
Schon vor einigen Tagen ließ das Team von Wikileaks verlauten, dass man in nächster Zeit mit Leaks von hoher Wichtigkeit rechnen könne. Dieses Versprechen wurde am Sonntagabend mehr als erfüllt. Fast 92.000 größtenteils geheime US-Dokumente über den Afghanistankrieg wurden durch Wikileaks bekanntgegeben. Zunächst wurden diese nur den drei Verlagshäusern New York Times, Guardian und dem Spiegel übermittelt, und nun frei zum Download für die ganze Welt.
In den Dokumenten sind überwiegend Meldungen von Truppen während des Gefechtes zu lesen, was die Dokumente laut Spiegel zu einer authentischen Quelle und zu einem Fenster zum Krieg in Afghanistan machen würde. Die Protokolle würden den Krieg in ein gänzlich anderes Licht rücken wie in der Öffentlichkeit dargestellt.
Beispielsweise seien unter den Dokumenten Protokolle über Drohneneinsätze der US-Armee zu finden, welche die von den Amerikanern angepriesene Wunderwaffe infrage stellen würden.
"17. Oktober 2009: Um etwa 1300 erhielt die afghanische Nationalarmee Informationen, dass ungefähr 20 Aufständische sich südlich von ihrer Position in einem ausgetrockneten Flussbett bewegten. Um etwa 1400 wurde der Raven gestartet und flog direkt zur Basis. Wir sahen keinen Feind im Flussbett." Doch dann gibt es Schwierigkeiten beim Flug des Raven, einer der Aufklärungsdrohnen des US-Militärs: "Während der Raven umdrehte, ungefähr 300 Meter von der Basis entfernt, verlor er plötzlich an Höhe und stürzte ab."
Kurz nach dem Absturz versuchte man die Drohne zu bergen, kehrte dann aber um, da man Aufständische beim Absturzort vermutete, die den Bergungstrupp überfallen könnten. Erstaunlicherweise ist dies kein Einzelfall. Nach offiziellen Angaben haben bisher 38 Predator- und Reaperdrohnen im Krieg den Geist aufgegeben und stürzten ab. Jeder Crash kostete zwischen 3,7 und 5 Millionen Dollar. Aber nicht nur die erhebliche finanzielle Belastung ist hierbei ein Problem. Da vor allem die Aufklärungsdrohnen mit komplexer Computertechnik ausgestattet sind, in deren Besitz der Feind nicht kommen sollte.
Wikileaks Logo
Auch äußerst brisante Dokumente der Task Force 373 sind im Dokumentenbündel auffindbar. Die Task Force 373 ist eine US-Spezialeinheit die ihre Befehle direkt aus dem Pentagon erhält. Zu ihren Aufgaben zählt das Töten oder Gefangenehmen von Personen die dem US-Verteidigungsministerium gefährlich erscheinen. Das Erfüllen dieser Aufgaben scheint der Truppe allerdings nicht immer zu gelingen. So ist einem Bericht zu lesen, dass am 17. Juni 2007 statt dem al-Qaida-Funktionär Abu Laith al-Libi mindestens 6 Schulkinder getötet wurden. Die Spezialeinheit vermutete ihr Zielobjekt in einer Koranschule, die sie mit fünf Raketen attackierte. Warum im betreffenden Dokument bereits im zweiten Satz der Vermerk zur absoluten Geheimhaltung zu lesen ist, ist offensichtlich. Eine weitere wichtige Information, die aus dem Paket zu entnehmen ist, dass in Pakistan ein entscheidender Strippenzieher im Afghanistankrieg zu sein scheint. Der pakistanische Geheimdienst Directorate for Inter-Services Intelligence (ISI) hat offensichtlich die Taliban mit aufgebaut und gefördert. Das Land stellt wie es scheint einen Rückzugsraum für feindliche Kräfte dar. In einem Logbuch ist zu lesen, dass Angehörige des ISI bei Sitzungen des aufständischen Kriegsrates mit von der Partie sind.
Über die deutschen Truppen, die im Norden des Landes stationiert sind, sind auch Information auffindbar. So wird laut Spiegel eine erstaunliche Naivität der Armee geschildert. Zuerst hätten die deutschten Soldaten damit gerechnet, dass es bei ihnen im Norden vergleichweise ruhig bleiben würde. Doch Personen wie der Warlord Gulbuddin Hekmatjar änderten dies schnell. Er stachelte die Kampfeslust seiner Gefolgsleuten durch Geldspenden an, welche auch in den Protokollen dokumentiert sind. Am 19. Mai 2007 war es mit der Ruhe im Norden für die Deutschen endgültig vorbei. Während drei Bundeswehrangehörige auf einem Markt in Kunduz einkaufen waren, riss sie ein Selbstmordattentäter mit in den Tod. Auch acht afghanische Zivilisten starben.
