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Buchrezension „Der Spielemacher“

Der CSW-Verlag, der ausgerechnet in Winnenden beheimatet ist, veröffentlicht in schöner Regelmäßigkeit Bücher & Zeitschriften zum Thema Gaming - damals und heute. Im Dezember 2009 erschien „Der Spielemacher“. Das Buch wurde von einem echten Branchenkenner verfasst. Johannes Ulbricht gewährt uns trotz seiner im Vordergrund stehenden fiktiven Story zahlreiche Einblicke in die Interna dieser Branche.

Spielemacher, CSW-Verlag

Spielemacher, CSW-Verlag

Der Hauptdarsteller Stephan erlebt seine Kindheit und Jugend in einer Kleinstadt unweit von München. Auf seinem Rückflug nach Deutschland nach mehreren Monaten Aufenthalt in Indien spielt sich vor seinem geistigen Auge sein ganzes Leben ab. Wer sich heute für die Computerspiele von vor zwanzig Jahren interessiert, dürfte in den 1970ern genauso alt wie Stephan gewesen sein. In seinem Umfeld erlebte er die erste Liebe, die ersten Enttäuschungen und später den ersten Verrat. So recht weiß Stephan nicht, was er mit seinem Leben anfangen soll - also versucht er sein Hobby zum Beruf zu machen. Eine Tätigkeit, die oftmals viel zu romantisch und wenig realistisch eingeschätzt wird.

Doch der Autor Dr. Johannes Ulbricht, ein Fachanwalt für Urheber- und Medienrecht holt uns sehr schnell auf den Boden der Tatsachen zurück. Das Leben seines Protagonisten steckt voller Probleme und Enttäuschungen. Die Kleinstadt, in der er lebt, erscheint muffig und die Disco im Nachbardorf nicht minder. Die Frau, die er haben möchte, bekommt er nicht. Stephan möchte kreativ, unabhängig und unnahbar wirken. Doch so cool, wie er sein möchte, ist er nicht. Auch seine beruflichen Träume lösen sich nach und nach im Nichts auf. Nachdem er seine eigene Firma durch den Verrat seines ehemals besten Freundes zu Grund und Boden richtete und später seine leitende Tätigkeit in einem Unternehmen durch Betrug ruinierte, landet er in Indien. Er verkriecht sich in einem Land, wo seine früheren Geschäftspartner beheimatet sind, die von seinem Lebenswandel nichts wissen. Der Spielemacher will nach den vielen Pleiten und Pannen zurück ins Leben, zurück in die Branche. Er will ein neues Game vorbereiten. Die Fremdfinanzierung kann er nur in einem Land durchführen, wo man ihm noch vertraut.

Der Autor hat auf seinen rund 340 Seiten viele feuchte Jugendträume aber auch viel Fachwissen in sein Werk einfließen lassen. Dennoch sollte man nicht auf die Idee kommen, die dargestellte Situation 1:1 auf die heutige Spielebranche zu übertragen. Was er beschreibt, ist durchaus möglich, aber dennoch bleibt es fiktiv. Interessierten werden tiefe Einblicke in die Branche erlaubt. So wie dargestellt könnte es sein – das muss es aber nicht. Fest steht leider, dass wirklich neuartige Spiele oftmals solche sind, die nie das Licht der Publisher-Welt erblicken. Egal ob das wenig kreativ ist, die Hersteller bleiben lieber bei bewährten Rezepten für Games, wo zumindest ansatzweise der Umsatz vorausgesagt werden kann. Die Finanzkrise war an der anhaltenden Mutlosigkeit ebenfalls beteiligt. Reine Pflichtwerke sind für Entwickler natürlich wenig attraktiv und dennoch ist dies die Realität, die hier beschrieben wird. Hauptdarsteller Stephan opfert alles für die Erfüllung seiner Träume. Er verzichtet auf jegliches Privatleben, zieht um, bricht alle sozialen Kontakte ab und er hätte auch für eine Beziehung niemals genügend Freizeit gehabt. Die wenigen verbliebenen Freunde verliert er auf dem Weg zum Erfolg. Und später verliert er jede Skrupel, um sich im größtmöglichen Stil zu bereichern. Als der geheime Deal auffliegt und er verurteilt wird, bleibt ihm nur noch die Flucht nach vorn, nach Indien. Ohne etwas vorzeigen zu können, würde ihn in Deutschland nach der Angelegenheit niemand mehr ernst nehmen. Der Ruf verspielt, der Gang nach oben auf der Karriereleiter versperrt. Stephan möchte noch einmal neu anfangen und dieses eine Spiel im Handgepäck soll in seinem Leben alles zum Besseren wenden.

