppen spielt dabei keine Geige.
Ich habe Hernn Leonardy daher aufgefordert, eine rechtsverbindliche und strafbewehrte Unterlassungserklärung abzugeben, da eine Wiederholungsgefahr geradezu indiziert ist. Schließlich könnte nächste Woche ein übereifriger Praktikant und in der übernächsten Woche eine von der GVU beauftragte chinesische Klicktruppe meine Videos vom Netz nehmen lassen. Ganz offensichtlich hat die GVU ihre Leute nicht im Griff, aber das ist nicht meine Sache.
Auf mein telefonisches Angebot, diese Unterlassungserklärung von sich aus abzugeben, wollte Herr Leonardy nicht eingehen, daher hat mein Anwalt diese nun offiziell eingefordert. Fristsetzung: Donnerstag 12:00 Uhr.
Nun mag der Eine oder die Andere mein Vorgehen für übertrieben halten, das ist es m.E. aber nicht. Die GVU ist für ihr (vorsichtig ausgedrückt) hartes Vorgehen gegen Urheberrechtsverletzer bekannt. Sie gehört zu der Fraktion, die wahrscheinlich am liebsten Schulkinder mit Handschellen von Schulhof abführen würden, weil sie eine gebrannte DVD getauscht haben. Wenn dieser Verein in meine Rechte eingreift, sehe ich es nicht ein, Fünfe gerade sein zu lassen.
Wörtlich habe ich Herrn Leonary gesagt: "Wenn Sie Hollywoodfilme auf meinem FTP-Server gefunden hätten, und ich ihnen sagen würde, oups, da hat wohl ein von mir beauftragter Dienstleister meine DVDs an den falschen Speicherort geback-upt, würden Sie sich damit auch nicht zufrieden geben."
Fortsetzung folgt."
Lars Sobiraj am Dienstag, 10.08.2010 13:22 Uhr
Wie hat mal ein Polizist zu mir gesagt: "Unwissendheit schützt vor Strafe, nicht" Der letzte Satz des Artikels trifft es auf den Punkt. Die Herren interessiert es vermutlich in solch einem Fall nämlich auch nicht ob es ein versehen war, ein Dienstleister, der Heinzelmann oder der Papst. Dann kom ...
Man kann auch aus einer Mücke nen Elefanten machen. Es war ein Fehler, dieser wurde eingestanden, und gut ist. Immer diese Erbsenzählerei in Deutschland... Du hast überhaupt nichts verstanden oder? Aus Mücken Elephanten zu machen ist das Kerngeschäft der GVU. ...
Ich finde es gut, dass anscheinend doch noch das "wie man in den Wald reinruft, so schallt es heraus"-Prinzip gilt. Die GVU hat sich sehr unbeliebt gemacht und verdient jeden Angriff und jede Verteidigung. ...
Selbst wenn die Videos richtig gelöscht worden wären; solche großen Hoster wie Vimeo haben sicher Backups... ...
Einige Videos sind immer noch gesperrt!!!:mad::mad::mad: (Z.b.Du bist Terrorist http://www.vimeo.com/4631958)Was mich ärgert ist,das Vimeo einfach der Löschaufuforderung nachkommt,weil sie von der GVU kommt!(Und das ohne zu gucken, was das für Videos sind.) Ich mein ...
Lars Sobiraj am 20.05.2012, 16:54 Uhr
Im US-amerikanischen iTunes Store wurden statt dem Begriff "Jailbreak" lediglich Sternchen zwischen dem Anfangs- und Endbuchstaben angezeigt. Davon waren letztlich alle Kategorien betroffen. So wurden neben Apps auch Klingeltöne, Podcasts, Musikstücke, ganze Alben und eBooks zensiert angezeigt. Laut den Untersuchungen von Shoutpedia waren mehrere Monate lang 95% aller Begriffe davon betroffen.
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