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Times Paywall lässt Leserzahlen um 66 Prozent einbrechen

Die Paywall der britischen (Sunday) Times könnte sich zu einem Desaster entwickeln. Bereits vor zwei Wochen berichteten wir über die enormen Leserverluste, die von der Paywall verursacht wurden. Inzwischen liegen offizielle Zahlen vor. Diese klingen nur wenig besser.

Wie viele Leser hat die britische Times in ihrer Online-Ausgabe verloren? Anfang Juli schätzte man diesen Wert auf 90 Prozent, basierend unter anderem auf dem Alexa-Ranking. Das Online-Portal der britischen Times war dort geradezu senkrecht abgestürzt. Seither gab es keine neuen Informationen zur Situation. Die Times selbst hüllte sich bisher weitgehend in Schweigen. Man bestätigte zwar enorme Trafficverluste. Exakte Zahlen nannte man jedoch nicht. Bis vor kurzem.

Die britische Times hat nun offizielle Zahlen zu den Folgen der Paywall vorgelegt. Sie attestieren dem System insbesondere eines: Auch wenn sich viele Menschen für die Paywall interessieren, ist es offenbar kein Modell mit Zukunft.

Die Analyse

Die wichtigsten Fakten und Klarstellungen für den Anfang: Der Verlust an Traffic- und folglich an Lesern lag nicht bei 90 Prozent. Er liegt nur bei 66 Prozent. Man hat also rund zwei Drittel der Nutzer verloren. Die von Experian Hitwise erhobenen Daten legen außerdem nahe, dass viele Leser bereits im Vorfeld die Flucht ergriffen haben. Fünf Wochen vor Einführung der Paywall wurden die Besucher der Seite gebeten, Registrierungsdetails anzugeben. Dies schreckte bereits 58 Prozent der Leser ab. Bevor eine Paywall auch nur ansatzweise auf dem Online-Portal etabliert war.

Man geht außerdem davon aus, dass die 66 Prozent alles andere als "normal" sind. Vielmehr handelt es sich um ein Ergebnis, dass durch die günstigen Einführungspreise der Paywall gehalten werden konnte. Für einen vollen Monatszugang muss aktuell 1 Britisches Pfund beglichen werden. Es ist jedoch das angestrebte Ziel, dass dieser Betrag für den Tageszugang (!) fällig wird. Der Wochenzugang soll 2 Britische Pfund kosten.

Die Nutzung in Zahlen

Das Interesse an der Paywall schien in der Anfangsphase zwar ungebrochen. Letzten Endes will jedoch niemand wirklich etwas bezahlen. Nach Angaben von beehive haben sich rund 150.000 Leser für die kostenlose (!) Testphase registriert. Dieser Wert wurde inzwischen als falsch bezeichnet. In Wahrheit habe er viel höher gelegen. Dies lässt die folgenden Zahlen, die nicht bemängelt wurden, jedoch nur noch unbedeutender erscheinen.

Rund 15.000 Nutzer waren nach der kostenlosen Testphase bereit, weiterhin für Online-News bei der Times zu bezahlen. Die separate iPad-Applikation konnte 12.500 Abonnenten gewinnen. Ausgehend von dem (falschen) Wert der ursprünglich registrierten Nutzer haben somit gerade einmal 18 Prozent aller Nutzer ihren Zahlungswillen gezeigt. Nicht einmal jeder Fünfte. Vermutlich sind es sogar noch weniger, da der Ausgangswert nicht korrekt ist.
Beeindruckend ist die Zahl der iPad-Kunden dennoch. Immerhin konnte Apple damit beinahe genauso viele Kunden anlocken, wie das Online-Portal der Times selbst. Es lassen sich hier leicht Assoziationen zu anderen Zweigen der kreativen Branche ziehen.

Sieg oder Niederlage

the times paywall

the times paywall

Insgesamt betrachtet ist das Experiment mit der Paywall besser abgelaufen, als von vielen anfänglich erwartet wurde. Zahlreiche Nutzer haben die kostenlose Testphase genutzt und grundlegendes Interesse bekundet. Ein Bruchteil dieser Nutzer ist letzten Endes geblieben, um das Monatsabo beziehungsweise die iPad-Applikation in Anspruch zu nehmen. Diese werden aktuell noch zum günstigen Einführungspreis angeboten. Was heute preislich einen Monatszugang darstellt, soll in absehbarer Zukunft ein Tageszugang werden. Ob sich alle Nutzer dies leisten können? Man könnte nur mutmaßen.

Eine weitere unbestreitbare Tatsache ist auch, dass die anfänglichen Abonnementzahlen bei einer Basis von null enorm wirken. Im Laufe der Zeit wird dieser Effekt jedoch abflauen. Es ist eher unwahrscheinlich, dass die britische Times in regelmäßigen Zyklen 15.000 neue Online-Abonnenten oder 12.500 iPad-User hinzugewinnt. Der Online-Markt wird den sinkenden Printmarkt also nicht aufhalten können. Die Online-Nutzer bezahlen (selbst mit dem späteren Abo-Modell) erheblich weniger als die Nutzer der Printausgabe. Bedauerlicherweise ist nicht ganz klar, welcher Marge dem jeweils vertreibenden Händler zusteht. Nach einer Kalkulation von Beehivecity ist das preisliche Verhältnis zwischen Print und Online 1:2,6.

Bild-Quellen: thetimes

Text-Quellen: beehivecity techdirt guardian theinquirer

Klaus Müller am Dienstag, 20.07.2010 09:11 Uhr

tagsTags: times the times online

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vgwort
 
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21 Reaktionen zu dieser Nachricht
  • eliveo am 26.07.2010 14:23:37

    Gut gesagt: Ich meine, wenn der Inhalt gut gestaltet ist und die Berichte stets sehr gut recherchiert werden, dann habe ich auch nichts dagegen, für einen Tag 1,50 Euro zu bezahlen, also 1 Pfund. Andererseits finde ich es schon schade, keinen "freien" Zugang mehr zu haben. Aber so wird halt die Zuk ...

  • fexbest am 23.07.2010 18:07:12

    wenn dann wirklich 25000 Leute zahlen wär das doch ein voller Erfolg für sie, deutlich mehr Geld. Das Problem für die Zeitungen ist, dass sie einen kompromiss zwischen ausführlichen, meist selbst recherchierten Artikeln auf ihre Website stellen um Kunden zu locken, davon jedoch nicht zu viel, d ...

  • Stichlasser am 22.07.2010 11:36:55

    Dass Mehreinnahmen, durch solche Angebote, direkt die Qualität der Artikel anheben, bezweifel ich sehr stark. Gemeint war glaube ich nicht: "Durch kostenpflichtige Onlineangebote kann eine Zeitung ihre Qualität verbessern" sondern: "Kostenlose Angebote kön ...

  • sjau am 21.07.2010 12:00:12

    Aha. Fliegen deine Blog-Betreiber auch in den Irak, um von dort aus über Menschenrechtsverletzungen zu berichten? Oder nach Afghanistan um sich über die Lage von Mädchenschulen vor Ort zu erkundigen? Bekommt man von ihnen investegative Einblicke über den weltweiten Droge ...

  • -SamSoNight- am 21.07.2010 09:56:40

    Ich finde die Bezahlmodelle gut. Man kann sich nicht auf der einen Seite beschweren, dass die Massenmedien so korrupt und abhängig von ihren Sponsoren sind, 95 % ihrer Nachrichten eh nur von Reuters abschreiben usw., wenn man nicht bereit ist, für eine gewisse Qualität a ...

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