
Die stetig gefühlte und gern gepflegte Unterlegenheit gegenüber dem größeren und lauteren Nachbarn im Norden darf einen kleinen Knacks bekommen: auch wenn man nur denjenigen Rankings glauben darf, die man selbst in Auftrag gegeben und bezahlt hat, ist es ein gutes Gefühl, von anderen bescheinigt zu bekommen: Österreich hat vielen seiner europäischen Kollegen in Sachen „digitale Informationsgesellschaft“ etwas voraus.
Im von der „The Economist Intelligence Unit“ (EIU) vorgestellten „digital economy ranking“ (PDF), das in den letzten zehn Jahren unter dem Titel „the e-readiness ranking“ firmierte, gehört die Alpenrepublik auch 2010 zu den Top-15 der Welt, noch vor Japan (Platz 16), Irland (17) – und natürlich Deutschland (18). Besonders zwei Bereiche bescherten Österreich Spitzenwerte: das rechtliche Umfeld mit 8,45 Punkten (gleichauf mit Belgien, Italien und den Niederlanden), lediglich übertroffen von den Vereinigten Staaten (8,70) und Hong Kong (9,02), sowie „gouvernment policy and vision“, also „Netzpolitik“ und – man wagt kaum, es auszusprechen: digitale Visionen (Österreich: 8,55; zum Vergleich: Slowenien und Schweiz: 7,60; Deutschland und Portugal: 7,40).
Dass man in Österreich mehr Wert auf das Mögliche denn auf das Wirkliche legt (und dieses Land damit das wahre Land der unbegrenzten Möglichkeiten ist, jedenfalls solange niemand erwartet, dass sie Wirklichkeit werden), lässt sich auch daran ablesen, dass nur drei Länder unter den Top-20 eine Breitband-Durchdringung von weniger als 25% ausweisen: Irland, Taiwan und eben Österreich.
An der Spitze der Länder, die den Status der „e-readiness“ erreicht haben, finden sich auffallend viele Staaten aus Nordeuropa (1: Schweden, 2: Dänemark, 4: Finnland, 6: Norwegen), aber auch die Niederlande (Platz 5). Das hat Martin Weigert auf netzwertig.com dazu verleitet, „Klassendenken und Hierarchien“ in Zusammenhang mit den „besten Voraussetzungen für eine gelungene Digitalisierung“ zu bringen. Während Österreicher in einer Hass-Liebe mit ihren nördlichen Nachbarn verbunden sind, ist das Verhältnis der Deutschen zu ihren nördlichen Nachbarn eher eine „Hunde-Liebe“: ob Transparenz, Gleichstellung, Wirtschafts- oder Bildungspolitik: kaum ein Bereich, in dem man nicht schwanzwedelnd aufschauen und sehnsüchtig bewundern kann.
Die in Deutschland gern diskutierte „Angst der Eliten vor dem Internet“, hervorgerufen von einem durch das „Echtzeitweb“ – meiner Meinung nach: vermeintlich – gegen Null tendierenden Informationsvorsprung (nicht: „Wissensvorsprung“) wird zurückgeführt auf die Existenz von Eliten an sich. (Fürchten sich die österreichischen Eliten eigentlich auch vor dem World Wilde Web? Oder ignorieren sie es nicht einmal?) Also: weniger Eliten, weniger Klassendenken und damit auch weniger Angst vor dem Internet? Gewinnen also die Vielen von den Wenigen? Erlernte oder empirisch gewonnene Information sind nur Bausteine und Grundlage von Wissen, nicht das Wissen selbst: „Das Internet kommt immer wieder mit Entwicklungen, die die großen Massen nicht vorhersagen können", warnte Peter Rastl, Chef des Zentralen Informatikdienstes der Universität Wien und „Vater des österreichischen Internets“ vom Dienst. Relevanter ist der Kontrollverlust, der durch eine ungehinderte, barrierefreie Verbreitung („Dissemination“) von Informationen entsteht, denken wir an die Arbeitspapiere zu den ACTA-Verhandlungen oder zu den Vorstellungen der Presseverleger zum Leistungsschutzrecht in Deutschland. Entsprechend groß – aber auch entsprechend realistisch? - sind die Erwartungen der Österreicher an das Internet: einer marketmind-Umfrage zufolge glauben sie mehrheitlich an „eine virtuelle Partizipation an öffentlichen Prozessen“ und „sehen das Internet künftig als primäre und offene Wissensplattform“ (wieder richtig: „Informationsplattform“), während weniger als die Hälfte der Befragten sich das Netz als virtuelles Einkaufszentrum vorstellt (Quelle: derstandard.at).
Neben den mentalen sind aber auch die technischen Voraussetzungen entscheidend: Vor allem Breitbandverbindungen und der mobile Netzzugang sind neben ihrer finanziellen Erschwinglichkeit unverzichtbare Grundlagen des Internetausbaus. Hier zählen vor allem Taiwan, Südkorea und Japan zu den Gewinnern der EIU-Studie. Gerade hier sollte, so die Empfehlung, Österreich mehr Möglichkeit Wirklichkeit werden lassen.
Bildnachweis: Titel der Studie
Joachim Losehand am Montag, 05.07.2010 08:55 Uhr
Lars Sobiraj am 20.05.2012, 16:54 Uhr
Im US-amerikanischen iTunes Store wurden statt dem Begriff "Jailbreak" lediglich Sternchen zwischen dem Anfangs- und Endbuchstaben angezeigt. Davon waren letztlich alle Kategorien betroffen. So wurden neben Apps auch Klingeltöne, Podcasts, Musikstücke, ganze Alben und eBooks zensiert angezeigt. Laut den Untersuchungen von Shoutpedia waren mehrere Monate lang 95% aller Begriffe davon betroffen.
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