Fazit: Die knapp 17 Euro für das Buch sind für alle jüngeren wie auch älteren Spielefreunde gut angelegt. Dr. Ulbrichts Buch zieht die Leser nach einer etwas epischen anmutenden Beschreibung von Stephans Jugend schnell in seinen Bann. Der Autor hat seine Erkenntnisse und Erfahrungen aus der Branche mit der Story vermischt. So wie seine zentrale Figur nicht die Finger vom Thema lassen kann, so ungerne wird man das Werk nach den ersten 100 Seiten wieder aus den Händen legen. Und dennoch gehören seine Jugenderinnerungen so sehr zur Story, wie verspielte Elemente zu Computerspielen gehören. Der Münchener Spielemacher muss aber schnell erkennen, dass er im Job mit seinen Träumereien nicht weit kommt. Am Ende zählt nur, was für den Hersteller hohe Umsätze verspricht, und nicht, was Spaß macht oder sonderlich kreativ oder innovativ erscheint. Die Geschichte endet mit der Landung der Maschine in München. Erste Präsentationen und Verhandlungen mit möglichen Interessenten stehen bevor. Eigentlich eine gute Vorlage für einen zweiten Teil. Man darf gespannt sein, ob uns der Autor eine Fortsetzung bescheren wird.

Trailer zu "Der Spielemacher"

Bild-Quellen: csw-verlag.de

Lars Sobiraj am Dienstag, 20.07.2010 12:34 Uhr

tagsTags: winnenden publisher csw

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5 Reaktionen zu dieser Nachricht
  • xPlopp am 21.07.2010 00:59:41

    "Das Buch wurde von einem echten Branchenkenner verfasst." Wie weit ist das denn ein echter Branchenkenner? Wenn man bei mobygames schaut sieht man das er lediglich bei einem schlechten adventure mitgemacht hat. Sonst konnte ich gar nichts weiter über ihn finden. Und als Rechtsanwalt sitzt der si ...

  • Fossegrim am 20.07.2010 19:45:21

    Ist das Buch in irgendeiner Weise literarisch wertvoll oder nur ein leicht verständlicher und gut lesbarer Einblick in die Spielebranche für den Mainstream ? Generell interessiere ich mich für das Thema "Gaming" in geschriebener Form, leider konnte ich noch keine wirklich guten Bücher darüber ...

  • pr0metheus am 20.07.2010 17:44:16

    Sacred of Mana :D:beer: ...

  • Juuichi am 20.07.2010 16:11:59

    Das wirklich blöde ist doch vor allem, wie du sagst, dass kreativität als spieleprogrammierer/-designer heutzutage quasi nicht erwünscht ist. Alles muss massentauglich (aka "Casual") und bewährt sein, bloß "keine experimente" - wie schon adenauer verlautbarte - und wirklich kreative sachen sind ...

  • C-H-T am 20.07.2010 15:38:35

    Hmm um Bücher zu lesen leider keine Zeit, schaffs ja noch nichtmal meine CT's durch zu lesen :( Aber zum Thema Spieleprogrammierer, das ist wohl einer der stressigsten Berufe in der Branche.. ich kenne keinen Informatiker der das als Traumberuf hat, klar würde jeder gern mal an etwas arbeiten was ...

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