Ein Interview bezüglich der Dokumente lehnte die amerikanische Regierung auf Nachfrage des Spiegels zwar ab, gab aber Antwort auf ausgewählte inhaltliche Fragen. Barack Obamas Nationaler Sicherheitsberater James Jones verurteilte die Veröffentlichung der Dokumente. Das Leben von Amerikanern und ihren Verbündeten würde so gefährdet und die nationale Sicherheit bedroht. Wikileaks habe nicht versucht die US-Regierung über die geleakten Papiere in Kenntnis zu setzen. Auch versicherte er, dass man im Weißen Haus wisse, dass ernste Herausforderungen vor den Verbündeten lägen. Allerdings müsste man sich den Bedrohungen die aus extremistische Gruppen wie al-Qaida hervorgingen, neu stellen, sofern man zulasse, dass Afghanistan wieder zurückfällt. Der Direktor für strategische Kommunikation im Nationalen Sicherheitsrat der USA, Ben Rhodes verteidigte die nun aufkommenden Vorwürfe gegen die Regierung. Es sei wichtig, sich daran zu erinnern, dass die Dokumente vom Januar 2004 bis zum Dezember 2009 reichen. Allerdings hätte Präsident Obama neue Strategien erst am 1. Dezember 2009 verkündet, gerade weil man gewusst hätte, dass die Lage im Kriegsgebiet zu ernst ist.
Ob diese Rechtfertigungen die gesamte Schuld von Amerika weisen können scheint fraglich.
Der Download des kompletten Dokumentenpaketes ist zwar auf Wikileaks.org verfügbar, allerdings sind die Server dort stark überlastet, was den Download stark verlangsamt oder gar unmöglich macht. gulli wird in den nächsten Minuten einen Alternativdownload auf einem One-Click-Hoster anbieten.
EDIT:
Hier findet ihr den Download auf Rapidshare, genau so wie er auch auch wikileaks.org zu finden ist.
Bild-Quellen: zuzeu
Text-Quellen: spiegel
Julian Wolf am Montag, 26.07.2010 11:20 Uhr
Nicht nur die gezielten Tötungen stehen in meiner Kritik, sondern ... generell alles, was das humanitäre Völkerrecht verletzt. Unrichtig [url=http://www.faz.net/s/RubD5CB2DA481C04D05AA471FA88471AEF0/Doc~EBAC7A12580B041489DD1572DA4158037~ATpl~ ...
Auch Unschuldige wurden inhaftiert, das ist im Fall von Murat Kurnaz belegt. Ein Mann, der sich nach 9/11 mit Uniform und Springerstiefeln ausstattet und nach Pakistan in ein Ausbildungscamp reist, läuft für mich weder unter unschuldig noch unter Tourist. [QUO ...
Wenn es Dir bislang nicht aufgefallen ist, so ist doch in den Wikileak Dokumenten umfangreich dokumentiert, daß die Taliban eine landfremde Macht sind, die den latenten pakistanischen Bürgerkrieg in Afghanistan auskämpfen und sich auch die afghanischen Rohstoffe (zunäch ...
Die Agenda, die cathari verfolgt (oder sein komplettes Unverständnis der Sachverhalte) kann man auch hier erkennen: Achja, man führt Krieg gegen die Taliban, die führen deinen Terrorismus aus. Übrigens terrorisieren sie auch Zivilisten in Afghanistan.[/quo ...
Horst Köhler hat es deutlich genug gesagt, um was es tatsächlich geht. Auf die Frage eines Journalisten, ob das bestehende Afghanistan-Mandat ausreiche antwortete er unter anderem: Wo bezieht er sich dort auf den Afghanistankrieg? An keiner Stelle, wie er auch spä ...
Lars Sobiraj am 10.05.2012, 13:17 Uhr
Zoe.Leela ist Sängerin und eine engagierte Kritikerin der GEMA, die sich aus ihrer Position als Kreative heraus in der Urheberrechtsdebatte zu Wort meldet. In ihren "vier Thesen" behandelt sie unter anderem die mangelnde Transparenz, den undemokratischen Aufbau und die ungerechte Verteilung der Einnahmen der GEMA. Künstler, kleine Labels und Käufer seien die Verlierer, kritisiert sie.
Lars Sobiraj am 10.05.2012, 17:25 Uhr
Der Anbieter "TIME for kids" bezeichnet sich selbst als "langjähriger Vorreiter im Kinder- und Jugendschutz in Deutschland". Die Software des Unternehmens blockiert derzeit an diversen Schulen von Nordrhein-Westfalen den Zugang zum Wahlprogramm der Piraten. Die Webseite wurde von der automatischen Filtersoftware als möglicher Marktplatz illegaler Drogen ausgemacht und gesperrt.
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