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Loveparade: Vertuscht die Bundespolizei die Ermittlungen?

Wie Spiegel Online meldet, wurden bei diversen Einsatzstellen sämtliche Unterlagen zur tödlichen Massenpanik am Samstag vernichtet. Der „ganz große Staubsauger“ sei aktiv gewesen und diverse Daten von den E-Mail-Accounts der Beamten seien gelöscht worden. Auch von rund 1,4 Millionen anwesenden Musikfans ist keine Rede mehr. Man zählt lediglich die mit der Bahn angereisten 140.000 Personen.

Engpass Tunnel

Engpass Tunnel

Nachdem bereits in den letzten Jahren jeweils über eine Million Interessenten zu den Events angereist waren, war mit weniger Teilnehmern kaum zu rechnen. Das Gelände in Duisburg war aber für maximal 250.000 Menschen geeignet und auch nur für diese Menge freigegeben worden. Als (wie erwartet) die fünffache Menge anreist, versagen sämtliche Sicherheitskonzepte. Die ursprünglichen Pläne von Polizei und Feuerwehr sind indes aus Kostengründen verworfen worden. Demnach wollte man unbedingt den Tunnel (siehe Bild links) als einzigen Zugang verhindern, was allerdings sehr viel mehr Einsatzkräfte bedurft und deutlich höhere Kosten nach sich gezogen hätte.

Dr. Motte, der frühere Organisator der Berliner Loveparade, geizt auf seinem Blog nicht mit Kritik. Es sei ein Fehler gewesen, dass man das Gelände überhaupt abgesperrt hätte. „Die Loveparade war immer offen für alle in Berlin, mit Rückzugsmöglichkeiten in den Tiergarten… Wir hatten immer Sani’s ohne Ende (und) Wasser. Ein einziger Zugang durch einen Tunnel birgt die Katastrophe in sich. Ich bin sehr traurig…“ In Berlin war es stets möglich, das Festivalgelände von allen vier Himmelsrichtungen aus zu betreten und auch zu verlassen. In Duisburg strömten die Mengen aus zwei Richtungen zum Tunnel. Geplant war, dass die Menschenmassen das Gelände ausschließlich durch diesen betreten oder verlassen sollten.

Die gestrige Pressekonferenz begann bereits mit dem Hinweis, dass man im Anschluss daran nicht für Einzelgespräche zur Verfügung stehen würde. Offenbar bestand wenig Interesse daran, unter vier Augen kritische Rückfragen von Journalisten zu beantworten. Duisburgs Oberbürgermeister Adolf Sauerland bezeichnete das Sicherheitskonzept der Stadt als „stichhaltig“. Er versuchte „individuelle Schwächen“ der Teilnehmer als Ursache auszumachen. Eine der Schwachstellen war sicherlich auch der extreme Alkoholkonsum vieler Besucher.

Berlin 2000 vs. Duisburg 2010

Berlin 2000 vs. Duisburg 2010

Ein derartiges Verhalten hatte sich aber bereits auf der Loveparade in Essen im Jahr 2007 abgezeichnet, bei der zahlreiche jugendliche Besucher bereits am Nachmittag stark alkoholisiert waren. Die Musik wird leider nicht von allen Besuchern als einzige Droge angesehen. Oberbürgermeister Sauerland bat weiterhin darum, „den ermittelnden Behörden ihre Zeit zu lassen.“ Zum Schutze seiner Mitarbeiter könne er an dieser Stelle nicht mehr sagen. Er sieht den Vorfall als „tragisches Unglück“ an. Auch der Leiter des Krisenstabes wollte die Einzelheiten des Vorfalls bis zur vollständigen Aufklärung nicht weiter kommentieren.

Die Deutsche Polizeigewerkschaft DPolG gab auf dem Polizeiportal Cop2Cop bekannt, dass bereits vor Jahren Stimmen laut wurden, dass der Duisburger „Veranstaltungsort eigentlich ungeeignet sei.“ So wie in Essen oder Berlin hätte „ein derartiges Mega-Event nur auf weitläufigen Flächen mit rückwärtigen offenen und großen Reservebereichen ausgerichtet werden (dürfen).“ Die DPolG weiter: „Eine Loveparade ist von ihren Teilnehmern her auch nicht mit anderen Großveranstaltungen vergleichbar. Setzt man hier auf Lautsprecherdurchsagen, denen in großer Breite Folge geleistet wird, ist man wohl einem Irrglauben verfallen.

