
Noch kann der Algorithmus nicht erkennen, ob der Nutzer vor dem Bildschirm noch lebt oder schon tot ist. Um ein Profil todeshalber zu löschen, bedarf es nach wie vor eines Hinweises von außen, der aber – Spaß ist ja immer, wenn andere über einen lachen – nicht immer der Wahrheit entspricht. So mancher für tot Erklärter musste schon mühsam nach einem solchen Löschansuchen Dritter um eine Reaktivierung kämpfen. Andererseits bleiben auch manche Profile nach dem wirklichen Ableben des Inhabers ohne diesen Hinweis aktiv – und nicht selten werden dann Lebenden bereits Verstorbene und Verstorbenen noch Lebende für Freundschaften vorgeschlagen.
modernes Columbarium (Urnengräber)
Der Versuch, über Nachrichten, die zwischen Nutzern ausgetauscht werden, Hinweise über verstorbene Nutzer zu erlangen, ist auch nicht immer sonderlich hilfreich. „Du fehlst mir“ ist ja nicht unbedingt ein Hinweis darauf, dass jemand aus dem eigenen Leben geschieden, höchstens vielleicht aus dem eines anderen verschwunden ist.
Totenkultur ist immer auch Erinnerungskultur und will auch in den Zeiten des Social Web gepflegt werden. Dem Wunsch nach virtuellen Kondolenzbüchern oder Erinnerungsorten in Form von Internetseiten in sozialen Netzwerken wird inzwischen Rechnung getragen. Funktionen wie eine Benachrichtigung des (verstorbenen) Nutzers bleiben dabei deaktiviert, weiterhin nutzbar sind jedoch Kommentarfunktionen.
Dass auch diese nicht nur Nutzer für ein digitales "Farewell" oder einen wohlwollend-erinnernden Austausch über den Toten verwenden, liegt ebenso nahe wie der „Gefällt mir!“-Button von Facebook.
Spannend ist, dass Facebook seine Nutzer auch dazu anregt, eigene Gruppen zu gründen, „die der Erinnerung an den Verstorbenen dienen sollen“. Diese an antike römische Begräbnisvereine erinnernden Gruppen sind auch ein Zeichen dafür, wie sehr doch das „Leben im Netz“ inzwischen das Leben in der wirklichen Welt abbildet und sich die digitale Kultur von der irdischen Kultur unterscheidet. Wer weiß, vielleicht gibt es bald auch ganze soziale Netzwerke, die Vorsorge für ein digitales Erinnern nach dem physischen Tod treffen und sich dabei über Generationen gegenseitig unterstützen wollen?
Bild-Quellen: Chris Robinson (cc-by-sa)
Text-Quellen: pressetext.at Joachim Losehand: Begräbnisvereine im antiken Rom (2007; PDF)
Joachim Losehand am Dienstag, 20.07.2010 09:35 Uhr
Fehlt noch ne Highscore Liste für Amokläufer. Der war eig. kacke, aber ich musste lachen :D An sich dient das alles dazu, User an Facebook zu binden. Wenn man dort halt in Gedanken an einen verstorbenen Freund schwelgen kann, dann kommt man auch öfter onli ...
Nicht alle wohnen mit ihrem Bruder Wand an Wand... nimmst du immer alles wortwörtlich? Mein Gott.. :rolleyes: Ich halte das für eine gute Sache. Meine Meinung. ...
Dabei muss aber beachtet werden, dass Leute, die sich im "RL" nahe stehen, auf Social Networks zumeist keine tiefergehenden Kontakte untereinander pflegen. Ich brauche ja nicht meinem Bruder 'ne Facebook-Message zu schreiben, wenn ich einfach gegen die Wand treten kann um ih ...
Das Problem für Facebook ist natürlich: Wie erkenne ich ob jemand wirklich tot ist? Das habe ich mir auch überlegt. Ich denke, sie haben mehrere Kriterien zur Bewertung des betroffenen User-Profils und der meldenden User (auf Glaubwürdigkeit) sowie ihre j ...
Wie erkenne ich ob jemand wirklich tot ist? Früher ging man zur Beerdigung. Aber heutzutage kann jemand die Bilder von der Beerdigung auf Facebook online stellen. Dann kann man sich sicher sein. ...
Lars Sobiraj am 20.05.2012, 16:54 Uhr
Im US-amerikanischen iTunes Store wurden statt dem Begriff "Jailbreak" lediglich Sternchen zwischen dem Anfangs- und Endbuchstaben angezeigt. Davon waren letztlich alle Kategorien betroffen. So wurden neben Apps auch Klingeltöne, Podcasts, Musikstücke, ganze Alben und eBooks zensiert angezeigt. Laut den Untersuchungen von Shoutpedia waren mehrere Monate lang 95% aller Begriffe davon betroffen.
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