Kritik wird im Verlauf der Pressemitteilung auch an den Organisatoren laut. Die Sicherheit dürfe nie zugunsten des Kommerzes auf der Strecke bleiben. Auch wenn die Party gut ins Konzept der Feierlichkeiten zur Kulturhauptstadt gepasst hätte, so hätte man diesen Aspekt stets im Blickwinkel behalten müssen.

Eine Momentaufnahme am Rande

Eine Momentaufnahme am Rande

Bei uns im gulli:board wurde die Veranstaltung im Bereich für Politik & Gesellschaft aufgrund der hohen Zahl der Opfer mittlerweile zur „Deathparade“ umbenannt. Man darf gespannt sein, welche Ergebnisse die Ermittlungen der örtlichen Staatsanwaltschaft zutage bringen werden. Die Sprecher der Pressekonferenz versuchten zumindest die begangenen Fehler zu beschwichtigen und die eigene Sicherheitsstrategie zu stärken. So wurde auch behauptet, angeblich seien nur 140.000 Personen anwesend gewesen. Ein kurzer Blick auf die Bilder oder Videos der Veranstaltung stellt diese Aussage klar infrage. Lediglich die Fahrgäste der öffentlichen Verkehrsmittel zu zählen reicht als Anhaltspunkt nicht aus. Bei Demos ist es sonst kein Problem der Ordnungshüter, die Zahl der Anwesenden verlässlich zu schätzen. Ausgerechnet jetzt scheint man damit Probleme zu haben.

Der springende Punkt ist aber, dass bei nur 140.000 Personen die eingesetzten Sicherheitsmaßnahmen der Stadt Duisburg ausreichend gewesen wären. In dem Fall könnte man den Schwarzen Peter zurück an die Besucher und deren Fehlverhalten schieben. Unter einer wie angekündigt „vorbehaltlosen Aufklärung“ mag sich indes so mancher Leser etwas anderes vorstellen. Wir werden in jedem Fall über den weiteren Verlauf berichten. Schon aus Respekt vor den Opfern muss jede Vertuschung oder Beschwichtigung ausbleiben.

Bild-Quellen: tweetphoto.com youtube.com

Lars Sobiraj am Montag, 26.07.2010 10:42 Uhr

tagsTags: loveparade

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202 Reaktionen zu dieser Nachricht
  • Saissem am 02.08.2010 22:19:46

    War ja auch nicht nötig, der Taliban als Feind ist etabliert, der Krieg installiert, die daraus resultierende Gewinne werden kassiert, doch tiefenpsychologisch-innenpolitisch, die Jugend fällt für die Liebe.....:eek: solche Massenveranstaltungen haben für die Wenigen, die den Honig saugen Bedroh ...

  • titus_shg am 02.08.2010 15:08:56

    Mich hat es direct an den 11.09.2001 erinnert, .... Na ja, die Sache in Duisburg konnte man ja nicht mal mit noch so viel Phantasie irgendwelchen "Terroristen" in die Schuhe schieben. kann mir aber vorstellen, dass verschiedene Personen das sehr begrüsst hätten, ...

  • Saissem am 02.08.2010 13:47:09

    Mich hat es direct an den 11.09.2001 erinnert, irgendwie :unknown:inszeniert, passt zum Krieg in Afghanistan, Angst und Schrecken verbreiten um weitere Kriegsziele durchzudrücken....O:) Make Death Not Love :( nevertheless, ein schönes, gnadenlos ewiges Leben in der grenzenlosen Liebe der Goettin ...

  • NecroniX am 29.07.2010 00:45:04

    Also mir persönlich wärs am liebsten wenn die sich nicht versichern bräuchten, und dafür nen Sicherheitskonzept haben was doppelt und dreifach greift, das war vermutlich auch die Sache des Veranstalters, lieber ne kleine Decksumme und dafür mehr Geld in Ordner und/oder in weitere sicherheitsbri ...

  • titus_shg am 28.07.2010 23:13:58

    Ich habe auch noch nie einen Hund gesehen der diese Decksumme nur ansatzweise ausgereizt hat, da das nie vorkommen wird ist auch der zu zahlende Betrag relativ gering. Das ist schon richtig. Rennt allerdings ein Hund weg, bspw. auf die Autobahn, und passieren deswe ...

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